Sportgeräte-Herstellung in Berlin - Wo der Feinschliff für Olympische Medaillen erfolgt

Mo 25.01.21 | 15:48 Uhr
Ein Mitarbeiter am FES bearbeitet ein Kanu. Quelle: rbb
Video: Abendschau | 24.01.2020 | Uri Zahavi | Bild: rbb

Im Sommer sollen die Olympischen Spiele in Tokio nachgeholt werden. Die Sportlerinnen und Sportler stecken mitten in den Vorbereitungen. Und auch an den Geräten für die Wettkämpfe wird seit Monaten gefeilt - unter anderem in Berlin-Oberschöneweide.

Weiße Fassade, rot-braunes Dach, Parkplätze und ein paar Bäume. Von außen wirkt das Institut für Forschung und Entwicklung von Sportgeräten (kurz FES) unspektakulär und unscheinbar. Wirft man aber einen Blick hinter die, nun ja, doch eher triste Fassade, kommen insbesondere Sportfans ins Staunen.

In Berlin-Oberschöneweide wird mit Hochdruck am Erfolg der deutschen Mannschaft bei den Olympischen Spielen gearbeitet. Im FES bereiten sich nicht etwa die Sportler auf die Wettkämpfe vor, vielmehr wird hier ihr Equipment entworfen, entwickelt, gebaut und optimiert. Die Kanus für die Sommerspiele in Tokio und die Bobs für die Winterspiele in Peking sind "Made in Berlin".

Das Institut für Forschung und Entwicklung von Sportgeräten in Berlin-Oberschöneweide. Quelle: imago images/Camera 4
Das Institut für Forschung und Entwicklung von Sportgeräten in Oberschöneweide. | Bild: imago images/Camera 4

Olympia-Kanu in sechs Monaten

Insgesamt 75 Mitarbeiter sind dafür im FES beschäftigt. Bei ihrer Arbeit kommt es auf Präzision und Perfektion an. Die Sportgeräte werden auf den Zehntelmillimeter genau bearbeitet, um so das Maximum innerhalb des Reglements herauszuholen. "Wenn unsere Geräte am Ende vorne liegen, dann ist es genau das, was von uns erwartet wird", sagt Michael Nitsch, der Direktor des FES. "Das ist so, wie wenn ein Klempner kommt und zu Hause etwas repariert. Man macht da nicht einen riesigen Bohei. Wir werden dafür bezahlt, dass es funktioniert. Aber natürlich ist das Herz dabei", so Nitsch.

Rund sechs Monate dauert es, bis ein Kanu für die Olympischen Spiele fertig ist - von der Idee bis zur Fertigstellung. Dass Olympia in Tokio wegen der Corona-Pandemie vom vorigen auf dieses Jahr verschoben wurde, entspannt den Zeitplan im FES nicht. Ganz im Gegenteil: "Dadurch, dass ein Wettkampfjahr stattgefunden hat, aber eben ohne die Spiele, gibt es jetzt schon wieder neue Ideen und Wünsche", erklärt Dirk Böhme, Projektleiter Kanu beim FES. Die Geräte aus dem Sommer sind wenige Monate später an einigen Stellen also schon wieder überholt.

Pläne und Prototypen streng geheim

Und auch die Konkurrenz schläft nicht. Jede Nation versucht, ihre Sportlerinnen und Sportler mit den bestmöglichen Geräten bei den Wettkämpfen zu unterstützen. Die Pläne und Prototypen für die nächste Equipment-Generation sind deshalb strengstens geheim. Mit einer braunen Folie verhüllen Bob-Chef Oliver Gillich und seine Kollegen einen Schlitten, an dem sie eben noch gearbeitet haben. "Das ist der nächste Prototyp für die Winterspiele in Peking 2022", verrät er. "Wir bauen also jetzt die Olympia-Flotte und damit die Konkurrenz nicht sieht, was wir Geheimes tüfteln, müssen wir das Gerät schützen", sagt Gillich weiter.

Bislang liefert das FES zuverlässig die Gerätschaften, die die Sportler zu Medaillen tragen. Der Berliner Kanute Ronald Rauhe war mit Booten von FES schon mehrfach bei Olympischen Spielen siegreich, die Potsdamerin Franziska Weber fuhr im FES-Kanu ebenfalls zu Olympischen Medaillen. Und auch bei Winterspielen ist Deutschland mit dem Material aus Berlin äußerst erfolgreich. Das deutsche Bob-Team ist das wohl dominanteste der jüngeren Geschichte. Nicht nur die Berlinerin Mariama Jamanka konnte nach Fahrten im FES-Schlitten jubeln - zum Beispiel 2018 in Pyeongchang, als sie im Zweierbob die Olympische Goldmedaille gewann.

An diese Erfolge wollen sie im FES anknüpfen und ihre Geräte weiter verbessern. Wenn eine Athletin oder ein Athlet am Ende oben auf dem Siegertreppchen steht, freut man sich auch im Institut in Oberschöneweide. Auch wenn von ihnen meist kühle Präzision und Perfektion erwartet wird.

Sendung: Abendschau, 24.01.2021, 19:30 Uhr

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