Ulrich Prüfke, 1968 Pokalsieger mit dem 1. FC Union Berlin (imago images/Christian Schrödter)
Audio: Inforadio | 20.01.20 | 12:15 Uhr | Thorsten vom Wege | Bild: imago images/Christian Schrödter

Unions Kapitän bei der Vereinsgründung - Drum Prüfke, wer sich ewig bindet

Heute vor 55 Jahren wurde der 1. FC Union Berlin gegründet, Ulrich Prüfke war damals Kapitän. Er begleitete den Verein bei seiner Neugründung 1966 und bei seinem Sieg gegen den FC Bayern München der DDR. Bis heute ist er dem Klub eng verbunden. Von Ilja Behnisch

Zum Dreh mit dem rbb-Fernsehen bittet Ulrich Prüfke zum Märchenbrunnen in den Volkspark Friedrichshain. Einen passenderen Treffpunkt hätte sich der unlängst 80 Jahre alt gewordene Ex-Kapitän des 1. FC Union Berlin nicht aussuchen können. Mit Märchen kennt sich das Ehrenmitglied des Vereins schließlich aus.

Prüfke war Kapitän der Union-Mannschaft, die 1968 den FDGB-Pokal der DDR gewann. Bis heute der größte Erfolg der Vereinsgeschichte. Er selbst sagt: "Der Pokalsieg bleibt natürlich unvergessen. Das war eine Sensation. Jena (Finalgegner Carl Zeiss Jena, Anm. d. Red.) war der klare Favorit. Das war der FC Bayern München des Ostens, mit Nationalspielern bestückt. Wir hatten nur eine Außenseiterchance, habe die Chance wahrgenommen und gut gespielt. Und sind jetzt noch glücklich darüber."

Ein Sieg als Erweckungserlebnis

Dann umspielt ein breites Lächeln das Gesicht von Ulrich Prüfke und spätestens jetzt muss man glauben, dass er offenbar jung hält, der 1. FC Union Berlin. So fit würde man jedenfalls auch gern aussehen mit 80.

Andreas Baingo, in den 70ern selbst Spieler für die Köpenicker und später Leiter der Geschäftsstelle, schrieb einmal in der "Berliner Zeitung" über den Pokaltriumph: "Viele der Älteren verbinden diesen Tag, den 9. Juni 1968, mit jenem Moment ihrer Rot-Weiß-Werdung, des Augenblicks, Unioner geworden zu sein. Es kann gut auch der Tag sein, an dem die eisernen Anhänger das Wort "Fußball-Gott" für ihre Lieblinge entdeckt haben. Aufnäher knallen sie sich fortan auf Parkas und Jeansjacken, als die Gegner abseits des Fußballplatzes noch Walter Ulbricht und dann Erich Honecker, Sozialistische Einheitspartei und BFC Dynamo heißen. (…) Das Wort Merchandising ist noch nicht erfunden, doch erkannt haben sie sich trotzdem auf viele Meilen gegen den Wind an den oft winzigen Details und an dem Schriftzug auf dem Vereinsemblem, der sie alle vereint. Union!"

"Bewegte Zeiten"

So heißt der Verein seit nunmehr 55 Jahren, seit der Neugründung am 22. Januar 1966 und in der Nachfolge des TSC Berlin. Ulrich Prüfke erinnert sich: "Es war eine sehr bewegte Zeit damals. Wir waren im Trainingslager und haben uns auf die Rückrunde vorbereitet und dann ist die Entscheidung gefallen, dass am 20. Januar die Klub-Gründung ist. Es wurden Umfragen gemacht in den Zeitungen und Namensvorschläge wurden gemacht und mit großer Mehrheit hat sich dann "Union" durchgesetzt."

Dass sich anderslautende Vorschläge wie "Gloria", "Rakete" oder "FC Spreeathen" nicht durchsetzten, mag plausibel erscheinen. Andererseits staunte der einstige Klubpräsident Günter Mielis (1975-1982) auch vor wenigen Jahren noch, dass das so bürgerliche "Union" im "Vereinsnamen es durch die sozialistische Zensur schaffte", wie Andreas Baingo schrieb.

Ulrich Prüfke (l.) vor dem Stadion an der Alten Försterei (imago images/Matthias Koch)
Ulrich Prüfke (l.) vor dem Stadion an der Alten Försterei und seinem eigenen Denkmal zu Ehren des FDGB-Pokalsiegs 1968 | Bild: imago images/Matthias Koch

Besser als Urs Fischer

Heutzutage wäre der berühmte "Eisern!"-Schlachtruf ohne ein dann folgendes "Union" kaum denkbar. Und die Geschichte des Vereins nicht ohne Ulrich Prüfke. Denn neben dem Pokalsieg waren da ja auch noch zwei Aufstiege (1966, 1970) in die DDR-Oberliga, an denen er maßgeblich beteiligt war. Und seine Zeit als Cheftrainer zwischen 1972 und 1974. Er sei "eher der strenge Trainer" gewesen, so Prüfke: "Ich war ein junger Mann und wollte bestimmte Sachen verändern, besser machen. Und habe sicher nicht das beste Händchen gehabt in manchen Situationen. Die fehlende Erfahrung habe ich gemerkt."

Dabei kann sich seine Bilanz durchaus sehen lassen: 67 Spiele, 30 Siege, 15 Unentschieden und 22 Niederlagen. Macht einen Punkteschnitt von 1,57 Zählern pro Partie. Und damit mehr, als Unions aktueller Trainer Urs Fischer (1,52 Punkte pro Partie) aufweisen kann.

"Man muss sich kneifen"

Und dennoch, so Prüfke: "Da kann man wirklich stolz sein, was da passiert ist bei Union. Und die derzeitige Entwicklung - man muss sich kneifen. Urs Fischer und sein Trainer-Kollektiv haben das wunderbar zusammengefügt. Und er hat auch mit seiner sehr angenehmen Art Spieler zu besseren Leistungen geführt. Das ist eine Sensation, wie der 1. FC Union Berlin sich in der Hinrunde dieser Meisterschaft schlägt."

Ulrich Prüfke muss es wissen. Er hat schließlich selbst mal eine geschafft.

Sendung: rbb UM6, 20.01.2021, 18:15 Uhr

6 Kommentare

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  1. 6.

    ...ein Glück!
    Wir sind eh genug.

    Glückwunsch auch von mir.

  2. 5.

    Danke für den schönen Artikel, Ilja Behnisch! Toll, dass unser Pokalheld von '68, Ulrich Prüfke, mit seinen 80 Lenzen immer noch in allen Belangen so top fit ist.

    Und natürlich einen dicken fetten Glückwunsch zum Geburtstag an unseren 1. FC Union Berlin!

  3. 4.

    Union ist immer noch ein Ostverein und die Anhänger eben noch sehr in der DDR Denke verhaftet. Nicht mein Ding.

  4. 3.

    lieber Kommentator mit dem Namen "Wessi" DANKE für die Hinweise, wäre keiner drauf gekommen, jedenfalls keiner aus Köpenick und wissen Sie weshalb ? weil's hier Niemand braucht, trotzdem, liebe Grüße und HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH UNION zum 55.Jahrestag, strengt euch an, heute Abend !!! wäre super Geschenk zum Jubiläum, unentschieden müsst ihr erreichen !!!

  5. 2.

    Tja, die DDR-Gene stecken dem Verein auch noch sehr in den Knochen. Da wurde eine Vereinsgründung halt einfach mal von oben nach unten angeordnet. Aber vielleicht lassen sich ja Ostalgie und Abschottung bei weiterhin gutem sportlichen Erfolg 30 Jahre nach der Wiedervereinigung doch noch überwinden...

  6. 1.

    Frechheit ggü dem FCB, muss so ein Murks sein @RBB?

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