Hoffenheims Andrej Kramaric mit dem 3:0 gegen Hertha BSC (imago images/Uwe Koch)
Audio: Inforadio | 20.01.21 | 8:15 Uhr | Jakob Rüger | Bild: imago images/Uwe Koch

Hertha BSC nach dem Hoffenheim-Spiel - Es ist kompliziert

Auch gegen die bis dato drittschlechteste Abwehr der Liga kommt Hertha BSC nicht zum Tor-Erfolg, verliert gegen die TSG Hoffenheim mit 0:3. Ein noch viel größeres Problem als das nackte Ergebnis sind allerdings die Gründe dafür. Von Ilja Behnisch

Würde die Mannschaft von Hertha BSC mit sich selbst eine Beziehung führen, ihr Beziehungsstatus würde lauten: Es ist kompliziert.

Dabei ist der Fußball ein einfaches Spiel, und oft genug ist auch einfach zu erklären, warum eine Mannschaft gewonnen hat oder eben nicht. Warum Hertha BSC an diesem Dienstagabend zum dritten Mal in Folge nicht gewonnen hat in der Bundesliga, lässt sich auf den ersten Blick mit der einfachsten aller Wahrheit beantworten: Weil die Mannschaft auch im dritten Spiel nacheinander kein Tor erzielt hat. Schaut man allerdings hinter das nackte Ergebnis muss man feststellen, jawohl: Es ist kompliziert. Ziemlich kompliziert.

Die Statistiken sprechen für die Hertha

Denn die 15 Spieler, die an diesem 17. Spieltag gegen die TSG Hoffenheim insgesamt zum Einsatz kamen, sie wollten alle unbedingt, boten eine an sich engagierte Leistung. Und so ist es also viel schlimmer. Denn zu allem Überfluss ist den Spielern neben allem Willen auch immer wieder deutlich anzusehen, über welche Fähigkeiten sie verfügen. Allein, es brachte erneut nichts ein.

Dabei sprachen die Zahlen, noch so eine Fußball-Wahrheit, für sie. Hertha hatte mehr Torschüsse (13:11), mehr gespielte Pässe (482:368), eine höhere Passquote (81:78 Prozent), mehr Ballbesitz (57:43 Prozent) und eine bessere Zweikampfquote (57:43 Prozent) als der Gast aus Baden-Württemberg. Dass es am Ende dennoch 0:3 stand? Eben: Es ist kompliziert.

Elf Fußballer auf der Suche nach einer Mannschaft

Auch, weil alles so einfach hätte sein können. Elfmeter in der zwölften Minute, nach einem Foulspiel an Jhon Cordoba. Als hätte jemand einen Brust- und Kopflöser bestellt. Und dann der Strafstoß: Schlecht geschossen von Krzysztof Piątek, gut gehalten von Oliver Baumann. Bis dahin und direkt im Anschluss wirkte Hertha wie jemand, der nach einem Schlüssel sucht für eine Tür, von der er nicht weiß, wo sie steht. Defensiv immerhin schien die Mannschaft von Bruno Labbadia den Gegner im Griff zu haben. Sie störten früh und zum Teil weit in der gegnerischen Hälfte, wenn sie dabei auch selten den Eindruck vermittelten, das als gemeinsame Anstrengung anzusehen. Womöglich war das aber auch taktisches Kalkül, denn immer wieder schien es, als verteidige Hertha über das komplette Feld in Manndeckung.

Und gerade als sich die Frage aufdrängte, wie denn eigentlich der Gast aus Hoffenheim gedenke, seinerseits jemals ein Tor zu erzielen im Rahmen dieser Partie, spazierten Christoph Baumgartner und Sebastian Rudy in der 33. Minute durch die Berliner Hälfte, bis der Ex-Nationalspieler und ausgemachte Distanzschütze Rudy ohne größere Einwände zum satten Distanzschuss und Führungstreffer ansetzen durfte. Ein Nackenschlag, der Hertha sichtbar zusetzte und ein Phase nach sich zog, in der ein schnelles 0:2 nur mit Glück vermieden werden konnte. Und bald konnte man sich des Eindrucks nicht verwehren, elf individuell gute bis sehr gute Fußballer auf der Suche nach einer Mannschaft bestaunen zu können.

Probleme mit sich selbst

Und so fanden sich die Herthaner immer und immer wieder auf sich selbst und ihre Einzelaktion zurückgeworfen, an deren Ende ein ums andere Mal eine 50/50-Entscheidung auf sie wartete, die sie dermaßen regelmäßig zu ihren Ungunsten fällten, dass man sich fragen musste, ob das statistisch überhaupt möglich sei. Eine Frage, die sich vielleicht auch Matheus Cunha stellte, Herthas größte Hoffnung auf Besserung. Der kurz vor der Halbzeitpause einen Hoffenheimer Angriff zur Ecke klären konnte und sich anschließend mit der Hand über das Gesicht wischte, als wolle er alle Sorgen wegwischen. Aber sie blieben einfach da und das Gesicht: so leer.

Auch in der zweiten Halbzeit versuchten Trainer und Mannschaft vieles. Es gelang mit Ausnahme von zwei, drei schönen Angriffen bis viel zu kurz vor Schluss kaum etwas. Weil die Mannschaft im System mit verkappter Mittelfeld-Raute und zwei Stürmer zu fremdeln scheint. Weil für ein System mit Außenstürmern verletzungs- oder formbedingt die Alternativen fehlen. Weil für jedes System Spieler fehlen, die nicht nur mit sich selbst beschäftigt sind, sondern die in der Lage wären, sich darüber hinaus auch mit ihren Mitspielern zu beschäftigen.

Würde die Mannschaft von Hertha BSC mit sich selbst eine Beziehung führen, man würde ihr eine Pause und ein wenig Abstand anraten. Zu blöd, dass am Samstag um 18.30 Uhr Werder Bremen ins Berliner Olympiastadion kommt. Es bleibt eben kompliziert.

Sendung: rbb UM6, 20.01.2021, 18:15 Uhr

Beitrag von Ilja Behnisch

27 Kommentare

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  1. 27.

    Ich finde das anständig von Union. Stell dir mal vor die drei Punkte würden auch noch fehlen.
    Nichts für ungut, es gibt zwei Berliner Vereine und das ist gut so.

  2. 26.

    Ich finde das anständig von Union. Stell dir mal vor die drei Punkte würden auch noch fehlen.
    Nichts für ungut, es gibt zwei Berliner Vereine und das ist gut so.

  3. 25.

    Union betont ja immer, dass sie Köpenicker sind. Von der ganzen Stadt kann dort nicht die Rede sein. Und Union war zweimal nacheinander nicht fähig, Hertha zu besiegen. Im Gegenteil, gab zwei schöne Klatschen.

  4. 24.

    UNBEDINGT HERRN RANGNICK HOLEN !
    Der ist dermaßen gut vernetzt und hat ein gutes Konzept. Habe vor kurzem (September 2021) ein Interview mit ihm gesehen. Da wurde einem erneut klar, dass er absolut weiß wovon er spricht. Ich sag es mal so - so beschißen die aktuelle Lage bei Hertha ist, so gut ist jetzt die Chance zu haben, ein Macher zu holen, der zufällig gerade frei auf den Markt ist. Im Interview spricht er davon, dass er als Trainer oder in Doppelfunktion zu Verfügung stünde, sofern ihn die nächste mögliche Aufgabe reitzen würde. Auf was warten man also noch? Herr Schmidt, halb Berlin warten auf die Erlösung. Es muss ein ganz anderer, neuer Wind rein. Ich drücke Ihnen die Daumen, gutes Gelingen!

  5. 22.

    Es ist schwierig, sich selbst auszutauschen. Herr
    Preetz koennte doch selbst zurück treten. Dazu
    bedarf es aber Charakter. Sitzen denn auf der
    Hertha-Bank nur Blinde? Was muss noch
    passieren, bis endlich gehandelt wird?
    Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken
    Ohne Ende. Ich kann mir auch nicht vorstellen,
    dass Herr Windhorst sein Geld total abschreiben
    will.

  6. 21.

    Keine Sorge, wir halten euch schön in der Liga!
    Nicht durch eine Derbyniederlage, sondern indem wir die Mannschaften in der Tabelle hinter euch "wegknallen"!
    Aber dafür müsst ihr uns noch eine Bitte erfüllen: Behaltet bitte Zitronenpreetz, der ist echt Spitze!!!

  7. 20.

    Nun werden sie also Labbadia rauswerfen, also demnächst, seien es noch ein, zwei oder drei Spiele. Logisch, was anderes hilft ja nicht! Tatsächlich nicht? Wie wäre es denn mal damit, das vorhandene Geld nicht sinnlos von Amateuren wie den Herren Preetz (sich durch eigenes Tun selbst als solcher geoutet) und jetzt auch noch Lehmann (war mal ein guter Keeper, aber die Weisheit hat er nicht mit Löffeln gefressen, wie man häufig wahrnemen durfte, und über mehr Fachkenntnis als Gelaber in einem Privatsender ist nichts überliefert) zum Fenster hinaus werfen zu lassen. Aber nein, da lässt man sich lieber von ganz Fußball- Deutschland auslachen. Wenigstens gibts noch Schalke, das lenkt ein bisschen ab...

  8. 19.

    Auch Millionen ändern eisern nichts daran, dass die Sonne im Osten aufgeht, meine in Köpenick

  9. 18.

    Der Rasen! Das Wetter! Der Schiri! Das Pech!Dunkle Mächte (DFB/DFL) Die Sprachbarrieren ! !Der böse Klinsi ! Und überhaupt: „Wir sind Hauptstadt“ Noch Fragen? Mann wann geht endlich der Knopf auf? Solange Preetz , Gegenbauer , Keuter und Co rumwerkeln können wird sich grundlegend nichts ändern . Ein Ragnik wird sich seine Vita nicht mit HBSC versauen? Was macht eigentlich P . Neururer? Satire Ende! Gott sei Dank gabs diesmal keine Dauerkarte

  10. 17.

    Schmeißt endlich diesen unsäglichen Preetz raus!

  11. 16.

    Ok, sie haben fertig Herr Preetz !!!
    Herr Labbadia muss beurlaubt werden (leider, leider !!!), und Sie Herr Preetz treten freiwillig zurück bevor man Sie endgültig vom Hof (aus der Geschäftsstelle) jagt.
    Herr Rangnick in Doppelfunktion (Cheftrainer & Manager)... find ick jut !!!
    Bleibt zu hoffen das Herr Windhorst nicht die Geduld verliert und unser Präsident weise, weise Entscheidungen trifft.

  12. 15.

    absolut richtig, Arne Friederich behalten und Rangnick als Trainer und Manager holen, er kann es und hat es ja auch schon gezeigt !

  13. 14.

    Ach kommt liebe Herthaner, nur noch 28 Spiele bis zum Tasmania-Rekord. ;-)

  14. 13.

    vielleicht sollte man den selbstgefälligen manager mal austauschen mfg

  15. 12.

    Bei Herrn Preetz müsste es heissen '.... wegen SEIT JAHREN erwiesener Unfähigkeit'.
    Der Mann verärgerte sehr Viele bereits als Spieler.

  16. 11.

    Spätestens jetzt sollte jedem klar sein , das die Nr.1 in Berlin nicht mehr Hertha BSC ist . Wenn man jetzt vom Hauptstadtclub redet kann damit nur noch Union gemeint sein. Hertha ist einfach zu schlecht .

  17. 10.

    Schon jetzt vielen Dank an Union für das großzügige Überlassen der 3 Punkte im Derby. Die retten Hertha letztlich vielleicht den Klassenerhalt. Auch wenn es euch eventuell einen Europapokal-Platz kostet, wärt ihr so solidarisch das in der Rückrunde nochmal zu machen? Ohne Euch geht Hertha unter. Danke.

  18. 9.

    die spielen gegen den Trainer.................

  19. 8.

    Im Fußball zählen keine statistikwerte sondern Tore! Eine B Note gibt es nun mal nicht. Wie heißt es so schön: das runde muss in das eckige. Alles andere ist reine Makulatur und hat keinen Wert. Die Tabelle, wenn auch nur eine Momentaufnahme, zählt, mehr nicht.

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