Nico Schlotterbeck vom 1. FC Union Berlin (imago images/Markus Fischer)
Bild: imago images/Markus Fischer

Nico Schlotterbeck bei Union Berlin - Lauter Bruder

Sein zwei Jahre älterer Bruder Keven hat vergangene Saison die Abwehr des 1. FC Union Berlin stabilisiert. Jetzt versucht sich Nico Schlotterbeck an derselben Aufgabe. Ihre Eltern stellt das vor ein andauerndes Problem. Von Ilja Behnisch

Das vergangene Wochenende brachte Probleme mit sich für Familie Schlotterbeck. Denn eigentlich verpassen die Eltern der Bundesligaprofis Nico (21, 1. FC Union Berlin) und Keven (23, SC Freiburg, ehemals Union) kein Spiel ihrer Söhne. Und bisher war das zumeist auch möglich. Denn wenn es nicht schon der Terminplan gut meinte mit den Schlotterbecks, saß entweder einer von beiden nur auf der Bank oder war verletzt.

Zum Rückrundenauftakt in der Bundesliga nun spielten plötzlich beide. Zeitgleich: Nico mit den Eisernen in Augsburg, Keven mit dem SC gegen Stuttgart. Ein "bisschen schwer" sei das für seine Eltern gewesen, sagte Berlins Schlotterbeck am Dienstag im Rahmen einer Medienrunde, "weil sie zwei Fernseher nebeneinander laufen lassen mussten. Da hat dann eher meine Mutter mein Spiel angeschaut, mein Vater das von Freiburg."

Der Bruder als Therapeut

Dass diese Aufteilung nach Sympathie vorgenommen wurde, scheint unwahrscheinlich. Schließlich sagt Nico Schlotterbeck: "Ich denke, dass ich und mein Bruder einfach einen guten Kontakt zu meinen Eltern haben." Nach den Spiele würden sie miteinander telefonieren, auch die Brüder untereinander. Dann "analysieren" sie ihre Spiele, bereden, "was man hätte besser machen können, wie er das Spiel gesehen hat".

Dabei ist der Bruder nicht nur Kritiker, sondern auch Therapeut. Nur drei von 18 möglichen Spielen hat Nico in dieser Saison für Union absolviert. Gleich zwei Verletzungen setzten ihn zwischen Oktober und Januar außer Gefecht. Eine Premiere für den U21-Nationalspieler, der bis dahin ohne Blessuren durch seine noch junge Karriere gekommen war. Und sich auch nun auf seine Familie verlassen konnte.

Vorreiter und Vorbild

"Bei meiner zweiten Verletzung war ich bei meinen Eltern in Stuttgart, einen Monat lang", sagt Nico Schlotterbeck. Und auch in Freiburg sei er gewesen, "bei meinem alten Team. Auch beim Trainer, bei meinem Bruder. Er hat versucht, mich aufzumuntern und hat das auch ganz gut hinbekommen."

Und auch daran, dass Nico nun in Berlin spielt, hat Keven seinen Anteil. Schließlich hat er in der vergangenen Saison vorgemacht, dass sich eine Ausleihe nach Köpenick lohnen kann. Insgesamt 27 Partien absolvierte er während der vergangenen Spielzeit für Union, holte sich so die Erfahrungswerte, um nun auch bei seinem Stammklub in Freiburg gesetzt zu sein. Und sorgte dafür, dass der jüngere Bruder im Sommer 2020 nicht auf völlig unbekanntem Terrain landete.

Ähnlichkeiten mit Max Kruse

"Ich bin froh, dass ich hergekommen bin. Ich habe ein neues Team kennengelernt, neue Freunde. Ich bin mit meiner Freundin das erste Mal weit weg von meiner Familie", sagt Nico und weiter: "Ich habe mich hier gut eingelebt." Auch sportlich scheint es zu passen. Gegen Leverkusen und Leipzig gehörte Schlotterbeck bereits wieder zum Kader, gegen Augsburg zur Startelf. Noch sei er angesichts der langen Verletzungszeit nicht wieder bei 100 Prozent, aber: "Ich denke, dass wenn ich fit bleibe, spielen kann und spielen werde."

Dass Nico Schlotterbeck selbstbewusst ist, muss man dabei nicht lange vermuten. "Vielleicht", so sagt er, "ein bisschen zu viel ab und zu". Auch deshalb wird Nico in seiner Art weniger mit Bruder Keven, als mit Max Kruse verglichen. Seinem Bruder im Geiste quasi, über den Nico sagt: "Ich lass mir nicht von jedem was sagen. Ich denke, Max war früher auch so. (…) Ich denke, man braucht das im Profi-Fußball einfach. Weil wenn man nur 'Ja und Amen' sagt, dann ist es schwer, richtig im Geschäft Fuß zu fassen."

Ein Problem weniger

Ein Punkt, an dem Bruder Keven noch arbeiten könne, so Nico Schlotterbeck: "Ich bin vielleicht ein bisschen der Lautere von uns beiden, habe mehr Selbstvertrauen. Ich sage ihm manchmal, dass er vielleicht ein bisschen mehr haben kann." Die Bruderliebe immerhin, ist davon unbenommen. Schließlich so Nico, sei er "immer auch selber nervös", wenn Keven spielt.

So wie am kommenden Sonntag, wenn es für den SC Freiburg des großen Bruders beim VfL Wolfsburg um Punkte geht. Das eigene Spiel gegen Borussia Mönchengladbach liegt dann schon hinter Nico und seinem 1. FC Union. Womit immerhin schon klar ist, dass die Familie Schlotterbeck an diesem Wochenende ein Problem weniger hat: Am 19. Spieltag der Bundesliga-Saison 2020/21 tut es auch ein Fernseher.

Sendung: rbb24, 26.01.2021, 21:45 Uhr

3 Kommentare

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  1. 3.

    Ich finde diesen Bruderwechsel echt witzig. Erinnert auch ein wenig an die Boatengs. Gibt es so etwas eigentlich noch mehr? Mir fällt grad kein Bruderpaar mehr ein. Kennt jemand noch andere?

  2. 2.

    „ Ein "bisschen schwer" sei das für seine Eltern gewesen, sagte Berlins Schlotterbeck am Dienstag im Rahmen einer Medienrunde, "weil sie zwei Fernseher nebeneinander laufen lassen mussten. Da hat dann eher meine Mutter mein Spiel angeschaut, mein Vater das von Freiburg."“

    Ja. Das sind doch mal echte Probleme.... Autsch.

  3. 1.

    Herzlichen Dank für diesen Artikel, lieber Herr Behnisch. Als SC-Fan, der in Köpenick aufgewachsen ist, freut man sich besonders über solche Geschichten. Eine wohltuende Abwechslung in dieser Zeit neben all den überwiegend nicht so angenehmen Nachrichten.

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