Kommentar | Personalbeben bei Hertha BSC - Halt auf freier Strecke

Archivbild: Herthas Manager Michael Preetz (l-r), Trainer Bruno Labbadia und Sportdirektor Arne Friedrich stehen am 25.09.2020 vor Spielbeginn nebeneinander. (Quelle: dpa/Soeren Stache)
Audio: Inforadio | 24.01.21 | 14:15 Uhr | Guido Ringel | Bild: dpa/Soeren Stache

Mit den Entlassungen von Manager Michael Preetz und Trainer Bruno Labbadia hat Hertha BSC die Notbremse gezogen. Nun ist der Verein erst mal orientierungslos, aber besser als geradewegs ins Nichts, kommentiert Guido Ringel.

Es ist die klassische Notbremse. Aber ein Halt auf freier Strecke. Und der Stopp ist wichtig, bevor der Zug in den Abgrund rauscht. Aber jetzt steht er da und weiß nicht recht wohin. Zurück in den Bahnhof? Oder weiterfahren zum eigentlichen Ziel? Hertha BSC ist erstmal spontan orientierungslos. Aber besser so als geradewegs ins Nichts.

Labbadia ist das wehrlose Opfer einer fatalen Vereinspolitik

Bruno Labbadia tut einem leid - er ist das wehrlose Opfer einer fatalen Vereinspolitik. Denn das Übel war die sportliche Leitung. Jahrelanges Herumirren, zwar mit Plan und Ziel, aber mit einer Fehlentscheidung nach der anderen. Vereinsführung besteht nicht nur daraus, Entscheidungen zu treffen, sondern die richtigen. Und da gab es bis auf wenige Ausnahmen zuletzt nur Fehltritte.

Manager Preetz konnte machen, was er wollte, sogar zwei Mal absteigen - stets wurde er vom Präsidenten gestützt. Eine Männerfreundschaft. Die ist natürlich viel wert! Sie darf aber dabei das übergeordnete Ziel nicht überdecken - nämlich das Wohl des Vereins!

Preetz war Manager-Aufgabe nicht gewachsen

Jetzt ist das Maß voll. Auch weil Werner Gegenbauer als Präsident nicht mehr das alleinige Sagen hat. Seit kurzem hat der Verein einen neuen mächtigen Geschäftsführer mit dem Ex-Sky-Boss Carsten Schmidt. Der handelt nun. Und zurecht. Auskehren, um den Abwärtstrend aufzuhalten.

Michael Preetz hat viel für Hertha getan - als Spieler, als Torschütze. Seine Ära als Manager aber ist von Angst, Misstrauen, Rechtfertigungen und Fehleinschätzung geprägt. Er war der Aufgabe nicht gewachsen. Dass der Verein mit seinen Institutionen fast zwölf Jahre benötigt hat, um das zu erkennen, ist das Dilemma. Aber immerhin - jetzt gibt es das Rotlicht und das Stopp-Signal.

Mal wieder steht Hertha BSC vor einem Neustart. Man könnte meinen, dieser Klub bekommt es einfach nicht hin. Seit Sonntagvormittag aber ist alles anders. Weil die Wurzel des Schlamassels entfernt worden ist. Ein neuer Baum kann wachsen. Aus solider und fruchtbarer Erde heraus. Das wird Zeit brauchen. Aber der Anfang ist gemacht.

Der Halt mitten im Nirgendwo schockiert - aber er kann gut und gern der Start in eine wohlgewachsene Zukunft sein.

Sendung: Inforadio, 24.01.2021, 14:15 Uhr

Beitrag von Guido Ringel

27 Kommentare

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  1. 27.

    Woher stammt bloß das Gerücht, dass Preetz der Schwiegersohn von Gegenbauer ist? Seit Jahren schon höre ich es immer wieder mal, aber es ist durch nichts belegt.

  2. 26.

    Interessant das es hier eine Plattform gibt wo man seinen Kommentar abgeben kann. Mich interessiert Hertha nicht ein bißchen, muß nur darüber lachen wenn man den Etat von Union mit dem Big City Club vergleicht. Viel mehr interessiert mich wann die Sendung "Sportplatz" mal wieder läuft. Unsere Stadt Berlin hat nicht nur zwei Clubs in der 1. Bundesliga, sondern noch mehr zu bieten. Aber diese Sendung gibt's nicht mehr. Eigentlich traurig all die anderen Sender schaffen so etwas trotzdem

  3. 25.

    Weil die Presse auf offene Türen angewiesen ist .... zu viel stänkern, mahnen und kritisieren geht halt nicht ;-)

  4. 24.

    Wie ich schon vor langer Zeit geschrieben habe, Jürgen Kliensmann hatte recht mit seiner Einschätzung. Es ist so gekommen wie er es vorausgesagt hat. Aber leider wollten viele dies nicht wahrnehmen. Wie immer in Berlin, die Wahrnehmung geht an der Realität vorbei. Eine Entschuldigung an Jürgen wäre mehr als angebracht.

  5. 23.

    Woran erkennen Sie denn, daß diese Aussage aus der Union-Ecke kommt?
    Aber davon ab, hat der 1. FC Union Berlin ja gezeigt, daß man von der vierten bis in die erste Liga kommen kann.

    Dort angekommen wurde man dann von der Anhängerschaft des Big City Clubs mit Raketen auf Spieler und in Publikumstribünen begrüßt.

  6. 21.

    So, nun nach vorne schauen. Wenn der Keller aufgeräumt ist, dann ist es unsinnig drüber nachzudenken, wer Schuld daran war, dass sich da Ballast angesammelt hat.

  7. 20.

    Klinsmann ist aber auch für die ganzen Fehleinkäufe und Mio Ausgaben verantwortlich. Alles was danach kam ist gekränkter Stolz und die Schuld bei anderen suchen.

  8. 19.

    Und was ist mit der Mannschaft? Weiter so? Sieht man doch, was dabei herauskommt.

  9. 18.

    Warum springt die Presse erst jetzt auf den Zug auf?
    Vielen Fans war die Misswirtschaft seit Jahren bekannt und das es mit Preetz nicht aufwärts geht.
    Was machte die komplette Presse? Sie schwieg über die desaströsen Zustände bei Hertha.
    Wer muss noch gehen... Gegenbauer, Keuter, Schiller. Die Sportschau Scouting Abteilung und ein großer Teil der Jugendtrainer. Jegliche Verfilzung muss jetzt entlassen und es müssen Profis auf ihren Gebieten installiert werden.
    Nur dann kann daraus auch etwas Gutes entstehen.

  10. 17.

    ich finde es schade, dass der arrogante Michel Preetz und der schöne Bruno Laberdiva nun nicht mehr für die Windbeutel GmbH & Co. KGaA wurschteln dürfen, wo sie doch so gut hingepasst haben.
    Aber ich bin ganz zuversichtlich, dass es weiter so gehen kann, wenn ich lese, welche Namen als Nachfolger gehandelt werden. So ein Rangnik wird weiter für Spaß bei allen Sorgen, die nix mit dem Big Shitty Club am Hut haben. Musste ihn mehrmals in verschiedenen Situationen live erleben und sein Menschenbild passt, um die Mimöschen zu motivieren;-)

  11. 16.

    Stimmt so nicht : Der Vater von Kirsten (Kiki) Zopfy war Bauleiter beim Umbau des Stadions. Gegenbauer ist also nicht der Schwiegervater.

  12. 15.

    Vollste Zustimmung : In dieser Situation NICHT mit dem Vedator zu verlängern, zeugt von wenig Fingerspitzengefühl für die Mannschaft, zudem mit Skjelbredt ein anderes Herzstück gegangen ist. Und Jarstein, der jahrelang einer der besten Keeper der Liga war, für eine kurze Schwäche Phase komplett abzusägen, zeigt schon, dass die Schwachpunkte in der Führung der Mannschaft zu finden sind. Das kann man Preetz UND Labbadia zuschreiben.

  13. 14.

    So eine debile Aussage habe ich lange nicht gehört! Wozu sollte das bitte gut sein?

  14. 13.

    Bei Hertha handelt es sich nicht um Männerfreundschaft zwischen Gegenbauer und Preetz!!! Gegenbauer ist der Schwiegervater von Preetz. Die schützende Hand war bisher trotz Unvermögen von Preetz immer gegenwärtig....leider.Ein Neuanfang beginnt.

  15. 12.

    Inhaltlich völlig richtig.
    Traurig nur, dass jetzt nach Jahren die (lokalen) Journalisten Fazite ziehen und Abrechnungen schreiben, die zu dem Schluss kommen lassen, dass alle alles schon die ganze Zeit erkannt und gewusst haben.
    Dennoch;
    in all den Jahren keine kritischen Berichte zum Offensichtlichen. Stillschweigen. Ein Trauerspiel.

    Es bedurfte den sportlichen und finanziellen Abgrund in Sichtweite, aber vor allem einige mutige Mitglieder/ Fans des Vereins die den Wagen mit Petition und Demo ins Rollen bringen.

    ,,Dass der -RBB- mit seinen -gelernten Journalisten- fast zwölf Jahre benötigt hat, um das zu erkennen, ist das Dilemma".

  16. 11.

    Klinsmann schrieb damals: Die sportliche Führung muss sofort ausgeauscht werden. Gut, sofort war ein Jahr später, aber Carsten Schmidt hat zumindest sehr schnell gehandelt. Labbadia musste halt mit ausbaden, was jahrelange Misswirschaft angerichtet hat. Im Grunde kann es nur besser werden.

  17. 10.

    Wieder ist zu erkennen, Geld regiert nicht die Welt. Für Geld kann man einiges kaufen, wenn Sie doch nur endlich mal den Ball nach laufen.
    Bei Hertha nicht.

  18. 9.

    Ein Neuanfang in der Regionalliga wäre die beste Lösung für Hertha BSC.

  19. 8.

    Finde auch, das Hauptproblem war die Transferpolitik mit etlichen Fehlentscheidungen in den letzten eineinhalb Jahren. Die größte Fehlentscheidung war nach meiner Meinung die NIchtverlängerung mit Vedad Ibisevic, denn gerade er hatte in der Rückrunde der Spielzeit 19/20 für entscheidende Tore, Selbstvertrauen und Teamspirit gesorgt. Dieser (ungerechte) Rauswurf war psychologisch extrem ungeschickt, hatte die gefährliche Botschaft: Leistung wird bei Hertha nicht honoriert.
    Ich finde auch, der integre, tüchtige Bruno Labbadia konnte einem leid tun. Klinsmann hatte mit seinem Abgang nicht ganz unrecht. Hertha intern scheint es sehr viel Destruktives zu geben, dem Preetz nicht gewachsen war.
    Der nächste Trainer wird sich wahrscheinlich genauso hart tun, Es sei denn, es geht ein Ruck ins Positive durch den Verein und man kriegt schnell unbekümmerte Spieler mit Führungsqualität.
    Labbadia alles Gute und anderswo ganz viel Erfolg bei hoffentlich besseren, fairen Bedingungen!

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