Sportler bedanken sich bei ehrenamtlichen Helfern (Quelle: imago images/foto2press)
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Berlin ist Hauptstadt der Freiwilligen - "Man kann eigentlich nur dazugewinnen"

Seit dem 1. Januar ist Berlin die "Hauptstadt der Freiwilligen". Rund 60.000 Menschen engagieren sich ehrenamtlich für den Sport, weil sie Gutes tun und etwas erreichen wollen - drei Gesprächsprotokolle.

60.000 ehrenamtliche Helfer, rund 16 Millionen Arbeitsstunden pro Jahr: In Berlin engagieren sich viele Freiwillige für den Sport. Das Europäische Freiwilligenzentrum hat Berlin seit dem 1. Januar zur "Hauptstadt der Freiwilligen" ernannt. Drei der vielen Helfer haben uns von ihrem Ehrenamt erzählt.

Heiko Engel (52) aus Köpenick von der Turngemeinde in Berlin

Ich habe mit neun Jahren mit dem Rudern angefangen, hatte dann wegen des Studiums aber wenig Zeit für den Sport. Als ich zwei Jahre in Frankfurt am Main gelebt habe, habe ich wieder angefangen. Die Leute haben festgestellt, dass ich das kann und wollten von mir lernen. Ich war noch kein Trainer, aber es hat mir viel Spaß gemacht, anderen meine Leidenschaft für das Rudern beizubringen. Mit dieser Initialzündung habe ich dann beschlossen: Wenn du das so gerne vermittelst, dann mach es doch einfach!

Heiko Engel (privat)
Hat über das Ehrenamt Freunde fürs Leben kennengelernt: Heiko Engel. | Bild: privat

Seit 2000 bin ich in der Turngemeinde in Berlin und habe mich dann entschlossen, bei uns die Ruderausbildung zu übernehmen. Dann habe ich angefangen, Kooperationen zu suchen und habe das Schul- und Uni-Rudern bei uns mit aufgebaut. Es wurden dann immer mehr Sportler. Wir haben mit 35 Ruderern angefangen und sind jetzt bei 120. Das mache ich dann alles in meiner Freizeit. Das sind etwa 15 bis 20 Stunden, die ich in der Woche dafür aufwende.

Ich bin gerne draußen und genieße das Gefühl, auf dem Wasser und in der Landschaft unterwegs zu sein. Das möchte ich den Kindern und auch den Erwachsenen vermitteln. Das Vereinsleben macht auch viel Spaß. Man lernt neue Leute kennen, Freundschaften entstehen, die Kinder entwickeln sich zu einem Team und kommen weg von Handys und Computern.

Sonja Böttcher (26) aus Köpenick von Viktoria Mitte

Ich werde im Sommer mit meinem Refendariat fertig und bin dann Lehrerin für Deutsch und Sport. Ehrenamtlich bin ich seit zehn Jahren bei Viktoria Mitte dabei und wollte damals unbedingt mit Kindern arbeiten. Ich habe gesehen, dass der Verein auf der Suche nach ehrenamtlichen Helfern war und habe mich einfach beworben. Dann ging es ganz schnell los. Ich habe mit Fußball angefangen. Da ich eigentlich aus dem Turnen komme, lag es mir am Herzen, eine Turnabteilung zu haben. Das wurde mir dann ermöglicht und seit drei Jahren leite ich die Turnabteilung. Das macht mich auch stolz, gerade wenn man sieht, wie sich die Kinder freuen. Aktuell beschäftigt mich noch die Projektleitung für die erste Kita von Viktoria Berlin, die in vier Jahren eröffnet werden soll. Es sind sehr vielfältige Aufgaben und man kann sich selbst auch verwirklichen.

Sonja engagiert sich bei Viktoria Mitte (Quelle: Roland Horn)
Sonja engagiert sich bei Viktoria Mitte. | Bild: Roland Horn

Mein Hauptantrieb war immer die Arbeit mit Kindern, weil es viel Spaß macht und Kinder auf eine andere Art Dankbarkeit zeigen. Man hat eine Aufgabe, die gewürdigt und geschätzt wird. Und man motiviert die Kinder zu Sport und Bewegung, denn viele haben einen extremen Bewegungsmangel. Ich sehe das auch als soziale Verantwortung an. Was mich auch antreibt, ist die Vereinsarbeit mit verschiedenen Menschen und Kulturen. Es ist einfach schön, immer wieder etwas Neues zu lernen und man nimmt für sich selbst auch immer etwas mit. Wegen der Corona-Krise haben wir ein Projekt ins Leben gerufen, wo wir auf YouTube Fitness- und Turnvideos bereitgestellt haben. Ich würde mir wünschen, dass sich noch mehr Leute engagieren, weil es total viel Spaß macht und man eigentlich nur dazugewinnen kann.

Elke Duda (56) aus Reinickendorf vom TSV Berlin-Wittenau

Ich habe damals geturnt und mein Trainer hat mich relativ schnell gefragt, ob ich die Gruppe der Kleinen übernehmen will. Und dann rutscht man da so rein. Ich bin dann vom Turnen zum Tanzen gekommen und hatte eigene Gruppen. Ich habe zu der Zeit eine Ausbildung zur Bankkauffrau gemacht. Ich saß schon immer wenig vor dem Fernseher, sondern habe meine Abende mit Sport gefüllt. Man geht da auch nicht nur zum Sport hin, sondern auch, um zu quatschen und seine Freunde zu sehen.

Inzwischen bin ich einer der Vorstände des Vereins und für den Sport, Fördermittel und Projekte zuständig. Wir sind reich gesegnet mit vielen Menschen, die uns helfen. Daran hängt unser Herz, weil wir es toll finden, dass sich so viele engagieren. Wir versuchen, ihnen auch etwas wiederzugeben und kümmern uns um unsere Ehrenamtlichen.

Elke Duda vom TSV Berlin-Wittenau (Quelle: privat)
Ehrenamtlich engagiert in vielen Rollen: Elke Duda vom TSV Berlin-Wittenau. | Bild: privat

Aber ich bin trotzdem immer noch ehrenamtlich tätig und das werde ich wohl auch immer sein. Irgendwie kriegt man in der Jugend viel von Leuten mit, die sich für einen engagiert haben und ich denke, es ist gut für die Gesellschaft, wenn jeder eine kleine Aufgabe hat.

Ich glaube, dass es für einen Verein wichtig ist, eine Kommunikationsstruktur zu haben. Wir müssen einwirken, wenn es um den Bau von Sportstätten oder Digitalisierung geht. Da ist es dann gut, die Kontakte zum Bezirk zu halten oder zum Sportausschuss, wo ich noch engagiert bin. Ich bin auch ehrenamtlich Vizepräsidenten im Bezirkssportbund Reinickendorf. Es gibt so viele Sachen und ich versuche, mich für den Sport zu engagieren.

2 Kommentare

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  1. 2.

    Solange solche einschneidenden Maßnahmen aufrechterhalten werden, werde ich auch mit Sicherheit kein Ehrenamt mehr bestreiten.

  2. 1.

    Danke an alle Freiwilligen. Ich bin heute dem Hausmeister des Kreuzberg Museums auf einem nahegelegenen öffentlichen Spielplatz begegnet. Er hatte den Spielplatz neben der INA-Kita gründlich aufgeräumt. Dort liegen nun seit ein paar Tagen zwei kleine Berge (ca. ein Kubikmeter) mit Pflanzenresten, Müll, menschlichem Kot, Spritzen etc. pp. Bleibt die Hoffnung, dass das "zuständige" Grünflächenamt für die schnelle Entsorgung sorgt. An manchen Ecken wäre auch eine tägliche Reinigung der Spielplätze seitens des Bezirks sehr wünschenswert. O-Ton "Corona, Corona, Corona, aber hier ist täglich Scheiße von Menschen auf dem Spielplatz." (Leider entspricht das der Realität auf diesem Spielplatz nahe dem Kotti neben der INA-Kita.) Ohne die vielen Freiwilligen sähe es nicht nur hier im Kiez ganz anders aus. DANKE!

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