Unioner Marvin Friedrich mit Geschäftsführer Oliver Ruhnert (Quelle: imago images/Matthias Koch)
Audio: Inforadio | 07. Januar 2021 | Simon Wenzel | Bild: imago images/Matthias Koch

Union-Spieler Marvin Friedrich - Der doppelte Wegweiser

Schon zwei Mal hat Union-Manager Oliver Ruhnert Innenverteidiger Marvin Friedrich zu seinem Verein gelotst. Auf Schalke kam es zum Bundesliga-Debüt, in Berlin glänzt und trifft er immer regelmäßiger - und könnte damit noch jemanden auf sich aufmerksam machen.

An seinen Ausflug ins beschauliche Guxhagen kann sich Oliver Ruhnert auch heute noch gut erinnern. Dabei ist es schon knapp zehn Jahre her, dass sich der heutige Manager des 1. FC Union auf den Weg in die hessische Kleinstadt machte. Zu diesem Zeitpunkt leitete der 49-Jährige das Nachwuchsleistungszentrum von Schalke 04 - und er hatte eine Mission: Er wollte den damals 15-jährigen Marvin Friedrich nach Gelsenkirchen holen.

"Bei Marvin Friedrich bin ich nach Guxhagen gefahren und habe bei den Eltern in der Kneipe gesessen", erinnert sich Ruhnert zurück. "Alle haben gesagt: Der Junge kann nicht nach Schalke gehen, was soll der denn da?"

Bundesliga-Debüt bei Schalke

Doch Ruhnert überzeugte die Eltern und Friedrich wechselte 2011 zu Schalke 04. Drei Jahre später gab er für die Königsblauen sein Bundesliga-Debüt, kam sogar in der Champions League und der Europa League zum Einsatz. Doch nachhaltig durchsetzen konnte er sich - wie auch bei seiner nächsten Station Augsburg - in der Bundesliga zunächst nicht.

In der Winterpause 2018 lotste Ruhnert den Innenverteidiger wieder zu seinem Verein - nach Berlin. Und seit sich die Wege von Friedrich erneut mit denen des Union-Managers kreuzten, ging es steil bergauf für den 25-jährigen Innenverteidiger.

"Oliver Ruhnert kennt mich schon sehr lange. Dann hat er mich hierher zu Union geholt, darüber bin ich sehr froh", sagt Friedrich. Nun ist er Stammspieler und Vize-Kapitän, stand unter Urs Fischer in zweieinhalb Jahren nur vier Mal nicht in der Startelf (davon war er drei Mal gesperrt). In der aktuellen Saison absolvierte er in allen 14 Spielen die vollen 90 Minuten - und traf auch schon vier Mal, jeweils per Kopf.

"Einer der Innenverteidiger, die in der Bundesliga am besten performen"

"Für mich ist Marvin im Moment einer der Innenverteidiger, die in der Bundesliga am besten performen", lobt daher Manager Ruhnert. "So stabil zu spielen, das ist ja fast schon ungewöhnlich gut, was er im Moment macht." Und weil der Manager ihn schon so lange kennt, weiß er auch, warum es für Friedrich gerade so gut läuft. "Marvin ist ein Spieler, der viel Vertrauen braucht. Ich glaube, das bekommt er hier", lautet die Begründung von Ruhnert.

"Das stimmt schon, dass ich ein Umfeld brauche, in dem ich mich sehr wohl fühle", bestätigt der 25-Jährige. "Ich fühle mich hier in Berlin und in der Mannschaft sehr wohl. Ich glaube, das ist klar, dass man dann besser Fußball spielt."

Kandidat für die DFB-Elf?

Der Wohlfühlfaktor stimmt - und hat Friedrich und sein Team in der bisherigen Saison zu starken Leistungen verholfen. Nach 14 Spieltagen stehen die Eisernen auf Platz fünf und damit auf einem Europa-League-Platz. "Natürlich ist dieser Tabellenplatz, auf dem wir gerade sind, außergewöhnlich. Das hatte keiner erwartet vor der Saison", meint Friedrich. "Man merkt, dass es schwer ist, uns zu schlagen und ich hoffe natürlich, dass es so weiter geht."

So wie damals Ruhnert könnte auch jemand anderes auf Marvin Friedrich aufmerksam werden, wenn auch der Innenverteidiger weiterhin so in der Bundesliga glänzt. "Nein", sagt Urs Fischer lachend, "Jogi" habe noch nicht angerufen. Aber: "Ich glaube, Marvin hat einen weiteren Schritt in die richtige Richtung gemacht." Dass über seine mögliche Berufung ins DFB-Team spekuliert wird, nimmt auch Friedrich selbst wahr. "Aber ich kann daran nichts ändern. Ich kann nur versuchen, jede Woche meine Leistung zu bestätigen. Den Rest müssen andere entscheiden."

Sendung: Inforadio, 07.01.2020, 10:15 Uhr

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