15.01.2021, Berlin: Fußball: Bundesliga, 1. FC Union Berlin - Bayer Leverkusen, 16. Spieltag, Stadion An der Alten Försterei. Unions Trainer Urs Fischer (l) und Christopher Lenz (4.v.l) halten Nadiem Amiri (2.v.l) von Bayer Leverkusen am Arm.
Bild: dpa-Pool

Rassismus-Vorwurf - Leverkusens Amiri soll bei Union-Spiel beleidigt worden sein

Der Bundesliga-Sieg des 1. FC Union gegen Bayer Leverkusen (1:0) am Freitagabend hatte offenbar ein hässliches Nachspiel. Der Leverkusener Nadiem Amiri soll seinem Teamkollegen Jonathan Tah zufolge rassistisch beleidigt worden sein.

Im Interview mit der ARD berichtete Tah sichtlich aufgebracht, sein Mitspieler Nadiem Amiri sei als "Scheiß-Afghane" beleidigt worden. Der deutsche Fußball-Nationalspieler Amiri war kurz vor Spielende in eine hitzige Diskussion mit diversen Gegenspielern verwickelt und redete anschließend wütend auf Schiedsrichter Florian Badstübner ein. Dafür hatte er die gelbe Karte gesehen. In einem Handgemenge nach dem Spiel richtete sich seine Wut sehr offensichtlich gegen Unions Verteidiger Florian Hübner.

Amiris Bruder beschuldigt Unions Florian Hübner

Der Vorwurf konnte nach Abpfiff nicht restlos aufgeklärt werden. Unklar blieb, wer Amiri beleidigt haben soll. Auf seinem Instagram-Account teilte der deutsche Nationalspieler einen Text seines Bruders Nauwid, der Florian Hübner beschuldigt: "Zu meinem Bruder in einem Bundesligaspiel "Scheiss-Afghane" zu sagen und damit unsere Herkunft anzugreifen, ist das allerletzte." Nauwid Amiri erklärt weiter, er und sein Bruder seien in Deutschland geboren und aufgewachsen. An Hübner gerichtet schreibt er weiter: "Denkst Du, in die Kabine zu gehen und sich entschudigen zu wollen, reicht und damit ist alles vergessen?!!" Den Post hat Amiri inzwischen wieder gelöscht.

Jonathan Tah äußerte sich im Interview weiter, es sei sehr bitter, dass Amiri "wegen der Herkunft seiner Eltern" beleidigt worden sei. Auch Leverkusens Kerem Demirbay habe "etwas mitbekommen." Er wollte sich dazu aber nicht äußern. "Was auf dem Platz passiert, bleibt auf dem Platz."

Union-Trainer Urs Fischer hatte Amiri und einige seiner Spieler nach Abpfiff getrennt. Er habe nach eigenen Aussagen nichts mitbekommen, stellte aber klar: "Ich glaube, das müssen wir dann schon auch noch klären. Ich habe eben gehört, dass da Worte gefallen sind, die eigentlich nichts auf dem Fußballplatz zu suchen haben."

Rassistische Beleidigungen werden seit Jahren von Fußballverbänden verurteilt und können laut Statuten drakonische Strafen nach sich ziehen.

Sendung: Inforadio, 15.01.2021, 23:15 Uhr

24 Kommentare

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  1. 24.

    Es ist doch überhaupt nicht erwiesen das diese Äußerungen so überhaupt gefallen sind. Also erstmal abwarten und dann kann man ja immer noch den Moralapostel spielen, Fußball ist nun mal kein Ponyhof.
    Eisern

  2. 23.

    Wie hier rassistische Äußerungen von einigen verniedlicht werden ist wirklich erschreckend.
    Achso...... ich hatte vergessen dass es ja um den symphatischen Verein aus Köpenick geht.
    Scheint als sei einigen Spielern der momentane Erfolg etwas zu Kopf gestiegen.
    Feindbilder in der eigenen Stadt reichen euch wohl nicht mehr aus.
    Widerlich....

  3. 22.

    Florian Hübner ist in Wiesbaden geboren! Verwandelt er sich allein deshalb in einen bösen - rassistischen Ossi, nur weil er auf dem Territorium der (vor über 30 Jahren!) untergegangen DDR seinen Job macht?

  4. 21.

    ...Beleidigungen jeglicher Art sind unsportlich,- ob rassistisch oder persönlich. Wir sollten aber nicht vergessen, daß es hier um Profifussball geht und nicht um Kindergeburtstag mit Ponnyhof...

  5. 20.

    Was soll diese 30 Jahre alte Argumentation mit dem Begriff „Ostverein“.Der gehört ganz unten in die historische Mottenkiste !
    Und zu dem Spieler Hübner sei angemerkt: er ist der Sohn von Bruno Hübner (Manager Eintracht Frankfurt).Union ist der erste „Ostverein“,bei dem er spielt.
    Aufgewachsen und sozialisiert ist er bei sogenannten Westvereinen;geboren ist er in Wiesbaden....
    Also vor dem Pauschalisieren:bitte erstmal kundig machen und dann schreiben.
    Aber:wir sind solche unqualifizierten Ergüsse seit 30 Jahren gewohnt....

  6. 19.

    Zitat: "Jedes Wochenende kann man in den Interviews von unterlegenen Spielern (z.B.Weghorst/Tah) lesen wie schlecht doch Union spielt, sich nur hinten reinstellt und jegliches Fußball spielen verhindern will.
    Komisch bloß das genau diese Mannschaft die 2. beste Offensive hat."

    Darüber musste ich auch schmunzeln. Eine Aussage, glaube, von Weghorst war, dass Union ja nur Zweikämpfe will. Dabei ist es doch gerade der VfL Wolfsburg, der die meisten Zweikämpfe der Liga aufzuweisen hat. Und dass sich einzelne Spieler von Spitzenclubs darüber 'beschweren', wenn ein 'kleiner' Verein vor allem aus einer kompakten Defensive heraus spielt und nicht naiv drauflos stürmt und ins 'offene Messer' läuft, ist auch irgendwie ulkig.

  7. 18.

    Quatsch, Jürgen. Sie verwechseln wohl Spieler mit Anhang. Vor allem in den unteren Ligen, und da gebe ich Ihnen teilweise recht, haben einige Ostclubs einen durchaus zweifelhaften Anhang. Diesen gibts aber auch im Westen.

  8. 17.

    Leider treten rassistisch Beleidigungen im Fußball, sowohl auf als auch neben dem Platz, immer wieder vor. Speziell im Fall Union kommt aber noch hinzu, dass es traditionell bei einem Teil der Anhänger eine aus meiner Sicht sehr unangenehme Mischung aus Ostalgie und rechtem Spießertum gibt, die sich besonders in Ausgrenzung und rassistischen Ansichten niederschlägt.
    Schön wäre es, wenn der Verein nicht nur sportlich, sondern vom Gesamtauftritt her in die Spitzenklasse des deutschen Fußballs aufsteigen würde. Mir unvergessen ist leider auch der rücksichts- und verantwortungslose Versuch der Vereinsführung, Heimspiele im vollen Stadion durchführen zu wollen, obwohl alle anderen Bundesligavereine sich bereits den notwendigen Maßnahmen zur Pandemieeindämmung unterworfen hatten.

  9. 15.

    Hallo,

    Als erstes möchte sagen das solche Beleidigungen bestraft gehören.
    Was mich aber an all diesen Diskussionen stört ist die einseitige Betrachtung und damit meine ich jede Seiten für sich.
    Fast niemand lässt sich ohne Grund zu solch einer sinnlosen Aussage hinreißen.
    Daher finde ich man sollte auch mal schauen was vorher für Aussagen und wahrscheinlich Beleidigungen gefallen sind.
    Mir persönlich werden die völlig blöden rassistischen Beleidigungen zu sehr in den Vordergrund gestellt.
    Beleidigungen egal mit welchem Inhalt sind zu bestrafen!
    Jedes Wochenende kann man in den Interviews von unterlegenen Spielern (z.B.Weghorst/Tah) lesen wie schlecht doch Union spielt, sich nur hinten reinstellt und jegliches Fußball spielen verhindern will.
    Komisch bloß das genau diese Mannschaft die 2. beste Offensive hat.

    Also bevor wir hier nur Einen(zurecht) an den Pranger stellen, Bitte erst das gesamte Geschehen betrachten.
    Und dann kann man über die nötigen Bestrafungen sprechen.

  10. 14.

    Wie lange hat Union Köpenick noch Welpen-
    Schutz? Dieser Rassismus ist zum K.
    Oder ist es Arroganz?

  11. 13.

    Beleidigung oder rassistische äußerungen legitimieren in keinem Fall unangemessenes Verhalten. Denn wenn das so sein sollte, wäre damit die Selbstjustiz in dieser Demokratie wieder eingeführt.
    Bei Fußballspielern, die als öffentlichkeitswirksame Vorbilder funktionieren, muss das Vorleben der Werte der Demokratie mindestens an zweiter Stelle (höchstens hinter ihrem Fußballverpflichtungen) stehen. Solches Verhalten, unangemessenes mit unangemessenem zu rechtfdrtigen, sollte zum Ausschluss vom Spielbetrieb führen.
    Sehr peinliche Angelegenheit für alle Beteiligten und ein weiteres Schandmal für den inzwischen unrühmlichen Fußball und seine Spieler und Funktionären.

  12. 12.

    Es ist bekannt, dass gerade von Spielern aus
    Ostvereinen unangemessene Reaktionen
    vorkommen. Kein Pardon dafür.

  13. 11.

    Liebes Team von rbb24,

    zu seriöser und notwendiger Berichterstattung über in den Raum gestellte Vorwürfe gehört mE auch die heute über die Website von Bayer Leverkusen veröffentlichte Stellungnahme, in der noch von "persönlichen Beleidigungen" gesprochen wird.

    Ich rate in all diesen Fällen, sehr zurückhaltend zu berichten, insbesondere wenn sich die möglichen Beteiligten zur Sache noch nicht geäußert haben.

  14. 10.

    Ich glaube es ja nicht. Sie bagatellisieren den Vorfall mit der Begründung es so üblich in unserem Land????

    Das ist wirklich das Letzte!!

    Bei Union ist also immer alles richtig und wer was anderes sagt ist Neider. Die Selbstverherrlichung kennt keine Grenzen.

  15. 9.

    Keiner der Kommentatoren war dabei.
    Gibt es doch in jedem Job diese Beleidigung. Aber nicht alles ist Rassismus. Ich würde auch diese Woche als "scheiß Deutscher" betitelt weil ich Öffi einen Mitbürger bat eine Maske aufzusetzen. Also schön, wie sagt man, den Ball flach halten.

  16. 7.

    Auweia - was ein hilfloses Statment ist das denn bitte...
    Ob 1., 2., 3. oder auch 11. Liga - blöde Anmache bzgl. der Herkunft ist zu verurteilen! Punkt!
    Das denkt sich keiner aus, weil U. grade gut dasteht.
    Aufklärung hilft da sehr!

    Das bei Union auch mehr als diskutable Gestalten ihr Unwesen treiben, ist lange bekannt und nix Neues - warum nicht auch auf dem Spielfeld?

    Dieses völlig übertriebene Heroisieren dort in Wuhlistan nervt nur noch...

  17. 6.

    Ein schönes Druckmittel, diese Aussage zu tätigen. Es gibt Menschen, auch in dieser Community, die den sportlichen Erfolg der Unioner an der Bohne nicht gönnen und es gibt Sportler, die nicht verlieren können., schlimm....

  18. 5.

    Was auch immer vorgefallen sein mag solche Sprüche sind das letzte.
    Klärt das auf!
    Eisern Union
    Geiles Team

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