Die Eisbären Frank Hördler und Marcel Noebels beim Torjubel (imago images/O. Behrendt)
Video: rbb UM6 | 17.01.2020 | Max Kell | Bild: imago images/O. Behrendt

Zwischenbilanz Eisbären nach Saisonstart - Besser als gedacht und trotzdem Luft nach oben

Der Kader steckt im Umbruch. In der Vorbereitung hagelte es Niederlagen und aufgrund von Corona ist ohnehin alles anders. Dass die Eisbären Berlin trotzdem anständig in die Saison gestartet sind, überrascht. Auch wenn ein Problem bleibt. Von Ilja Behnisch

Gerade einmal eineinhalb Monate ist Kris Foucault (30) nun bei den Eisbären. Dafür scheint die Integration allerdings bereits weit fortgeschritten. Das Team habe ihn gut aufgenommen, er selbst habe herausgefunden, wo er sein so heiß geliebtes, mexikanisches Essen beziehen könne und die Familie? Die "mag den Berliner Zoo sehr", so Foucault gegenüber dem rbb.

Ob sich Familie Foucault mit Vorliebe bei den Eisbären aufhält, ist noch nicht bekannt. Den Namensvettern aus der Deutschen Eishockey Liga wäre allerdings auch mit Hunden geholfen. Die nämlich erhöhen die Konzentrationsfähigkeit des Menschen, wie einst eine Studie der Uni Basel herausfand. Und mit der Konzentrationsfähigkeit ist es so eine Sache bei den Eisbären Berlin.

Dem Trainer fehlen vor allem die Fans

Nach sechs Spielen steht die Mannschaft von Trainer Serge Aubin auf Rang 3 der Gruppe Nord. Angesichts des desaströsen Vorbereitungsturniers, dass die Eisbären im November absolvierten, eine nicht unbedingt zu erwarten gewesene Bilanz. Einen Makel hat der an sich positive Saisonstart aber doch, wie Kris Foucault sagt: "Wir müssen beständiger sein und in der Lage, die kompletten 60 Minuten konzentriert zu bleiben."

Eine Einschätzung, die gegenüber dem rbb auch Coach Aubin teilt - er sagt über den Auftakt in die Spielzeit: "Es gab ein paar gute Momente, aber auch Momente, in den wir es einfach haben geschehen lassen. Das letzte Spiel war symptomatisch dafür: Wir hatten fantastische erste 40 Minuten. In den letzten 20 sind wir ein wenig vom Weg abgekommen. Das sind Momente, in denen die Fans die Spieler mit ihrer Anfeuerung normalerweise aufmerksam bleiben lassen. Dieses Jahr müssen wir das intern lösen." Audin betont: "Wir vermissen die Fans. Die Stimmung in der Arena."

Das Team hat eine neue Hierarchie

Dass sich Spiele wie jenes bei der Düsseldorfer EG nicht wiederholen, dafür sieht sich insbesondere auch Kris Foucault in der Pflicht: "Spieler wie ich, Matt White oder Giovanni Fiore, die auf einem hohen Niveau gespielt haben, können jedem Team helfen. Wir müssen führen und dem jungen Team Sicherheit geben."

Ein Vorhaben, das bereits aufzugehen scheint. So sagt Trainer Serge Aubin: "Die Neuzugänge bringen Führungsqualitäten in die Kabine. Wir sind froh, sie zu haben." Von den Fragezeichen um die Hierarchie innerhalb der Mannschaft, die sich nachdem Karriereende von André Rankel und Florian Busch sowie dem Abgang von Constantin Braun ergaben, scheinen kaum noch welche übrig zu sein. Dass mit Frank Hördler nur noch ein Spieler im Kader steht, der mit den Eisbären schon einmal Meister wurde? Nicht der Rede wert. "Ich denke wir sind so stark, wie wir sein wollen. Wir haben jede Menge Talent, viele junge Spieler, die stark sind und gute Neuzugänge. Aber wir müssen unseren Job erledigen, gerade auch defensiv."

"Wir werden uns verbessern"

Die Offensive hingegen - in den Testspielen der Vorbereitung noch kaum mehr als eine Ahnung - zeigte sich zuletzt beständig treffsicher. Zumindest, so lange das mit der Konzentration klappte. Kris Foucault ist dennoch nicht vollauf zufrieden mit dem Saisonbeginn: "Es ist schwer, nach so einer langen Pause [das letzte Pflichtspiel datiert aus dem März 2020, Anm.d.Red.] wieder zu spielen. Aber ich denke, ich habe vernünftiges Eishockey gespielt. Doch am Ende werde ich danach beurteilt, wie erfolgreich das Team ist. Da müssen wir uns verbessern und da werden wir uns verbessern. Wir sind besser als das, was wir bisher gezeigt haben."

Happy sei er trotzdem, so Foucault, denn: "Ich bin in der glücklichen Lage, einen Job machen zu können, den ich liebe. Und den ich noch immer ausführen kann. Dafür bin ich sehr dankbar." Und für alles andere gibt es ja schließlich den Berliner Zoo.

Sendung: rbb24, 15.01.2021, 21:45 Uhr

Beitrag von Ilja Behnisch

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