Werders Davie Selke im Laufduell mit Herthas Jordan Torunarigha (Quelle: imago/Team 2)
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Ex-Herthaner vor Gastspiel im Olympiastadion - Selke über Hertha: "Es gibt kein böses Blut"

Der Ex-Herthaner Davie Selke kehrt am Samstag (18:30 Uhr) mit Werder Bremen zu seinem ehemaligen Verein zurück und möchte im Olympiastadion "auf jeden Fall gewinnen". rbb|24 hat vor dem Gastspiel mit Selke gesprochen.

rbb|24: Davie Selke, am Mittwoch sind Sie 26 Jahre alt geworden. Wie haben Sie den Tag verbracht?

Davie Selke: Unspektakulär. Eigentlich wie jeder andere Tag auch nur mit vielen Glückwünschen auf dem Handy.

Auch aus Berlin?

Auch aus Berlin, tatsächlich! Von alten Mannschaftskollegen und auch aus dem Staff, darüber habe ich mich sehr gefreut.

Sie sind seit einem knappen Jahr zurück in Bremen, wie ist es Ihnen seitdem gegangen?

Emotional gut. Es ist ja bekannt, dass ich großer Sympathisant von Werder bin, deswegen bin ich sehr froh, dass ich wieder hier spielen darf. Sportlich durchwachsen, ich konnte hier noch nicht so in meinen Rhythmus kommen. Am Anfang aus Leistungsgründen, muss man sagen, danach wegen Verletzungen. Ich habe es nie hinbekommen, mal ein paar Spiele am Stück zu machen. Mein Fokus liegt darauf, dass ich die nächsten Spiele wieder Kraft aufbauen kann und dann wenn ich meine volle Kraft habe, ein paar Spiele zu spielen.

In der vorigen Saison gelang der Klassenerhalt in der Relegation, aktuell Platz 13 – wie schätzen Sie Werders Leistung derzeit ein?

Gut. Im Vergleich zur Rückrunde im Vorjahr haben wir mental einen Schritt gemacht und spielen stabiler. Es ist unangenehm gegen uns. Wir spielen aus einer guten Grundordnung und das muss unsere Basis sein. Dann wollen wir aber auch in den nächsten Wochen den Schritt machen, näher ran ans Tor zu kommen.

Sie haben ja bereits erwähnt, für Sie persönlich war es schwierig mit den Verletzungen. Was sind Ihre Erwartungen und Wünsche für die nächsten Spiele?

Dass ich gesund bleibe und wenn ich meine Kondition wieder zu 100 Prozent aufgebaut habe, dann die Spiele zu machen. Dann bin ich überzeugt davon, dass ich der Mannschaft helfen kann: mit Toren, mit Vorlagen und auch mit dem vollen Einsatz, den ich einfach auch für mein Spiel brauche.

Reden wir mal über Ihren alten Verein, Hertha BSC. Die tun sich in dieser Saison ziemlich schwer, hinken den Erwartungen hinterher. Wie verfolgen Sie Ihren Ex-Klub?

Wenn es geht, gucke ich natürlich jedes Hertha-Spiel, das ist ganz klar. Die haben viele gute Spieler dazubekommen mit einer Menge Potenzial. Aber es ist auch klar, dass das natürlich ein bisschen dauert, bis das alles zusammenwächst und funktioniert. Hertha hatte davor eine Achse und eine Mannschaft, die über mehrere Jahre eingespielt war. Ich glaube schon, dass man merkt, dass diese Leute, die für Hertha gestanden haben, fehlen. Aber das ist ganz normal, das muss sich erst mal wieder einspielen.

Nach der 0:1-Niederlage in Gladbach geht es mit Werder am Wochenende nach Berlin, ein Duell von Tabellennachbarn - Hertha ist 14., Werder 15.. Was muss Werder tun, um die Partie für sich zu entscheiden?

Eigentlich so wie in den letzten Wochen spielen. Ich glaube, dass wir kurzfristig eine gute Entwicklung gezeigt haben. Auch in Gladbach hatten wir mindestens einen Punkt verdient und genauso wollen wir nach Berlin fahren. Wir wollen gut stehen und Nadelstiche setzen am besten so wie in Gladbach.

Wir freuen uns sehr auf das Spiel, das ist – wie Sie gesagt haben – ein Spiel gegen einen Tabellennachbarn und das wollen wir auf jeden Fall gewinnen.

Zum Geburtstag gab es Glückwünsche von den ehemaligen Kollegen aus Berlin. Ging es da auch schon ein bisschen ums Spiel?

(schmunzelt) Ehrlich gesagt noch nicht. Aber ich bin mir sicher, dass es vor dem Spiel noch den einen oder anderen Facetime-Anruf geben wird, wo dann auch übers Spiel gesprochen wird. Aber wenn dann eher darüber, dass man sich auf das Wiedersehen freut.

Mit wem haben Sie denn noch Kontakt?

Regelmäßigen Kontakt habe ich zu Marvin Plattenhardt, Mathew Leckie, zu Jordan natürlich (Anm.: Torunarigha) und zu Michael Becker (Anm.: Herthas Physiotherapeut), zu dem ich auch einen ganz engen Draht habe.

Ab und an auch mit Arne Friedrich, weil ich mich mit ihm sehr gut verstanden habe, als er damals frisch gekommen ist. Das ist ein Supertyp und auch eine große Bereicherung für Hertha meiner Meinung nach.

Schauen wir in die Zukunft: Ihre Leihe endet im Sommer. Wollen Sie denn in Bremen bleiben oder besteht die Möglichkeit einer Rückkehr nach Berlin?

Das entscheidet sich im Sommer. Groß Gedanken habe ich mir darüber noch nicht gemacht. Ich bin eher ein Typ, der sich mit Sachen auseinandersetzt, wenn sie anstehen. Für mich zählt aktuell, dass ich in den Flow komme. Ich will fit bleiben, ich will wichtig werden für die Mannschaft auf dem Platz und ich will das zeigen, was möglich ist. Das habe ich meiner Meinung nach noch nicht so oft zeigen können.

Ich kann nur sagen, dass ich froh bin, hier in Bremen zu sein. Aber es gibt bezüglich Hertha kein böses Blut. Ich habe mich da immer sehr wohl gefühlt; nicht nur im Verein, sondern auch in der Stadt.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Jonas Bürgener, rbb sport. Es handelt sich um eine leicht gekürzte Fassung.

Sendung: Inforadio, 23.01.2021, 18:25 Uhr

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