Maximilian Steinbauer, ein Berliner Fußballer in Thailand (Quelle:privat)
Bild: privat

Berliner in thailändischer Profiliga - Vom Viertligisten zum Nationalspieler?

Maximilian Steinbauer ist beim 1. FC Union Berlin groß geworden. Zuletzt spielte er bei Tennis Borussia in der Regionalliga. Jetzt steht der 19-jährige in der thailändischen Profiliga unter Vertrag. Er hat große Ambitionen. Von Friedrich Rößler

Eigentlich habe alles gepasst, erzählt Maximilian Steinbauer. "Ich habe mich in der Mannschaft sehr wohl gefühlt und den Wechsel eigentlich sehr ungern gemacht", blickt der 19-jährige Innenverteidiger auf seine kurze Zeit beim Berliner Regionalligisten Tennis Borussia zurück. Aber der Wunsch nach Thailand zu gehen, sei stärker gewesen. "Ich wollte jetzt im Winter die Chance nutzen und erhoffe mir davon, mich als Fußballer und Mensch weiter zu entwickeln."

Als Teenager mit ein paar wilden Ideen im Kopf ins Heimatland der Mutter auswandern - dazu gehört neben einer ordentlichen Portion Mut auch ein Plan. Diesen verfolgt der beidfüßige Berliner mit dem markanten dunklen Locken-Pony schon ein paar Jahre. Mit sechs Jahren habe er angefangen, gegen den Ball zu treten. Danach hätte Steinbauer nur noch Fußball im Kopf gehabt und für sich entschieden, dass er irgendwann Profi werden wolle.

Thunderdome Stadium statt Mommsenstadion

Dieser Lebenstraum begann in der Jugendmannschaft beim 1. FC Union Berlin und setzte sich bei der U19 bei Viktoria 1889 weiter fort. Vor gut einem halben Jahr wechselte Maximilian Steinbauer dann zum Viertligisten Tennis Borussia, kurz nach dem Jahreswechsel zum thailändischen Erstligisten Muangthong United. Thunderdome Stadium statt Mommsenstadion heißt es jetzt, Bangkok statt Berlin.

Seine doppelte Staatsbürgerschaft hat ihm beim Wechsel sicher einigen Papierkram erspart. Sein Abitur, das er im Sommer abgeschlossen hatte, könnte helfen, wenn es doch nicht klappt mit dem Fußballtraum.

Über einen Berater, der kurze Clips vom Berliner an verschiedene Vereine geschickt habe, sei Maximilian Steinbauer bei Muangthong United gelandet. "Meine Mitspieler haben mich sehr gut aufgenommen, sind mega-nett und haben mir viel Hilfe angeboten", erzählt der Teenager. Sie hätten ihn auch beim Einrichten des WLAN und eines Handyvertrages geholfen. Seine Berliner Familie unterstütze ihn, auch wenn sie traurig seien, dass er so weit weg sei. Täglicher Kontakt lindere die Entzugserscheinungen.

Traum Nationalmannschaft

Wegen der Corona-Pandemie pausiert die thailändische Liga gerade für einen Monat. Daher konnte der deutsche Neuzugang bisher nur trainieren. Auf dem Platz spricht man Englisch, die Anweisungen vom mazedonischen Trainer Mario Gjurovski werden aber auch auf Thailändisch übersetzt, da neben den Ausländern viele Einheimische den Kader besetzen. Übrigens leiteten den vierfachen thailändischen Meister auch schon Fußballgrößen wie der Engländer Robbie Fowler oder der Deutsche Winfried Schäfer an.

"Es wäre natürlich ein Traum, für eine Nationalmannschaft spielen zu können," schwärmt der Berliner Steinbauer. Doch dafür müsse er erstmal im Training auffallen und im Thunderdome Stadium mit guten Leistungen seinen Namen im thailändischen Fußballgeschäft etablieren. "Dann schaue ich, ob es mir hier gefällt und ob ich länger bleiben möchte." Schlecht verdiene er nicht in Thailand.

Der Fußball sei durch die hohen Temperaturen etwas anders, nicht so körperlich wie in Deutschland, erzählt der Berliner Abwehrspieler weiter. "Aktuell wird hier eher auf lange Bälle gesetzt, dann hast du einen großen Brasilianer vorne, der meistens gesucht wird." So stellt sich auch Muangthong United auf. Allerdings mit einem kleinen Unterschied zur Konkurrenz: Der lange Ball könnte bald an der Berliner Mauer abprallen. Das hofft jedenfalls Maximilian Steinbauer.

Beitrag von Friedrich Rößler

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