Die Olympischen Ringe am Olympiastadion in Berlin (Quelle: imago images/tagesspiegel)
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Olympiastützpunkte in Berlin und Brandenburg - Zwischen verlorenen Talenten und digitalem Entwicklungsschub

Die Verschiebung der Olympischen Spiele 2020 wirbelte die Leben vieler Spitzensportler durcheinander. Doch wie nachhaltig ist der entstandene Schaden? Fest steht: Die Krise hat auch eine positive Entwicklung angeschoben.

Geht es nach dem olympischen Gedanken "Dabei sein ist alles", war das Jahr 2020 auch in dieser Hinsicht ein Fiasko. Dass die Spiele von Tokio aufgrund der Corona-Pandemie nicht wie geplant zwischen Ende Juli und Anfang August stattfinden konnten, brachte neben enttäuschter Vorfreude so einiges durcheinander.

Schließlich sind Sportler zumeist alles andere als Improvisateure, sondern fast schon Sklaven von Trainings- und Karriereplänen. So sagt etwa Harry Bähr, Leiter des Berliner Olympiastützpunktes: "Es gibt natürlich ältere Sportler, für die 2020 das Karriereende darstellen sollte und die jetzt ernsthaft darüber nachdenken mussten: Schaffe ich das noch ein Jahr länger? Passt das körperlich und mit meiner beruflichen Planung?"

Eine Chance in der Krise

Und auch im Nachwuchsbereich hat das Corona-Jahr 2020 Wirkung gezeigt. "Da hat man vielleicht auch das ein oder andere Talent verloren, das vielleicht ein, zwei Jahre später den großen Durchbruch gehabt hätte", so Bähr.

Dabei sind die Rahmenbedingungen im vergangenen Jahr zum Teil sogar verbessert worden. Jeder Krise wohnt bekanntlich eine Chance inne. So auch im Sport. Die Digitalisierung sei vorangebracht worden, sagt Wilfried Lausch, Leiter des Olympiastützpunktes Brandenburg. Man habe die Möglichkeit genutzt, "ein paar Dinge neu und anders zu organisieren."

Die Partner bleiben an Bord

Sein Amtskollege Harry Bähr spricht sogar von einem "Entwicklungsschub", insbesondere in den Studiengängen, die viele Athleten nebenbei belegen: "Uns haben Sportler und Sportlerinnen berichtet, dass sie mehr geschafft haben als normalerweise. Weil sie sich einfach direkt in die Vorlesung einklinken konnten oder die Kommunikation mit den Professoren direkter möglich war."

Auch ansonsten können Bähr und Lausch positivere Dinge vermelden, als nach einem Jahr im Würgegriff der Pandemie womöglich anzunehmen wäre. Die Unterstützung durch Politik und Partner funktioniere, so der Tenor. So konnten die Kader-Athleten seit März wieder in den Trainingsbetrieb. Was "insbesondere deswegen wichtig war, weil die Spiele noch gar nicht verschoben waren", so Bähr.

Fehlende Vergleiche als größtes Problem

Zudem sei die finanzielle Situation dank Bund und Länder stabil. Die Trainer und Mitarbeiter konnten weiterhin bezahlt und auch die Athleten fortlaufend gefördert werden. Auch weil die Sponsoren "an unserer Seite geblieben sind", so Bähr. Insbesondere die großen Partner hätten "überhaupt keine Abstriche gemacht." Das Land Brandenburg, so Wilfried Lausch, habe in seiner Förderung sogar nochmals Geld "drauf gepackt".

Während in der Förderung Planungssicherheit besteht, bleibt diese im Sport zwangsläufig aus. Wer sich wann und wie für die nun in diesem Jahr stattfindenden Spiele qualifiziert ist größtenteils noch vollkommen offen. So sagt Harry Bähr: "Wir haben bei uns vielleicht 10 bis 20 Prozent der Sportler, bei denen wir sagen können, da ist die Qualifikation relativ sicher. Aber ein Großteil hofft jetzt auf Weltcups und andere internationale Formate, um irgendwie die Qualifikation sicher zu machen." Ein weiteres Problem: "Wir wissen relativ schlecht, wo wir international stehen, weil einfach die Vergleiche fehlen. Die Ergebnisse fehlen uns als Orientierungsgröße."

Optimistisch für die Region

Das Wichtigste jedoch, so Bähr und Lausch unisono, sei, dass die Spiele nun mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit stattfinden würden. Denn die Athleten und Trainer bräuchten ein klares Ziel, einen Punkt, auf den das alles hinausläuft. Der Rest käme dann schon ganz von allein. Oder wie es Harry Bähr sagt: "Als Region werden wir eine gute Rolle spielen, da bin ich mir relativ sicher. Weil wir so breit aufgestellt sind, auch über die Sportarten, dass da so viel Potential ist, dass wir auch optimistisch nach vorne gucken können."

Nur dabei sein ist eben vielleicht doch nicht alles.

Sendung: rbb UM6, 08.01.2020, 18:15 Uhr

Beitrag von Ilja Behnisch und Friedrich Rößler

1 Kommentar

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  1. 1.

    Dazu möchte ich doch mal fragen:
    Welche Chancen soll Digitalisierung im Sport bieten?

    Fußball auf der Playstation statt auf dem Platz?
    42 km alleine laufen und per GPS an einem virtuellen Event teilnehmen, statt beim Berlin Marathon jubeln über den Erfolg?

    Trainer durchs elektronische Guckloch?

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