Zum 55. Geburtstag des DDR-Rekordmeisters - BFC Dynamo - Geliebt und verachtet

So 31.01.21 | 11:50 Uhr | Von Philipp Büchner
  19
Der damalige BFC-Kapitän Frank Terletzki dribbelt mit dem Ball. (Quelle: imago/Werner Schulze).
Bild: imagho/Schulze

Wie viele ehemalige Ost-Klubs feierte auch der BFC Dynamo gerade seinen 55. Geburtstag. Der "FC Bayern München des Ostens" schrieb zu DDR-Zeiten die vermutlich spannendste Geschichte aller Vereine. Von Philipp Büchner

"Ich bin ja nur achtmal Meister geworden", sagt Frank Terletzki. Okay... derartig tiefstapeln können weltweit wohl nur wenige Fußballer. Zum Vergleich: Sogar Lothar Matthäus ist nur siebenmaliger Deutscher Meister. Doch das ist kein Understatement vom ehemaligen BFC-Kapitän, er möchte lediglich seinen Anteil an den zehn Meistertiteln in Folge (1979-88) präzisieren. Und der ist mit 91 Toren in 393 Spielen gewaltig. Der gängige Vergleich seines Ex-Vereins mit dem FC Bayern München kommt erst auf Nachfrage. "So kann man das sagen, ja."

Stasi-Chef Mielke gratuliert BFC-Spielern zum Meistertitel 1987 (Quelle: imago/Camera4).
Stasi-Chef Erich Mielke gratuliert BFC-Spielern mal wieder zum Meistertitel. | Bild: imago/Camera4 | Bild: imago/Camera4

In vielerlei Hinsicht trifft dieser Vergleich zu: Der BFC war der erfolgreichste Klub der DDR, stellte die meisten Nationalspieler und spielte folglich meistens den besten Fußball. Bei den Anhängern brachte das den Ost-Berlinern glühende Verehrung ein. Doch wenn es andererseits um die Ablehnung geht, steckt der BFC sogar die vielgeschmähten Bayern locker in die Tasche. "Stasiklub" winken die Anhänger nahezu aller anderen Vereine der DDR ab. Tatsächlich war der BFC Teil der Sportvereinigung Dynamo und als solches ein Verein der Sicherheitsorgane. "Wir waren aber gar kein Stasi-Verein! Der Träger war die Volkspolizei und die Spieler bei der Polizei angestellt", klärt Terletzki auf. Doch natürlich war da der Ehrenvorsitzende, Stasi-Chef Erich Mielke, der "die Hand draufhielt und wollte, dass der BFC immer Meister wurde", wie auch Terletzki einräumt.

Jeder wollte den BFC schlagen

Direkt nach der Gründung war der Berliner Fußball Club trotz einzelner Erfolge noch lange nicht der Spitzenklub, als der er gleichermaßen geliebt und verachtet wurde. "In den Anfangsjahren waren andere Klubs stärker," erklärt der Ex-Kapitän. "Dresden, Jena, Magdeburg." Nur die Wenigsten wissen wohl, dass in der ewigen Tabelle der DDR-Oberliga der FC Carl Zeiss Jena vor den Berlinern auf Platz eins liegt und das natürlich uneinholbar.

"Zu DEM Spitzenklub der DDR wurde der BFC erst mit dem Trainerwechsel auf Jürgen Bogs." 1977 war das. Die Berliner sollten von der politischen Führung gewollt das fußballerische Aushängeschild der DDR sein. Die Voraussetzungen mit dem Leistungszentrum, zu dem Talente anderer Vereine delegiert wurden, waren allemal gegeben. Auf der anderen Seite wurde der BFC somit auch zu dem Klub, den alle unbedingt schlagen wollten, "so wie heute jeder den FC Bayern schlagen möchte". Frank Terletzki erinnert sich nur zu gut an den Druck, dem er und seine Mitspieler ausgesetzt waren. "Wir haben mehr trainiert als alle anderen. Außenstehende können sich nicht vorstellen, was jeder einzelne leisten musste."

Rivalitäten: Union der geliebte Feind

Die gegenseitige Abneigung zwischen BFC-Fans und Unionern ist legendär und bis heute tief verwurzelt. Schon zu DDR-Zeiten waren die offenkundigen Gegenpole zwischen dem Arbeiterverein und dem Klub der Sicherheitsorgane zu extrem. Doch für Terletzki war diese Rivalität damals von außen hereingetragen worden. "Zwischen den Spielern gab es keine Feindseligkeiten. Wir haben uns immer gut verstanden. Ein besonders gutes Verhältnis hatte ich zum Beispiel schon immer zu Union-Legende Jimmy Hoge."

Terletzkis Lieblingsspiele waren ohnehin immer die Aufeinandertreffen mit dem 1. FC Union, spätestens als die ab 1976 stets im Berliner Stadion der Weltjugend in Mitte ausgetragen wurden. "Teilweise vor 35.000 Zuschauern, das war der Höhepunkt für uns Berliner."

Auch wenn die Wurzeln des Vereins bis in die Nachkriegszeit zurück reichen, gilt die Neugründung als reiner Berliner Fußballklub im Zuge der Herauslösung der Fußballsektionen aus den Vereinen im Januar 1966 als Gründung. Der gleichnamiger Nachfolger des DDR-Rekordmeisters spielt heute in der viertklassigen Regionalliga Nordost.

Vor dem, was etwa Union oder der FC Energie Cottbus nach der Wende geleistet haben, zieht Terletzki den Hut. Ob sein Verein es jemals wieder ganz nach oben schafft? Die Frage beantwortet er nicht direkt, aber für unmöglich hält das der Ex-Kapitän nicht. Stattdessen spricht er über den Abstieg des Rekordmeisters, der wurmt Terletzki hörbar. "Man hat nach der Wende den Sprung in die Bundesliga versäumt. Ich war da nicht so drin, aber vielleicht hat man sich in der Phase auf den Lorbeeren ausgeruht."

Beitrag von Philipp Büchner

19 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 19.

    Eigentlich nicht. Denn 1953 wurde der SG Dynamo in Ostberlin gegründet und die Fußballabteilung teils aus Potsdam mit Spielern aufgefüllt. Einer der ersten größeren Erfolge war der FDGB Pokal Gewinn 1959. 1966 wurde lediglich die Fußballabteilung aus dem SC Dynamo Berlin herausgelost und als reiner Fußballclub BFC Dynamo weiter geführt. Somit lag die eigentliche Gründung des Vereins im März 1953 und der Verein BFC Dynamo ist keine 55 sondern schon 68 Jahre alt.

  2. 18.

    Zitat: "Der Ostfussball ist ziemlich untergegangen. Lediglich Leipzig ist in der Spitzenklasse des Profifußballs vorhanden."

    RB Leipzig wurde 2009 auf Initiative des Österreichischen Konzerns Red Bull GmbH gegründet. Das hat nichts auch nur im geringsten mit "Ostfussball" zu tun, Oleg.

  3. 17.

    Klar ein Oberliga Traditionsverein, deshalb Glückwunsch. Es muss immer einen geben, an dem man sich reiben kann.
    Bayern oder RBL sind aktuelle Beispiele aus dem heutigen Fußball Oberhaus. Die Spieler waren doch okay, sportlich
    auf dem höchsten DDR Niveau. Den Club Ehrenvorsitzenden konnten Sie sich wohl auch nicht aussuchen. Wie so vieles
    aus heutiger Sicht unvorstellbar ist. Und die „Subkultur“ auf den Rängen folgt dem allg. Ost-Phänomen: „....wenn ihr mich nicht liebt, dann sollt ihr mich wenigstens hassen. Auch das wird vergehen!

  4. 16.

    Der Ostfussball ist ziemlich untergegangen. Lediglich Leipzig ist in der Spitzenklasse des Profifußballs vorhanden. Alle anderen haben die Kurve bzw. Wende nicht so gepackt. Ob Union es dauerhaft schafft. sich in der BL zu halten, wird sich zeigen. Wichtig wäre es für den Osten schon. Rostock ist auch gescheitert. Würde mich freuen, wenn Leipzig mal einen Meistertitel holen könnte.

  5. 15.

    Auf jeden Fall. Ein Niveau hängt mit der Bildung zusammen. Und Arbeiter aber grundsätzlich ein niedrigeres Niveau als Studierte. Das ist einfach so. Wo ist das Problem, wenn dies einer mal sagt?

  6. 14.

    Genau, Niveau hat nämlich auch unbedingt mit sozialer Herkunft zu tun ;-)
    Sie sind der beste Beweis für Ihre These...

  7. 13.

    Union ist also ein Verein der Arbeiter? Das erklärt das flache Niveau der Fans. Danke für den Hinweis.

  8. 12.

    Aber Sie müssen schon zugeben, ein bisschen tot ist der BFC schon, so weit unten in der Fußball Landschaft.
    Noch töter als tot ist nur noch die "DDR".

  9. 11.

    Bodo Eierkopp...schallte es bei Auswärtsspielen.
    Trotzdem Glückwunsch Dynamo

  10. 10.

    Damit ist der BFC ja genauso alt wie Union. Das nenne ich mal Tradition!

  11. 9.

    Womit man natürlich jetzt mal eine philosophische Diskussion anfangen könnte, ob man dann einen 55. Geburtstag feiern kann ;-)

  12. 8.

    Ach ja - seit 20 jahren vorbei? Was war das dann z. B. mit dem Trauermarsch und der Kranzniederlegung "Zum Gedenken an unseren Freund Tommy Haller" vor zwei Jahren? - oder mit den so nie gesehenen Ausschreitungen beim Berliner Derby FCU:HBSC Ende '19, an der auch BFC Hools beteiligt waren, Hensel? Und was der User Dieter in seinem Wohnumfeld erlebt, können Sie wohl kaum beurteilen.

  13. 7.

    Natürlich gab es den Verein ununterbrochen. Aber er wurde nach der Wende neu gegründet
    und ist in seiner heutigen Form erst seit 1990 im Vereinsregister eingetragen. In der
    Vereinssatzung auf bfcdynamo.de können Sie das nachlesen.
    Somit ist es eindeutig der (wieder gleichnamige) Nachfolgeverein. Beste Grüße.

  14. 6.

    Was verbreiten Sie denn für Parolen? Dieses Thema ist seit ca. 20 Jahren längst vorbei. Wenn Sie keine Ahnung haben, einfach mal bei anderen Vereinen und deren Fans schauen, was da abgeht. Sie wollen wohl unbedingt ein bestimmtes Narrativ aufrecht erhalten, ist ja modern heute.

  15. 5.

    Wie man auf diesen Seiten in verschiedenen Kommentaren lesen kann, gibt es Rechtsradikale doch bloß in Cottbus und in der Lausitz.
    Die BFC-Fans sind bestimmt alles bloß liebe Kerlchen.

  16. 4.

    Wat soll der Unsinn mit dem "gleichnamigen Nachfolger"? Der BFC Dynamo hat seit 1966 nicht aufgehört zu existieren, ergo spielt kein Nachfolger in der Regionalliga!

  17. 3.

    Wieso wir diesem "Verein" hier so ein Loblied gesungen? Berichtet mal bitte über deren zum Teil unangenehmen Fans, die regelmäßig Rechte Parolen grölend durch unsere Gegend ziehen! Heimspieltage von denen sind, um es freundlich zu sagen, anstrengend!!!!

  18. 2.

    Alles gute für die nächsten 55 Jahre mit vielen Sportlichen Erfolgen.

  19. 1.

    Glückwunsch

Nächster Artikel

Das könnte Sie auch interessieren

Unions Max Kruse im Zweikampf mit Willi Orban von RB Leipzig(Bild: imago images/motivio)
imago images/motivio

Union empfängt RB Leipzig - Mit mentaler Frische als Booster

Mit RB Leipzig kommt ein Gegner für Union, der für Stressmomente und schnelles Spiel in die Spitze bekannt ist. Berlins Trainer Urs Fischer will ein aktives Union sehen, das auch mit Ball mutig agiert. Ein Überblick vor dem Spiel gibt Stephanie Baczyk