Auf dem Olympischen Platz - Etwa 250 Hertha-Fans demonstrieren gegen Vereinsführung

Hertha Fans demonstrieren auf dem Olympischen Platz gegen Manager Michael Preetz. Bild: rbb/Uri Zahavi
Bild: rbb/Uri Zahavi

Vor Herthas Heimspiel gegen Werder Bremen sind am Nachmittag mehrere hundert Menschen auf dem Olympischen Platz zusammengekommen - um gegen Manager Michael Preetz und Präsident Werner Gegenbauer zu demonstrieren. Die Kundgebung ist umstritten.

Etwa 250 Hertha-Fans haben sich vor dem Bundesliga-Heimspiel ihres Vereins gegen den SV Werder Bremen vor den Stadiontoren auf dem Olympischen Platz versammelt, um gegen den langjährigen Geschäftsführer Sport, Michael Preetz zu demonstrieren. Mit Plakaten und in Reden forderten die Demonstranten den Rücktritt von Preetz und Hertha-Präsident Werner Gegenbauer.

Die Demonstration war im Vorfeld offiziell angemeldet worden. Abstände und Hygieneregeln wurden nach Einschätzung von rbb-Reportern weitestgehend eingehalten, die Polizei war vor Ort und wies mehrmals über Lautsprecher auf das Einhalten der geltenden Regeln hin, eingreifen musste sie nicht. Gegen 16 Uhr löste sich die Veranstaltung bereits auf.

"Was er hier abgeliefert hat, ist langsam nur noch eine Katastrophe"

Michael Preetz, an dem sich die größte Kritik entlädt, ist seit 2009 in seiner heutigen Funktion bei Hertha BSC tätig, die Fans werfen ihm die aktuelle sportliche Misere, aber auch die vielen Trainerwechsel und zwei Abstiege in der Vergangenheit vor. "Was er hier abgeliefert hat, in den knapp zwölf Jahren, ist langsam nur noch eine Katastrophe", sagt beispielsweise Bernhard Stadler, Vorsitzender des Hertha-Fanklubs "Fanclub Berlin e.V.".

Kalle Kohl, der bereits seit 50 Jahren Hertha-Anhänger ist, erklärte seine Teilnahme damit, ein "Zeichen setzen" zu wollen. Er blickt auch ein wenig neidisch in den Osten der Stadt zu Union Berlin: "Es gibt noch einen zweiten Klub in Berlin, der hat die Hälfte an Kapital, aber die haben eine Mannschaft und einen Ehrgeiz. Die spielen oben mit und wir, mit unseren großen Zielen, wo gurken wir rum? Wir spielen gegen den Abstieg." An einen Sieg gegen Bremen am Abend glaube er nicht.

Teils heftige Kritik in den sozialen Netzwerken

Die Demonstration hatte in Teilen der Hertha-Fanszene zuvor für großen Unmut gesorgt - und das auch bei den Anhängern, die die sportliche Kritik an Michael Preetz und Werner Gegenbauer teilen. Der Grund des Ärgernisses ist vielmehr die Form und der Zeitpunkt des gewählten Protests.

"In Pandemiezeiten ist die Durchführung einer unnötigen Demo (wegen Fußball!) ein unsolidarischer Akt. Es gibt genügend Wege, sich zu @herthabsc und @michaelpreetz zu äußern", hieß es beispielhaft auf dem Twitter-Account 'Masochisten für Hertha'.

Weite Verbreitung fand auch eine Recherche des Sportjournalisten Marc Schwitzky, die sich ausführlich mit dem Anmelder der Demo beschäftigt.

Die Bedenken im Vorfeld haben auch einige der Teilnehmer vor Ort mitbekommen. "Wir haben versucht, darauf zu achten, dass es nicht in eine andere Richtung rutscht", erklärt Bernhard Stadler, der auch angab, Fans zu kennen, die deshalb nicht zur Demonstration gekommen seien. Stadler sagte, die Demonstration sei "völlig unpolitisch" und habe nur mit der fußballerischen Misere bei Hertha BSC zu tun.

Bremen als Schicksalsspiel für Labbadia?

Preetz - inzwischen seit rund 25 Jahren als Spieler und Funktionär im Verein - hatte sich auf der Spieltags-Pressekonferenz am Donnerstag zu dem Fan-Protest geäußert. "Ich stelle mich meiner Verantwortung in guten, vor allem aber auch in schwierigen Zeiten. Ich bin gefordert, dass wir die Situation so schnell wie möglich ändern", sagte er - und: "Es gibt nur einen Ausweg: Du musst dich stellen, die Kritik annehmen, deinen Überzeugungen folgen und ihnen Ausdruck verleihen."

Mit einer Niederlage gegen Bremen würde die Situation für Preetz noch heikler. Denn dann wird mit einer Trennung von Trainer Bruno Labbadia gerechnet - eine Entscheidung, die auch die Position des Managers weiter und womöglich final schwächen würde.

Aktuell stehen die Berliner nach der Hinrunde in der Fußball-Bundesliga trotz großer Ambitionen und finanzieller Investitionen nur auf dem 14. Tabellenplatz, gerade einmal zwei Zähler vor dem Relegationsrang 16.

Sendung: rbb UM6, 23.01.2021, 18:15 Uhr

39 Kommentare

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  1. 38.

    Was für eine heuchlerische Aktion.
    Nun wo der Dampfer "Hertha" fast schon auf Grund gelaufen ist, mucken ein paar wenige auf.
    Als es quasi eine Meuterei durch KKR und Tennor gab, war es im Umfeld mucksmäuschenstill und die ach so tollen Ultras und Mitglieder aben ganz artig alles durchgewunken.
    Stattdessen wird die halbe Stadt mit Geschmiere voll geschmattert.
    Hätte man die Zeit mal effektiver genutzt.
    Nun ist das Geheule groß.
    Mein Mitleid jedenfalls hält sich in Grenzen.

  2. 37.

    Ich hab das nicht so eng verfolgt, aber letzte Woche soll ein Unioner einen Gegner "Scheiß-Afghane" genannt haben. Das wurde dann wohl auch irgendwie aufgeklärt und es hieß wohl, ja, es wären Worte gefallen. Ob, wie, was genau hab ich aber nicht mehr mitgekriegt.

  3. 36.

    Das Fernsehvolk versammelt sich vor dem Stadion! Früher wurde das Stadion aus Protest verlassen! Na ja, andere Zeiten andere Sitten! Ach ja, Bewegung tut ja auch gut für die ausquartierte Fussballseele!

  4. 35.

    Was nun Herr Preetz? Nehmen Sie nun endlich Ihren Hut? An der Zeit wäre es ja.

  5. 34.

    Auf dem Foto oben finde ich, dass die 250 sich durch die Abstandspflicht aber ganz gut verteilen und somit doch "viel" wirken. In der Totalen sieht es wahrscheinlich anders aus. Vermutlich war eine größere Anzahl auch nicht möglich wegen Corona. Ich finde es auch toll, wie Union sich entwickelt hat und dass sie in der Ersten Liga gut mithalten. Hertha hatte auch gute Zeiten, als Preetz noch gespielt hat z.B. oder mit Spielern wie Sebastian Deisler, Pantelic, Marcelinho und Alves. Long time ago... Nun aber krebsen sie seit Jahren im Mittelmaß herum, werden immer unterirdischer. Verfolge das Berliner Fußballgeschehen nur am Rande: Ist Lukebakio eigentlich noch da? (ok, gegoogelt, isser.) Zeitweilig auch eine Lichtgestalt. Labbadia halte ich auch für einen guten Trainer, zumindest hat er schon Klubs vor dem Abstieg retten können. Dass so viel Murks geschieht, liegt wohl nicht an ihm. Von big city club nichts zu sehen. Da brauchts dann auch keine Extra-Fußballarena.

  6. 33.

    Nächste Saison verliert Hertha im Olympiastadion 1:3 gegen VfL Osnabrück!
    Mit einem „Manager Sport“ Preetz mit Sicherheit.
    Eine Blamage und Schande für die Sportstadt Berlin.

  7. 32.

    Leut heutigem Artikel der Morgenpost zur Demo hat Hertha wohl die größeren Probleme mit Rassisten und Rechtsextremen.

  8. 31.

    Ähem, "Rassismus oder Stasi" sind Probleme des 1. FC Union Berlin? Ihren Frust über den derzeitig desolaten Zustand der Hertha 'in allen Ehren', aber Sie sollten dabei den Boden der Realität nicht allzu weit verlassen, G.S.

  9. 30.

    250000 wären besser gewesen, wie das heutige Ergebnis wieder mal zeigt.

  10. 29.

    250 sagen ihren Unmut, ihr seid nur peinlich. Union ein Leben lang

  11. 28.

    Ihre Bemerkung ist unangebracht und zeigt, daß Fairness nicht ihr Anliegen ist. Vielleicht ist es ihnen entgangen, es gibt keinen Rassismus bei Union.
    Ich erinnere mich allerdings daran, dass eine Jugendmannschaft von Hertha mal behauptet hatte in Brandenburg rassistisch beleidigt worden zu sein Später stellte sich heraus, daß alles erfunden war.

  12. 27.

    Pressemeldung von heute" Die "Mietnomaden" haben die Stadionmiete eigenmächtig halbiert, vielleicht demnächst deshalb die Justiz am Hals, aber für 100 Mio. Spieler verpflichtet!!
    Was macht eigentlich die geplante "HaHoHe"-Arena?? Läuft's?! :-)

  13. 26.

    Warum meldet sich eigentlich immer Köpenick , wenn es um Hertha geht .
    Habt ihr keine eigenen Probleme , ich sag Rassismus oder Stasi ?
    HA HO HE HERTHA BSC !!!

  14. 25.

    Als hätten die Fans schon vor dem heutigen Spiel geahnt, wie sich die Mannschaft später präsentieren wird (für alle, die es noch nicht mitbekommen haben: Hertha BSC liegt nach nicht einmal einer halben Stunde gegen Werder Bremen, den Fast-Absteiger der vergangenen Saison, mit 0:2 hinten).

  15. 24.

    Hr. Preetz wenn sie nur ein bisschen Anstand haben, dann gehen sie doch von selbst. Sie leisten keine gute Arbeit bei Hertha.

  16. 23.

    Wusste noch gar nicht das Köpenick im Zentrum der Stadt liegt.

  17. 22.

    Hallo Köpenicker,nur mal zur Orientierung:
    "Das Olympiastadion Berlin befindet sich im Berliner Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf im Ortsteil Westend."
    Also nichts da mit Stadtrand.
    Berlin ist eben groß!

  18. 21.

    Ich wäre schon froh, wenn manche wissen würden, das Goethe nicht Fack ju mit Vornamen hiess ;-).

  19. 20.

    Auch im lockdown gibt es ein demonstrationsrecht. Zum Glück. Wie sie gelesen haben, wurde sich weitestgehend an die Hygieneverordnung gehalten. Also was wollen Sie eigentlich?

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