Berlins Union-Spieler Christopher Trimmel (l) kämpft gegen Yussuf Poulsen von RB Leipzig um den Ball beim Hinspiel 2019(Bild: dpa)
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Audio: Inforadio | 20.01.21 | 11:15 Uhr | Stephanie Baczyk | Bild: dpa

Union Berlin zu Gast bei RB Leipzig - Unruhiger Hinrunden-Abschluss

Der 1. FC Union hat intensive Stunden hinter und vor sich: Nach dem Sieg gegen Leverkusen ermittelt der DFB-Kontrollausschuss - wegen des Verdachts einer rassistischen Äußerung eines Union-Profis. Und der nächste Gegner ist Titelkandidat RB Leipzig. Von Stephanie Baczyk

Das Personal

Fraglich ist der Einsatz von Mittelfeldspieler Grischa Prömel und Flügelflitzer Sheraldo Becker. Letzterer hatte sich im Spiel gegen Bayer Leverkusen verletzt und musste bereits nach 24 Minuten ausgewechselt werden. Prömel und Becker hätten Teile des Trainings mitgemacht, aber auch individuell trainiert, berichtet Unions Coach Urs Fischer. Sturm-Neuzugang Leon Dajaku hat sein erstes Training mit der Mannschaft absolviert und das laut Fischer "sehr gut gemacht. Ist ein talentierter junger Spieler, hat eine sehr gute Technik, eine gute Geschwindigkeit, das Unberechenbare." Er ist durchaus eine Option gegen Leipzig (Mittwoch, 20:30 Uhr).

Innenverteidiger Florian Hübner hat sich am Montag im Training in einem Zweikampf schwerer verletzt, war am Mittag auf dem Weg in die Berliner Charité. Während die Offensiv-Spieler Joel Pohjanpalo, Max Kruse und Anthony Ujah weiter fehlen, könnte Routiniert Christian Gentner in den Kader zurückkehren. Der 35-Jährige defensive Mittelfeldmann hat den Großteil der Hinrunde wegen einer Wadenverletzung verpasst.

Es fehlen: Joel Pohjanpalo, Max Kruse (Reha nach Sprunggelenksverletzung), Anthony Ujah

Die Form

Der 1. FC Union ist Tabellenfünfter, hat 28 Punkte auf dem Konto und mit 32 erzielten Toren gemeinsam mit Dortmund und Stuttgart hinter den Bayern die beste Treffer-Ausbeute der Liga. Das sind Zahlen, die nach wie vor für die bislang starke Saison der Köpenicker sprechen. Das 1:0 gegen Bayer Leverkusen war zudem sportlich das nächste Ausrufezeichen gegen eines der Top-Teams - die heimstarken Unioner haben im Stadion An der Alten Försterei auch Borussia Dortmund geschlagen sowie gegen den Rekordmeister aus München ein mehr als verdientes Remis geholt.

Bei Minusgraden am vergangenen Freitagabend bezirzte das Team von Trainer Urs Fischer einmal mehr mit einer entsprechenden Laufleistung gegen schnelle und passsichere Leverkusener, ließ gerade in der zweiten Hälfte kaum etwas zu. Cedric Teuchert, nach etwas mehr als 20 Minuten für den verletzten Flügelstürmer Sheraldo Becker eingewechselt, arbeitete gut gegen den Ball - und traf dann nach gutem Abschluss und Anspiel erst den Innenpfosten und in der 88. Minute dann zum entscheidenden 1:0.

Zu klären ist ein Vorfall im Anschluss an den Treffer. Im Interview direkt nach der Partie berichtete der Leverkusener Jonathan Tah sichtlich mitgenommen und enttäuscht im ARD-Interview von einer rassistischen Äußerung eines Union-Profis in Richtung seines Mitspielers Nadiem Amiri. Er selbst habe die Worte nicht gehört, schilderte aber weiter, dass Amiri mit Worten - die Herkunft seiner Eltern betreffend - beleidigt worden sei und jetzt "mit Tränen in den Augen" in der Kabine sitze. Unions Pressesprecher Christian Arbeit reagierte und entschuldigte sich noch auf der Pressekonferenz nach der Partie. Urs Fischer hatte die Szene wegen der Rudelbildung nicht gesehen, wies aber darauf hin, dass der Vorfall zu klären sei und betonte: "Wenn das wirklich so sein sollte, dann entschuldige ich mich im Namen des Klubs. Das darf nicht geschehen."

Unions Geschäftsführer Profifußball, Oliver Ruhnert, sprach am Tag nach dem Spiel in einer Medienrunde davon, dass es "diese rassistische Aussage nicht gegeben habe. Der Spieler hat gesagt, er hat sich nicht so geäußert." Auch Pressesprecher Christian Arbeit sprach in der Pressekonferenz vor dem Spiel davon, dass "bisher niemand etwas Derartiges tatsächlich gehört" habe. Von Seiten von Bayer Leverkusen gab es den Verweis über Twitter, dass Nadiem Amiri die Entschuldigung des Union-Spielers angenommen habe. Der deutsche Nationalspieler wird mit den Worten zitiert: "Er ist zu mir in die Kabine gekommen. Es sind unschöne Worte gefallen, die ihm sehr leid tun. Er hat mir das glaubwürdig versichert, deswegen ist die Sache für mich erledigt."

Mittlerweile hat sich der DFB-Kontrollausschuss eingeschaltet, die Beteiligten um Amiri und Unions Florian Hübner um schriftliche Stellungnahmen gebeten. Darüber hinaus werde das vorliegende Material ausgewertet. "Es beschäftigt ihn", sagt Urs Fischer über Hübner. "Es beschäftigt uns alle. Jetzt wird das Ganze geklärt und dann wissen wir hoffentlich mehr. Aber es geht ihm schon nahe."

Der Gegner

RB Leipzig ist definitiv ein Titel-Kandidat in dieser Spielzeit, überzeugt mit einer kompakten Defensive, gutem Pressing und spielerischer Klasse. Vor allem Außenbahnspieler Angelino ist in bestechender Form - sowohl in defensiver, als auch in offensiver Rolle. Der 24-Jährige Spanier glänzt als Vorbereiter und Torschütze. "Die Mannschaft hat eine große Qualität in allen Bereichen", analysiert Unions Coach Urs Fischer den kommenden Gegner. "Sei es von der physischen Seite her, wenn es um Geschwindigkeit geht, aber auch wenn es um die Spielanlage und Technik geht."

Ein Thema ist sicherlich die Chancenverwertung. RB macht teils zu wenig aus der Überlegenheit, hätte bei besserer Ausbeute sicherlich die in dieser Spielzeit nicht wie sonst so drückend überlegenen Bayern überholt. So belegt Leipzig Platz Zwei der Tabelle. "Sie sind ein Top-Kandidat für die Meisterschaft", so Fischer. Über Julian Nagelsmann, den Trainer von RasenBallsport, findet der Schweizer lobende Worte: "Ich kann vor allem seine Arbeit bewerten und die finde ich toll. Vor allem Leipzigs Spielweise, weil alles drin enthalten ist. Sie sind kompakt, können sich aus Drucksituationen lösen, haben nie Stress und sind variabel, wenn es um Systeme geht."

Unioner im Fokus

Cedric Teuchert hat sich seit Beginn der Saison eigentlich hinten anstellen müssen, kam oft als Joker zum Einsatz. Aber der 24-Jährige hat gegen Leverkusen einmal mehr nach seiner Einwechslung hinter der Spitze mehr als ordentlich performt auf dem Platz, seine Chance genutzt, sich für einen Startelfeinsatz empfohlen. Teuchert ist viel gelaufen, hat gut gegen den Ball gearbeitet und schließlich das Siegtor zum entscheidenden 1:0 erzielt. "Er ist wirklich sehr gut ins Spiel reingekommen, hat sofort Akzente setzen können", so Trainer Fischer. "Wir hatten dann auch in der zweiten Hälfte dank ihm Spielfortsetzungen. Er muss dran bleiben, er muss dafür kämpfen, jetzt nicht zufrieden zu sein."

Am Montagabend hat der Deutsche Fußball-Bund allerdings bekannt gegeben, auch gegen Teuchert zu ermitteln. Es besteht der Verdacht, dass er während der Partie gegen Bayer 04 mit zwei geäußerten Sprüchen gegen die Vorgaben der DFB-Rechts- und Verfahrensordnung verstoßen haben könnte.

Besonderheiten

Leipzig und Union - das knirscht. Die Fans, aber auch die Vereinsverantwortlichen der Eisernen haben in der Vergangenheit kein Geheimnis daraus gemacht, dass man das "Geschäftsmodell" RB nicht wirklich gut und förderlich für das finde, was den Fußball ausmache. Zwei Duelle hat es in der Bundesliga gegeben: zunächst eine 0:4-Pleite für Union zu Hause im Stadion An der Alten Försterei zum Liga-Auftakt nach dem Aufstieg, dann eine 1:3 Niederlage nach zwischenzeitlicher Führung zu Beginn der Rückrunde 2020 in Leipzig. "Wir müssen von der ersten Minute an bereit sein", so Urs Fischer.

Sendung: Inforadio, 20. Januar 2021, 14:15 Uhr

Beitrag von Stephanie Baczyk

8 Kommentare

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  1. 8.

    Sie leben im Gestern. RB Leipzig ist ein guter Verein. Spielt attraktiven Fußball und gehört zu Leipzig. Da können Sie noch so rumschwafeln. RB macht einfach Spaß

  2. 7.

    Der Fußballfan wird immer mehr durch flache Kunden ersetzt. Gut zu erkennen an den alternativen Sichtweisen einiger Einträge hier.
    Ob sich irgendwann ein Whistleblower findet? Es wäre zu schön die Betrüger Bullen aus der Liga zu klagen.

  3. 6.

    Das ist kein Ostderby und wird auch nie eines werden!! Dieses fussballspielende Werbekonstrukt eines österreichischen Brausemäzens ist nur in Leipzig, weil sich in der dortigen Halbmillionenstadt ohne Erst - Drittligisten am besten eine "fussballspielende" Werbeplattform bundesweit vermarkten lässt.
    Dazu wurde dem Fünftligisten Markranstädt die Spielgenehmigung abgekauft. Wenn es mehr Aufmerksamkeit und Profit abwerfen würde, hätte dieses Konstrukt sich auch in Budapest, Krakau oder Nepal niederlassen können.
    Im Normalfall gibt es zunächst einen Fußballverein, der dann Sponsoren - vielleicht auch Investoren findet. Hier ist ein global agierenden Investor, der sich aus Marketinggründen ein fussballspielende Marketingplattform gebastelt hat (denn ein Verein ist das nach dem Vereinsrecht nicht - fast ohne Mitglieder und ohne demokratische Mitbestimmung).
    Das mag für viele Fussballkonsumenten am TV egal sein, wer gegen eine weitere Kommerzialisierung im Fussball ist, aber für Traditionsbewahrung, demokratische Mitbestimmung im Verein (ja, die gibt es bei richtigen Traditionsvereinen noch), wer beim Fußball Heim und/oder Auswärts dabei ist, dem kann - und wird das nicht egal sein!
    Übrigens der VfL Leipzig war vor fast 120 Jahren der erste Deutsche Fußballmeister!! Und nun drücken Sie mal morgen Abend fleißig "Leipzig" die Daumen!! ;-)

  4. 5.

    Ein Ost-Derby. Wird interessant. Ich drücke Leipzig die Daumen, damit der Osten mal einen Titel gewinnt. Leipzig als Deutscher Meister wäre sehr gut.

  5. 3.

    Sie könnten sogar das stolze 18. Mitglied dieses in Leipzig implantieren fussballspielenden Werbekonstruktes eines globalen Aufputschmittelproduzenten werden!!!
    Schön heute Abend entweder in die Dose "beißen" oder aus ihr trinken....

  6. 2.

    Hätte nicht gedacht dass ich RBL mal die Daumen drücken würde.
    Auf gehts Leipzig...

  7. 1.

    Hoffentlich bekommen die Unioner den Kopf frei bis zum Match. Ansonsten viel Erfolg. Ein Unentschieden wäre schon cool.
    Die Angelegenheit mit Hübner/Amiri muss allerdings wenn möglich geklärt werden.

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