Basketball-Bundestrainer Henrik Rödl (imago images/Matthias Stickel)
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Interview | Basketball-Bundestrainer Henrik Rödl - "Wir sind sicherlich nicht der Favorit"

Vor den anstehenden EM-Qualifikationsspielen ist der Ex-Alb-Spieler und heutige Bundestrainer Henrik Rödl zum Experimentieren gezwungen. Im Interview sagt er, warum darin auch eine Chance besteht und für wie wahrscheinlich er eine Olympia-Teilnahme hält.

rbb|24: Henrik Rödl, für die Spiele in der EM-Qualifikation gegen Großbritannien (20. Februar) und Montenegro (22. Februar) ging es bereits Anfang der Woche nach Podgorica (Montenegro), wo die Spiele stattfinden. In Zeiten der Corona-Pandemie muss man zunächst ja immer erstmal fragen: Wie verlief die Anreise?

Henrik Rödl: Wir sind gechartert. Das ist ungewöhnlich und teuer, aber der Situation auch angemessen. Ebenso wie die Corona-Tests. Wir alle wurden am Montagvormittag getestet, erst dann sind wir gemeinsam in den Flieger. Nach der Ankunft sind wir im Hotel sofort nochmal getestet worden.

Was kann man sich unter der "Blase" vorstellen, in der sich die Mannschaft seither befindet?

Wir dürfen nicht raus aus dem Hotel. Wir gehen natürlich zum Training und in die Halle. Aber die Spieler sind das mittlerweile gewöhnt.

Kommen wir zum Sportlichen. Es fehlen die NBA-Stars wie Dennis Schröder oder Daniel Theis. Ebenso die Spieler von Alba Berlin und Bayern München, die in der Euroleague gefordert sind.

Mit Justus Hollatz (19, Hamburg Towers, Anm. d. Red.) haben wir ein ganz junges Küken dabei. Er steht vor seinem Debüt. Ansonsten haben wir eine gemischte Altersstruktur im Kader. Wir sind hier mit zwölf Spielern hingefahren, auch um zu vermeiden, dass man zu viele Leute aus ihren Klubs rausnimmt. Aber ich finde, angesichts dessen, was im Augenblick möglich ist, ist das die beste Mannschaft, die man zusammenstellen kann.

Wie steht es denn um den Kontakt zu den NBA-Spielern? Will zum Beispiel Dennis Schröder nach Tokio zu den Olympischen Spielen?

Wir sind im Austausch und sie wissen ja auch, was stattfindet im Sommer. Das sind ja auch Spieler, die schon lange bei uns sind und von denen man erwartet, dass sie große Lust haben, im Sommer dabei zu sein. Dennis hat das ja auch mehrfach erwähnt. Es gibt immer ein paar Probleme mit dem Terminkalender der NBA. Da muss man sehen, ob der eine oder andere in der Lage ist, zu kommen. Weil sich das ja leicht überschneidet, die Olympia-Quali und der NBA-Terminkalender (die NBA-Playoffs finden Ende Juni, Anfang Juli statt, Anm. d. Red.). Aber das sind natürlich alles Sachen, die in nächster Zeit besprochen werden.

Sind denn die beiden anstehenden Spiele eine Art Scouting für das Olympia-Qualifikationsturnier?

Es gibt eine gemischte Zielsetzung. Als Ausrichter der Europameisterschaft 2022 sind wir für dieses Turnier ohnehin qualifiziert. Mit der Qualifikation für die Weltmeisterschaft, die im November beginnt, ändert sich das. Da muss man natürlich schon jetzt daran arbeiten, einen Kern zusammenzubauen, der dann auch weiß, wie man miteinander spielt, um dann auch zu gewinnen. Das ist der eine Aspekt.

Und der andere?

Wir wollen uns in der jetzigen Situation trotzdem sehr gut präsentieren. Wir haben zwei Spiele, die sehr schwierig sind, die man aber auch gewinnen kann. Und natürlich werden wir versuchen, das auch zu schaffen. Wir wollen dabei aber dennoch versuchen, dem einen oder anderen Jugendspieler eine Chance auf ein internationales Spiel zu geben.

Gegen die jetzigen Gegner Großbritannien und Montenegro gab es zuletzt zwei Niederlagen. Geht es also auch um eine Ehrenrettung?

Wir wollen beide Spiele unbedingt gewinnen. Ich denke, dass beide Mannschaften Spieler haben, die auf einem ähnlichen Niveau sind wie unsere. Dementsprechend waren beide Hinspiele auch sehr, sehr knapp. Und wir erwarten eigentlich auch, dass die beiden Spiele jetzt sehr knapp werden.

Helfen diese Partien auch in Hinblick auf die Olympia-Qualifikation?

Das nur bedingt, weil viele Leistungsträger fehlen. Den einen oder anderen taktischen Kniff, den man sich vielleicht für den Sommer überlegt, kann man jetzt ein bisschen ausprobieren. Auch wenn es immer schwierig ist, Sachen zu testen, wenn das Personal anders ist. Von daher: So viel Aussagekraft für den Sommer haben diese Spiele nicht.

Welche Chancen rechnen Sie sich für die Olympia-Qualifikation, die Ende Juni in Split stattfinden soll, aus?

Es wird sehr, sehr schwierig und wir sind sicherlich nicht der Favorit. Mit Mannschaften wie Russland, Brasilien und Mexiko sind wir in einer starken Gruppe, aus der ja dann nur eine Mannschaft zu den Olympischen Spielen geht. Das wird sehr schwer, aber es ist nicht unmöglich. Wir werden alles dafür tun, uns diesen Traum eines jeden Athleten zu erfüllen.

Das Interview ist eine leicht redigierte Fassung einer Aufzeichung für das Radio. Das Gespräch führte Astrid Kretschmer.

Sendung: rbb24, 19.02.2021, 22 Uhr

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