Spielerberater Kevin Kuranyi am Spielfeldrand (Quelle:imago images / Herbert Rudel)
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Audio: Inforadio | 12.01.2021 | O-Ton Kevin Kuranyi | Bild: imago images / Herbert Rudel

Interview | Spielerberater Kevin Kuranyi - "Jerome Boateng oder Sami Khedira könnten Herthas Mannschaft leiten"

275 Mal spielte Kevin Kuranyi in der Bundesliga, erzielte dabei 111 Treffer. Der Torjäger von einst ist mittlerweile Spielerberater. Im Interview sagt er, was Hertha anders machen sollte und wie Corona seine Arbeit verändert.

Bis zum 1. Februar können die Vereine der Fußball Bundesliga neue Spieler verpflichten. Das bedeutet viel Arbeit für Manager und Spielerberater. Der frühere Nationalspieler Kevin Kuranyi betreut mit seiner Firma "22 Sportsmanagement" vor allen Dingen Fußballer in Deutschland, aber auch weltweit. rbb|24 hat ihn telefonisch in Dubai interviewt.

rbb|24: Herr Kuranyi, wie funktioniert Ihre Arbeit als Spielerberater in Coronazeiten?

Kevin Kuranyi: Man kann sich persönlich kaum treffen, darf nicht in verschiedene Länder fliegen. Das meiste macht man am Telefon, per E-Mail oder Videokonferenz. Auch die finanzielle Lage der Vereine ist schwierig, sie schauen auf jeden Cent. Dadurch dauern Verhandlungen deutlich länger.

Corona einmal ausgeblendet: Wie läuft das in "normalen" Zeiten bei Ihnen?

Wenn es Interesse an einem unserer Spieler gibt, trifft man sich im Büro des Vereins. Man trifft sich mit dem Sportdirektor, mit dem Trainer. Dann wird verhandelt. Dann trifft man sich noch einmal mit dem Spieler. Das ist leider alles ganz anders geworden.

Müssen Sie den Vereinen Videosequenzen mit den besten Szenen der Spieler schicken?

Die Ligen laufen normal weiter, deshalb wissen die Vereine, welche Qualitäten die Spieler haben, Videos muss ich da nicht schicken. Es gibt Scouting-Plattformen, da bekommt man die Leistungsdaten der Spieler heraus und auch sonst alle möglichen Informationen.

Welche Spieler betreuen Sie?

Wir haben viele Partnerschaften mit anderen Beratern. Die arbeiten in Brasilien, haben da ihre eigene Firma, wir haben Leute in Frankreich. Deren Spieler betreuen wir dann in Deutschland. Heißt: Alles was von der Firma in Deutschland gemacht wird, machen wir.

Spielerberater Kevin Kuranyi (re.) begrüßt Hertha-Neuzugang Matheus Cunha (li.) am Flughafen Tegel (Quelle: imago images / Matthias Koch)
Ein Hallo am Flughafen Tegel: Herthas Matheus Cunha (li.) und Spielerberater Kevin Kuranyi (re.) am 12.02.2020 | Bild: imago images / Matthias Koch

Vor ziemlich genau einem Jahr ist der Brasilianer Matheus Cunha für 18 Millionen Euro von RB Leipzig zu Hertha BSC gewechselt. Sie sind gebürtiger Brasilianer, sind vor Ort gut vernetzt. Inwiefern haben Sie bei dem Transfer mitgeholfen?

Eigentlich haben wir alles gemacht. Ich wusste, dass Hertha BSC einen Stürmer sucht und habe das ein bisschen analysiert: Welcher Stürmertyp würde passen? Wer hat das Talent und die Qualität, sich in Berlin durchzusetzen? Und wen kann Hertha BSC sich leisten? Dann haben wir den Kontakt hergestellt, erst einmal zu Jürgen Klinsmann. Der fand die Idee sehr interessant. Danach haben wir mit Michael Preetz verhandelt. Und dann haben wir am Ende einen guten Abschluss gefunden.

Wie sehen Sie die Entwicklung von Matheus Cunha nach einem Jahr im Hertha-Trikot?

Der Junge musste dringend spielen und eine Chance bekommen. Natürlich steht Hertha nicht so gut in der Tabelle da, aber als Einzelspieler hat er sich mega entwickelt. Ich denke, es war der richtige Schritt für ihn.

Sind Sie noch in Kontakt mit Cunha?

In Kontakt: ja. Aber sein brasilianischer Berater hat die Chance genutzt und gemerkt: Die Entwicklung ist so gut geworden, die großen internationalen Vereine fragen schon nach Cunha. Jetzt versucht der Berater, es alleine zu machen. Das gehört zum Geschäft dazu.

Atletico Madrid soll an Cunha interessiert sein, auch Juventus Turin wird genannt. Was würden Sie ihm raten?

Er muss diese Saison erst einmal zu Ende bringen und sich dann nach der Saison Gedanken machen. Er muss schauen, ob Hertha sich noch international entwickelt. Er muss schauen, was richtig für ihn ist. Ob er noch ein Jahr bleibt oder vielleicht schon den nächsten Schritt zu einem internationalen Verein macht.

Hertha BSC hat viele junge Talente aus dem Ausland, eine Mannschaft ist aber noch längst nicht entstanden. Warum gestaltet sich das so schwierig?

Man muss eine gute Mischung finden. Ich habe Hertha BSC im Sommer auch zwei andere Topspieler angeboten. Leider haben sie gesagt, das passt nicht rein. Am Ende hat sich der eine Spieler bei Paris Saint-Germain und der andere bei einem anderen Topverein durchgesetzt. Ich fand das schade, weil die Möglichkeit da war, der Preis war so gut. Hertha BSC hätte es sich leisten können und bestimmt hätten die Spieler zur Mannschaft gepasst.

Am Ende entscheidet immer der Verein, sie haben ihre eigenen Ideen und haben dafür andere Spieler geholt.

Welche Spieler haben Sie Hertha konkret angeboten?

(lacht) Das bleibt noch ein Geheimnis, sonst verrate ich viel zu viel.

Wenn Sie noch einmal auf die Wintertransfer-Periode schauen: Wir haben mit Hertha BSC und dem 1. FC Union zwei Bundesligisten in Berlin. Welche Spieler könnten Sie jetzt anbieten?

Bestimmt hätte ich ein paar gute Spieler, die helfen könnten. Am Ende muss Hertha BSC auch auf jemanden hören, der auch vom Fußball kommt. Und nicht auf andere Leute, die nur Geschäfte machen wollen.

Wen würden Sie Hertha BSC empfehlen?

Sie brauchen jemanden mit Charakter, jemanden, der die Mannschaft führen kann. Jemanden, der den jungen Talenten, die viel Qualität mitbringen, die richtige Richtung zeigt. Ich hätte da zwei im Kopf: Jerome Boateng, der noch ein halbes Jahr Vertrag hat. Und Sami Khedira, der vielleicht nach Deutschland zurückkommen will. Es gibt viele Möglichkeiten, aber der Verein muss es auch einmal wollen und es riskieren, Geld in einen erfahrenen Spieler zu investieren. Der bringt vielleicht nicht durch einen Verkauf das Geld zurück, aber er kann die Mannschaft leiten.

Vielen Dank für das Gespräch.

Das Gespräch führte Dennis Wiese, rbb-Sportredaktion.

Sendung: Inforadio, 12. Januar 2021, 14:15 Uhr

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