Bruno Labbadia (l.) während des Spiels gegen die TSG Hoffenheim (imago images/O. Behrendt)
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Audio: Inforadio | 22.01.20 | 8:15 Uhr | Jakob Rüger | Bild: imago images/O. Behrendt

Hertha vor dem Heimspiel gegen Bremen - Labbadias letzte Chance?

Krisenstimmung bei Hertha BSC. Der Verein taumelt dem Relegationsplatz entgegen, Trainer und Manager kämpfen um ihren Job. Der Versuch, eine Aufbruchstimmung vor dem Spiel gegen Werder Bremen zu schaffen, scheitert. Von Jakob Rüger

Herthaner im Fokus

Trainer Bruno Labbadia sah auf der Pressekonferenz vor dem Bremen-Spiel müde und erschöpft aus. Die Kritik und vor allem der Druck haben zugenommen, das Spiel gegen Werder könnte schon sein letztes sein, nach nur neun Monaten als Hertha-Trainer. "Ich stehe in der Verantwortung", sagt Labbadia. "Ich bin in der Führungsposition und muss jetzt voran gehen. Wir liegen am Boden, die Frage ist immer, will man liegen bleiben? Da bin ich noch nie ein Freund von gewesen." Markige Worten vom Trainer, der auch weiß: Er muss nun gegen Bremen liefern: "Wir wissen in welcher Situation wir sind und wir haben nie etwas schön geredet."

Zuletzt haben Labbadias Maßnahmen auf dem Feld nicht gegriffen. Dodi Lukebakios Verschiebung auf die Spielmacherposition erwies sich als Flop. Die Doppelspitze aus Jhon Cordoba und Krzysztof Piątek harmoniert nicht. Die Einwechslungen gegen Hoffenheim verpufften. Der Trainer ist an der aktuellen Situation nicht unschuldig. "Natürlich kann jeder die Tabelle lesen und sie hat Aussagekraft", nimmt Manager Michael Preetz den Trainer in die Pflicht. "Wir müssen den Abstand zu den Abstiegsplätzen vergrößern." Ein klarer Auftrag, an dem sich Labbadia nach dem Bremen-Spiel messen lassen muss.

Das Personal

Der Trainer kann weiter auf die Spieler zurückgreifen, die er schon für Hoffenheim zur Verfügung hatte. Spielmacher Matheus Cunha hat, anders als von Labbadia vorhergesagt, die kompletten 90 Minuten durchgehalten. Innenverteidiger Omar Alderete könnte nach einer durchwachsenen Leistung durch Jordan Torunarigha ersetzt werden. Offensiv haben sich weder Piątek noch Lukebakio für einen Startelfstart aufgedrängt. Doch hier fehlen Labbadia die Alternativen. Am Ende der englischen Woche würde eine Rotation Sinn machen, doch Hertha ist derzeit nicht in der Lage, Schlüsselspieler zu schonen.

Es fehlen: Dedryck Boyata (Fuß), Javairo Dilrosun (Knie), Marvin Plattenhardt, Eduard Löwen und Marton Dardai (alle muskuläre Probleme).

Die Form

Hertha schafft einfach nicht die Wende. In den letzten zehn Spielen gelangen nur zwei magere Siege (gegen den 1.FC Union und Schalke). 17 Punkte am Ende der Hinrunde, das ist die schlechteste Bilanz seit der Abstiegssaison 2011/12. Hertha könnte bei einer Niederlage gegen Bremen sogar auf einen Relegationsplatz rutschen - ein Desaster. Keine Frage, der teure Kader, eigentlich für Europa zusammengestellt, steckt spätestens jetzt im Abstiegskampf.

Die Mannschaft zeigte in den vorigen beiden Spielen ordentliche Ansätze, mehr aber auch nicht. Nach der Niederlage gegen Hoffenheim sagte Trainer Labbadia: "Besser kann man die ersten 30 Minuten nicht spielen." Sollte das wirklich stimmen, steht es wahrlich schlecht um die Mannschaft. Ineffektiver Ballbesitz und keine Bewegung bestimmten das Bild auf dem Platz. Es fehlt weiter eine Spielidee und die offensive Durchschlagskraft. Hertha wartet nun seit 280 Minuten auf ein eigenes Tor. "Uns fehlt der letzte Pass und die Sauberkeit in unserem Offensivspiel", bemängelt Labbadia. Er muss die Probleme in diesen Tagen im Training schnellstmöglich lösen.

Der Gegner

Werder Bremen ist unberechenbar, die Saison gleicht einer Achterbahnfahrt. In der Hansestadt fehlt es an Konstanz bei den Leistungen und den Ergebnissen. Die schlechte Nachricht für alle Hertha-Fans: So wie unlängst Hoffenheim kommt auch Bremen angeschlagen nach Berlin. Das hilft der Alten Dame nicht unbedingt, Hertha war zuletzt eher Aufbaugegner für die Konkurrenz. Bruno Labbadia erwartet wieder einen defensiv eingestellten Gegner: "Sie stehen sehr tief und sehr kompakt. Wir brauchen viel Geduld und müssen die Lücken finden und Räume schaffen." Genau das hat beim bitteren 0:3 gegen Hoffenheim nicht funktioniert.

Besonderheiten

Die Verantwortlichen von Hertha BSC strahlen derzeit kein Selbstvertrauen oder Optimismus aus. Dabei legen sie genau darauf jetzt Wert. "Wenn du in der schwierigen Situation bist, dann musst du Energie ausstrahlen und auch Energie versprühen", sagt ein zurückhaltender Manager Michael Preetz mit leiser Stimme. Er ist im Verein nicht gerade als führungsstarker Mann bekannt. Und ebenfalls angezählt. Hertha-Fans haben im Netz eine Petition zur Absetzung des Geschäftsführers Sport gestartet. Am Samstag soll es vor dem Spiel eine Demonstration gegen den Manager geben, die Fans wollen so ihrem Ärger Luft machen.

"Ich bin natürlich schon wegen meiner Position verantwortlich für den sportlichen Bereich bei Hertha BSC", so Preetz. "Ich stelle mich meiner Verantwortung und bin gefordert, dass wir die Situation so schnell wie möglich ändern." Das bedeutet auch: Liefert Labbadia nicht endlich Punkte, dann muss Preetz wohl den 14. Trainer seiner elfjährigen Amtszeit als Hertha-Manager suchen. Eine solche Bilanz hätte in anderen Bundesliga-Vereinen kein sportlich Verantwortlicher überlebt. Bremen wird zum Schlüsselspiel für Labbadia und für Preetz.

Sendung: rbb UM6, 21.01.2021, 18:15 Uhr

Beitrag von Jakob Rüger

31 Kommentare

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  1. 31.

    Danke für diesen Kommentar Achim. Seit ich mit 7 Jahren das erste mal bei der Hertha im Stadion war und das ist nun 52 Jahre her, habe ich schon fast immer Herzlosen Antifussball von unserer alten Dame gesehen. Die einizg passable Ära über einen etwas längeren Zeitraum gab es nur unter: wie ich ihn liebevoll nenne "Hundefutter". Habe sowieso nie verstanden warum hier nicht versucht worden ist den besten Trainer den wir je hatten, zu halten. Der hat es immerhin geschafft mit, sorry ihr Fussballer, preiswerten Spielern, unter den Top Ten zu sein. Aber ich denke es wird sich nichts ändern. Der Wasserkopf der Hertha war und ist schon immer Sch.... gewesen. Und trotzdem hänge ich an ihr...

  2. 30.

    Warum setzt man nicht für den Rest der Saison Pal Dardai ein. Er hat doch schon einmal den Karren aus dem Dreck gezogen. Wenn es dem Herrn Preetz nicht passt, sollte er freiwillig das Handtuch werfen, denn so wie es jetzt läuft, wird es wohl glatt in die Hose gehen.

  3. 29.

    Selbst wenn Hertha gegen Bremen gewinnt... Preetz und Gegenbauer müssen gehen.
    Die Misere lässt sich nicht mit einem Spiel gegen einen "Über"-Gegner wegwischen.
    Konsequenzen, ansonsten dürfte damit zu rechnen sein das die Fanszene gewaltig auf die Hinterbeine kommt und die Beziehung Fanszene-Verein endgültig durchtrennt; ZU RECHT !!!

  4. 28.

    Hertha ist in seinem Anspruch ein selbsternannter Big City Club zu sein und dabei eher ein amüsierendes Provinzvereinchen ist, ein seit Jahren sehr unterhaltsamer Club - bitte weiter so!
    Zumindest sind sie dabei nicht so unangenehm selbstbeweihräuchernd wie die Kollegen aus der Wuhlheide.
    Amateurfußball ist und bleibt der einzig wahre Fußball!

  5. 27.

    Der Geist von Fiffi Kronsbein ist immer noch umtriebig und schwebt über allem !! Aus gehabtem Schaden und Fehlern nichts gelernt. Hauptsache das Geld stimmt !!!

  6. 25.

    Eine Chance zu viel.

  7. 24.

    Der Fisch fängt immer zuerst am Kopf an zu stinken, d.h. Preetz & Gegenbauer raus !!!
    Jahrelange Fehleinschätzungen, zig Fehlplanungen, menschlich wie fachlich reichen einfach.
    Der selbsternannte "Big City Club" muss von Leuten geführt und gelenkt werden die "Big" sind, die Fachkompetenz,
    Gespür für den Verein und das Umfeld besitzen und nicht darauf achten wie man selbst wirkt, ob das Ego befriedigt ist.
    An dieser Stelle...Herr Klinsmann war wohl doch nicht so verkehrt mit seiner Feststellung, das es gewaltig schief läuft auf Führungsebene.
    So unsympathisch, bieder und abgehoben war Hertha BSC zu keiner Zeit.

  8. 23.

    Bruno Labbadia ist definitiv nicht schuld an der desolaten Leistung eines Kaders, das fast nur aus Individualisten besteht, die nicht willens sind, eine Mannschaft zu bilden und damit dem Trainer den Rücken kehren. Ausgetauscht müsste in diesem Falle Management und Kader werden.
    Nur Geld allein spielt halt keinen Fußball, dit weeß der Preetz aber wohl nich. "Big City Club" - also nee. Den Ruf haben Management und Mannschaft verpielt.

  9. 22.

    Nachdem man in den letzten Zwei Jahren einiges an Trainer verschlissen hat sollte man mal an anderer Stelle nachschauen. Da scheint wohl das Problem nicht die Trainer zu sein.

  10. 21.

    Warum nicht Kuranyi als Spieler.. Wenn Schalke den huntelaar holt.. Der Trend geht zum retro style.. Und schlechter als die aktuellen Hertha stürmer ist der Kevin nicht.. Und der Mario Gomez ist auch gerade frei..





  11. 20.

    Haben wir keine anderen Sorgen in diesen Zeiten wie die Probleme bei diesem Verein.

  12. 19.

    Auf geht’s Werder, schießt sie in die 2.Liga,
    die unbeliebteste Mannschaft der Bundesliga!

  13. 18.

    Also ich wäre dafür Preetz zu behalten, denn er macht für mich eine sehr gute Arbeit.

    Er verbrennt das Geld von Windhorst, holt dafür unterklassige Spieler, Hertha steigt ab, Windhorst steigt aus und Hertha noch weiter ab, also genau das was zu diesem Luschenverein passt, Herr Preetz Danke, perfektes Management !!! ;o)))

  14. 17.

    Der Zusammenhang von Geld und Tabellenkonstellation ist signifikant. Geld schießt keine Tore, die Frage nach der Henne und dem Ei lassen wir aber gern außen vor.

    Warum Herr Preetz nicht gehen kann, weiß in der Berlin doch jedes Kind; verstecken wir die Wahrheit aber lieber hinter vorgehaltener Hand.

    Ich kann den Herren Preetz, Gegenbauer und Co. nur ein Kompliment machen: Ohne eigenes Stadion über Jahrzehnte im Oberhaus mitzumischen ist eine starke Leistung.

    Jetzt liegen Input und Output zu weit auseinander, um nicht zu handeln. Doch wer am Ende geht, auf einem anderen Blatte steht! ;-)

  15. 16.

    Die Kohle von Tennor Holding ist bzw. war für den erfolgreichen, sportlichen Weg nach Europa gemünzt. Nicht für die Funktionäre wie Gegenbauer, Preetz, Schiller und nun auch noch der neue "CEO" Schmidt. Diese Personen gönnen sich damit einen angenehmen finanziellen Vorruhestand. Dennoch sollte auch Bruno Labbadia mit seinem Staff zurück auf die Dörfer.

  16. 15.

    Ich war noch nie ein ausgemachter Fan der Hertha, aber den derzeitigen Niedergang dieses Vereins mit anschauen zu müssen, tut mir doch weh.

    Das einzig Positive an der aktuellen Situation beim BSC ist die Tatsache, dass die Zeichen vermutich bald auf Neuanfang gestellt werden - auch wenn dann wohl erheblich kleinere Brötchen gebacken werden müssen.

    Woher kommt eigentlich immer der Name Rangnick im Zusammenhang mit der momentanen sportlichen und vor allem finanziellen Situation? Manche scheinen zu glauben, die Hertha schwimme im Geld, dabei hat sie enorme Verbindlichkeiten zu stemmen. Man hat sich an einen Investor verkauft. Wenn der die Faxen dicke hat... siehe Uerdingen.
    Meiner Meinung nach geht es nicht um die Gegenwart oder die nähere Zukunft des Vereins, sondern perspektivisch um dessen Überleben.

  17. 14.

    Abgesehen mal davon ob Hertha gegen Bremen gewinnt, was ich hoffe, hat Hertha ein grundsätzliches Problem. Hertha hat keine Außendarstellung und ein negativ Image was sie sich über Jahre erarbeitet haben. Mit dieser sportlichen Leitung jedesmal ihren Zielen hinterher hinkend und aufs nächste Jahr verschoben. Natürlich kann man dann sagen es ist enttäuschend jedoch bei den Möglichkeiten die Hertha jetzt hat so ein Desaster zu fabrizieren ist schon mehr als krass. Hier immer noch an einen Manager festzuhalten der nicht mal ansatzweise gezeigt hat diesen Club zu entwickeln ist fahrlässig. Es wird nur weitergewurschtelt mehr nicht.

  18. 13.

    So ist es! Preetz hätte schon lange entfernt werden müssen!

  19. 12.

    Das Beste an Hertha BSC ist das Stadion, okay nur angemietet, und der Trainer. Ansonsten hätten sie im Wedding bleiben sollen. Das passt das Umwelt besser zu den Zuschauern.

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