Joan Oumari bei einem Spiel des FC Tokyo (Quelle: imago images/AFLOSPORT)
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Interview | Berliner Fußballer Joan Oumari - "Ich will wieder in die asiatische Champions League"

Seit einem Jahr spielt der Berliner Fußballer Joan Oumari in Japan für den FC Tokio. Kürzlich gewann er mit seinem Team den Pokal, derzeit ist er auf Heimaturlaub. Im Interview spricht er über seine Erfahrungen in Asien und erzählt, was er aus Berlin vermisst.

rbb|24: Joan Oumari, seit wann sind Sie wieder in Berlin und wie haben Sie die ersten Tage verbracht?

Joan Oumari: Ich bin seit dieser Woche wieder in Berlin. Ich bin morgens angekommen und am Abend habe ich mir einen Döner geholt, weil ich das vermisst habe. Ich habe jetzt seit vier Tagen ungefähr sieben oder acht Döner gegessen. (lacht)

Ihr Bruder ist auch Fußballer und spielt bei Hertha 06. Gehen Sie jetzt, wo Sie in Berlin sind, auch mal zusammen auf eine Wiese im Park und kicken?

Klar, wir sind heute joggen gegangen und haben dann ein bisschen Fußball gespielt. Das fehlt mir sehr, mit meinem Bruder und meinen Freunden Fußball zu spielen. Darauf freut man sich, wenn man wieder in Berlin ist. Das ist eine andere Atmosphäre als im Profi-Fußball. Dann kommen die alten Zeiten wieder hoch.

Sie sind in Japan aktiv, wo schon seit Mitte vergangenen Jahres wieder vor Zuschauern gespielt wird. Mit welchem Gefühl haben Sie das verfolgt?

Das wurde schrittweise gesteigert. Am Anfang durften gar keine Zuschauer rein, dann 5.000. Nach zwei Monaten wurden es dann 10.000, im Finale durften etwa 40.000 rein. Aber jetzt ist auch in Japan wieder Lockdown. Es ist kein schönes Gefühl, wenn man ohne Zuschauer spielt. Es ist ein ganz anderes Feeling und das Adrenalin ist nicht so hoch. Es wurde dann mit Zuschauern viel besser und es war wirklich schön, dass wir das durften - auch für die Motivation.

Mit Ihrem Team, dem FC Tokio, haben Sie gerade den Pokal gewonnen. Wie feiert man in Corona-Zeiten einen Titel?

Wegen der Corona-Pandemie war leider keine Feier möglich. Es gibt Maßnahmen und als Fußballer muss man ja auch vorbildlich sein. Wir haben im Stadion ein bisschen gefeiert und haben die Medaillen überreicht bekommen. Wir sind dann direkt in ein Fernsehstudio gefahren und haben Live-Interviews gegeben, das konnten die Fans dann verfolgen. Der Erfolg ist so wie der DFB-Pokal in Deutschland. Der ist sehr, sehr wichtig für uns und auch in Japan sehr hoch angesehen. Das ist schon ein großer Erfolg.

Sie sind jetzt seit fast genau einem Jahr in Tokio. Welche Erfahrungen sind Ihnen aus dieser Zeit besonders im Gedächtnis geblieben?

Die Menschen hier sind super, sehr hilfsbereit und höflich. Sie haben auch was von den Deutschen: Pünktlichkeit und Disziplin sind sehr wichtig. Sie verbeugen sich nach jedem Gespräch noch sechs oder sieben Mal. Die haben schon eine sehr schöne Kultur. Ich habe viel gelernt und gesehen in Japan. Die Menschen legen hier auch viel Wert auf Fußball. Gerade in Tokio haben mich viele erkannt, wenn ich rausgegangen bin. Sie fragen manchmal ganz höflich, viele sind aber auch schüchtern und schauen dich fünf Minuten lang an, bis du fragst: Willst du ein Foto machen? Sie ziehen sich eher zurück und wollen deine Privatsphäre nicht stören. Das schätze ich an den Japanern.

Gerade wurde in Japan wegen steigender Infektionszahlen der Ausnahmezustand verhängt. Wie verfolgen Sie das? Was berichten ihre Teammitglieder aus Tokio?

Ja, meine Teammitglieder, mein Übersetzer und der Manager halten mich auf dem Laufenden. Die Situation ist jetzt wieder so wie im April oder wie hier in Deutschland. Für mich sollte eine Rückkehr aber kein Problem sein, denn ich habe meine ID und kann wieder einreisen. Ich muss dann aber zwei Wochen in Quarantäne. Anfang März soll die Saison losgehen. Anfang Februar fangen wir mit der Vorbereitung an. Da werden wir vermutlich auf die Insel Okinawa fliegen, weil es da wärmer ist. Dort machen viele japanische Mannschaften ihr Trainingslager.

Ihr Vertrag läuft allerdings zum Monatsende aus. Werden Sie in Tokio bleiben?

Das ist noch offen, aber es liegt an mir und nicht am Verein. Ich halte Ausschau nach etwas anderem, vielleicht in Japan oder woanders. Ich will auf jeden Fall wieder in die asiatische Champions League. Da waren wir im letzten Jahr, aber in diesem Jahr nicht, weil wir nur Sechster waren. Ich will mir alles anschauen und wissen, was die Ambitionen vom FC Tokio sind. Ich bin jemand, der Ambitionen nach oben hat.

Vor Ihrem Wechsel ins Ausland haben Sie zum Beispiel in Babelsberg gespielt. Können Sie sich vorstellen, Ihre Karriere irgendwann hier in der Region ausklingen zu lassen?

Darüber habe ich mir noch nicht so viele Gedanken gemacht. Ich bin 32, fühle mich topfit und habe die Erfahrung. Ich möchte auf jeden Fall irgendwann zurück nach Deutschland, dort möchte ich ja leben. Aber im Fußball weiß ich das noch nicht. Die Regionalliga würde mich nicht unbedingt ansprechen. Dann mache ich vielleicht eher den Trainerschein. Aber erstmal möchte ich noch für zwei bis drei Jahre auf einem Top-Niveau spielen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Lisa Surkamp, rbb Sport.

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