Wolfsburgs Keeper Casteels und Union-Spieler Awoniyi kommen sich im Torraum nahe (Quelle: imago images/Nordphoto)
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Audio: Inforadio | 10.01.2020 | Simon Wenzel | Bild: imago images/Nordphoto

Fehlentscheidung in Bundesliga-Spiel? - Warum Unions dritter Treffer eigentlich hätte zählen müssen

Als Christopher Trimmel in der 60. Minute des Spiels gegen Wolfsburg eine direkte Ecke zum 3:1 verwandelte, schien Union auf der Siegerstraße. Doch der Treffer zählte nicht. Zu Unrecht, sagt Trainer Fischer. Auch das Regelwerk ist eindeutig. Eigentlich. Von Ilja Behnisch

Nach dem 2:2 des 1. FC Union Berlin gegen den VfL Wolfsburg in der Fußball-Bundesliga-Partie am Samstag waren nicht wenige Anhänger der Eisernen erstaunt. Darüber, dass die Gäste nach dem Platzverweis ihres Spielmachers Maximilian Arnold (50. Minute) viel besser spielten als zuvor und die Partie fortan dominierten. Auch deshalb bewerteten hinterher beide Lager das Unentschieden als leistungsgerecht. Grund zur Aufregung gab es dennoch. Denn eigentlich war Union in der 60. Minute durch eine direkt verwandelte Ecke von Kapitän Christopher Trimmel mit 3:1 in Führung gegangen.

Doch der Treffer zählte nicht. Schiedsrichter Patrick Ittrich wertete einen Einsatz von Unions Stürmer Taiwo Awoniyi gegen Wolfsburgs Torwart Koen Casteels als regelwidrig. Eine umstrittene Einschätzung, schließlich legte wenn, dann eher Casteels Hand an bei Awoniyi als umgekehrt (siehe Titelbild). Im Versuch, die Entscheidung des Unparteiischen zu erklären, war in der Folge schnell die Rede davon, der Torhüter genieße im Fünfmeter-Raum besonderen Schutz. Im Regelwerk findet sich davon jedoch nichts, wie auch die vom rbb eingeholten Stimmen ausführen.

Urs Fischer (Trainer Union Berlin)

"Taiwo (Awoniyi, Anm. d. Red.) steht da und muss sich nicht in Luft auflösen. Er muss auch nicht seine Position verändern. Für mich ist das eigentlich wirklich ein korrektes Tor, nur es wurde anders entschieden. Das gilt es, zu akzeptieren."

Alex Feuerherdt (Schiedsrichter, Schiedsrichter-Ausbilder und Teil des Schiedsrichter-Podcast-Teams "Collinas Erben")

"Wenn man sich mal überlegt, wie es ausgegangen wäre, wenn da statt des Torwarts ein Feldspieler gestanden hätte, hätten wir glaube ich gesagt: Awoniyi schirmt den Ball eigentlich nur ab und macht gar nichts Verbotenes. Man hätte auf Tor entschieden. Es gibt ja keine Sonderrechte mehr für die Torhüter - auch nicht im eigenen Torraum. Insofern würde ich sagen, dass es in dieser Situation die bessere Entscheidung gewesen wäre, das Tor zu geben.

Wir hatten tatsächlich jahrelang, wenn nicht sogar jahrzehntelang, in Deutschland die Situation, dass im Grunde genommen jeder geringfügige Körperkontakt gegen den Torwart - vor allem im eigenen Torraum - geahndet wurde. Das gibt es seit Sommer 2012 nicht mehr. Die Torhüter haben jetzt keine Sonderregel mehr im eigenen Torraum und können da genauso korrekt gerempelt werden wie alle anderen auch. Wenn der Ball in Spielnähe ist.

Es heißt in den Regeln nur: Ein Spieler darf den Ball abschirmen, indem er sich zwischen Spieler und Ball stellt, wenn der Ball in spielbarer Distanz ist und der Gegner nicht mit dem Arm oder dem Körper abgedrängt wird. Ich denke, das ist genau das, was Awoniyi hier gemacht hat.

Wir müssen ein bisschen zwischen Regeltheorie und Regelpraxis unterscheiden. In der Theorie hat der Torwart keine Sonderrechte mehr, in der Praxis sieht es vielfach anders aus. Sicherlich teilweise aus Gewohnheit oder weil es die Spieler ein bisschen erwarten und weil es den Schiedsrichtern darum geht, ein bisschen Ärger zu vermeiden. Das ist eigentlich allgemein akzeptiert. Insofern haben wir hier eine Situiation, wo man sagen kann, vielleicht liegt auch ein Sperren mit Körperkontakt vor. Es ist nicht abwegig, darauf zu entscheiden.

Es ist kein klarer Fehler, der den Videoassistenten zum Eingriff zwingt."

VAR was?

Ob ein den Regeln nach zu Unrecht aberkannter Treffer nun eine krasse Fehlentscheidung ist oder nicht, das bleibt auch nach dieser Szene eine offene Frage, die so alt ist wie der Videobeweis selbst. Nur eines ist sicher: die Unsicherheit. Dass Union das Spiel nach einer 3:1-Führung tatsächlich gewonnen hätte, muss hingegen ein Konjunktiv bleiben. Oder um es mit Lothar Matthäus zu sagen: "Hätte, hätte, Fahrradkette." Manche Fußballweisheit behält ihr Recht eben für immer.

Sendung: rbb UM6, 10.01.2020, 18 Uhr

Beitrag von Ilja Behnisch

23 Kommentare

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  1. 23.

    Wenn schon Lothar, dann bitte korrekt zitieren: Wäre, wäre, Fahrradkette.

    Eisern!

  2. 21.

    Sehr geehrter Herr Michael Meyer,
    ich möchte Ihnen versuchen zu antworten. Der große Unterschied ist zwischen HERTHA u. UNION, nicht nur, die wirtschaftliche-Frage. Sondern eben der UNION-Kampfgeist, der "alte, emotionale Kampfgeist", den eigentlich nur 2 Teams wrirklich wohl noch haben, Die Leutscher, aus Leipzig, was UNION, tragisch mit einem nicht gegebenen Tor schon 1984, b. Abstieg in die DDR-Liga, wie zuletzt gegen Wolfsburg, zu spüren bekommen hat und eben der 1. FC. UNION selbst, der durch den alten UNION- Kampfgeist, viele Spiele und zuletzt, 1988 den Oberliga-Klassenerhalt, aber eben auch, in all den Jahren, ob Oberliga, 3. Liga, in der 2. Liga und zuletzt beim knappen, aber tollen Bundesliga-Aufstieg und nun in der 1. Bundesliga sebst zu spüren und geholfen hat. Nicht Geld schießt Tore, sondern eine gute Taktik, Einstellung und Kameradschaft, was bei UNION vorhanden ist, ein Team, eben unsere UNION-Elf. Und HERTHA ist da nur Tragik o. Seele u. Mumm, von Individualisten.

  3. 20.

    Mal ganz ehrlich: ich bin als "West-Berliner" seit ca. 1972 Hertha-Fan und hatte mit Union nie was am Hut. Hertha verstehe ich aber leider nicht mehr. Große Klappe, Big City Club, liefern sich an einen Investor aus und kaufen teure Spieler, bei denen ich mich dann frage, ob man sie vorher überhaupt angeschaut hat. Gegen Bielefeld war das eine schlichte Frechheit, was fast alle da ablieferten. Da ist es eigentlich auch egal, ob ein Foul dem Tor der Bielefelder vorausging oder das Tor von Hertha regulär war. So kann man nicht auftreten, das ist furchtbar. Ganz anders Union: vorletzter Platz beim Kaderwert und spielen sensationell, phantastisch, mitreißend. Das schaue ich zwischenzeitlich lieber an und frage mich, warum kann Hertha das nicht. Haben die keine Lust oder was ist da los?

  4. 19.

    Schon schade - denn ja, es war ein reguläres Tor. Der Schieri hat falsch, allerdings nicht dermaßen falsch entschieden, als dass man den VAR hätte bemühen müssen. Wolfsburg war zwar, zugegebenermaßen, über Strecken das etwas bessere Team, aber ein 3:1 hätten sie wohl nicht mehr aufgeholt. Mit dem Unentschieden gegen einen spiekstarken Klub wie Wollfsburg kann ich ganz gut leben - weiter so, Union!

  5. 18.

    Mal abgesehen von sehr vielen grammatikalischen Problemen, die Sie offenbar haben, sollten Sie wenigstens höflich bleiben. Und es sind nicht Mille (=Tausend) sondern Mio. Machen Sie den Loddar mal lieber wo anders. Etwas mehr Niveau darf hier sein.

  6. 17.

    Nee, nee, schon richtig erkannt. Der Big City Club Hertha BSC spielt UM den letzten Platz und UM den Abstieg in die 2.Liga.
    GEGEN, hieße ja, dass sie sich bemühen, um nicht abzusteigen. Das aber gibt die Tabelle, die Einstellung der Spieler und des Vorstandes nicht her.
    Wir sollten uns langsam an Spiele gegen den HSV, Pauli und Dresden gewöhnen. Und 13:30 Uhr ist auch eine bessere Anstoßzeit für den Big City Club.

  7. 16.

    Nee, nee, schon richtig erkannt. Der Big City Club Hertha BSC spielt UM den letzten Platz und UM den Abstieg in die 2.Liga.
    GEGEN, hieße ja, dass sie sich bemühen, um nicht abzusteigen. Das aber gibt die Tabelle, die Einstellung der Spieler und des Vorstandes nicht her.
    Wir sollten uns langsam an Spiele gegen den HSV, Pauli und Dresden gewöhnen. Und 13:30 Uhr ist auch eine bessere Anstoßzeit für den Big City Club.

  8. 15.

    Bin selber jahrelange Torwart gewesen reguläres Tor gewesen nach Abschaffung der Herrschaft des Torwarts im 5 Meter Raum, Pinguin scheint keine Ahnung eben zu haben vom Fußball, ist ja erst seid ein paar Jahren abgeschafft, und der Big Preetz Club wird es schwer haben, naja 350 Mille einfach mal so für durschnitlichen Spielern ausgeben und dann kommt nix.

  9. 14.

    Hertha hat mal eine kurze Downphase. Dann geht es wieder aufwärts. Ihr werdet schon sehen! Union wird absteigen. ;)

  10. 11.

    Ja, der ist ja auch kein Ossi. Der Rest mosert noch und Diskutiert....Fußball ist so ein Weichei Sport.Geht zum Handball: Keine Ständigen Diskussionen, keine Show-Foul-Einlagen.Kein Dauerjammern über zu große Belastungen. Echter Sport hallt. Also wie alle Sportarten, außer Fußball ;-)

  11. 10.

    das ist der Volksglaube, das DFB-Regelwerk gibt das eben genau nicht her. Bei Ahnung vom Fußball sollte man das wissen. Steht aber auch so im Artikel...

  12. 9.

    Ach.... es gibt in der Welt der Unioner halt nur schwarz und weiss... Union oder Hertha...
    Wenn das bei mir auch so wäre, hätte ich nur die Wahl zwischen Pest und Cholera... es wäre ein bitteres Leben...

  13. 8.

    Im 5 meterraum, genießt der Torwart einen gewissen Schutz. Deshalb, gibt es einen 5 Meterraum. Es war eindeutig ein Foul und der Schiedsrichter hat richtig entschieden. Mehr braucht man nicht schreiben. Wer Augen hat und Ahnung vom Fußball hat, kann zu keinem anderen Ergebnis kommen.

  14. 7.

    "Wir hatten heute von Bielefeld körperliche Gegenwehr" , sagte Hertha-Verteidiger Niklas Stark gegenüber der Sportschau"

    Das klingt mir eher nach "Opfer", Pinguin. Aber wir wollen mal nicht so sein und nicht noch nachtreten - auch, wenn Beiträge wie der Ihre dafür einen Elfer offerieren . . .

  15. 6.

    Pinguin, Du bist ja goldig, aber ich kann Dich beruhigen, wir fühlen uns sehr gut hier oben auf Platz 5 :)

  16. 5.

    Was heißt hier wieder. In Köpenick hat man sich noch nie als Opfer gesehen, sondern immer die Ärmel hoch gekrempalt

  17. 4.

    falsch! Urs Fischer hat es zur Kenntnis genommen und akzeptiert.

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