Moderatorin Gaby Papenburg auf einer Gala (Archiv). Quelle: imago images/Future Image
Video: Abendschau | 27.02.2021 | Torsten Michels | Bild: imago images/Future Image

Kandidatur zur Präsidentin - Moderatorin Gaby Papenburg will mit neuer Agenda an die Spitze des BFV

Einst wurde sie als erste weibliche Moderatorin einer reinen Fußballsendung bekannt, jetzt kandidiert Gaby Papenburg für das Amt der Präsidentin beim Berliner Fußball-Verband. Sie will den langjährigen Amtsinhaber Bernd Schultz ablösen und den Verband neu strukturieren.

Es war eine Nachricht, die den Berliner Fußball-Verband doch einigermaßen überraschend erreichte: Ende Januar teilte die Fernsehmoderatorin Gaby Papenburg mit, bei der nächsten Präsidentenwahl des BFV zu kandidieren. Sie tritt gegen den bisherigen Amtsinhaber Bernd Schultz an, der den BFV schon seit 2004 leitet und bereits signalisiert hat, dies auch weiterhin tun zu wollen.

Unterstützt wird Papenburg, die einst bei Sat.1 als erste Frau eine reine Fußballsendung moderierte, von den schärfsten Kritikern von Bernd Schultz im BFV. Gemeinsam wollen sie den Berliner Fußball-Verband neu strukturieren. Gewählt wird auf dem Verbandstag im Juni.

"Ein Freund von Veränderungen"

"Ich habe Lust auf das Amt und Spaß an Gestaltung", sagt Gaby Papenburg mit einem breiten Lächeln rund einen Monat nach der Bekanngabe ihre Kandidatur. Auch den Hauptgrund für ihre Entscheidung nennt sie schnell. "Ich bin vor allen Dingen ein Freund von Veränderungen", sagt die 60-Jährige Berlinerin bestimmt. Neben ihrer Tätigkeit als Moderatorin arbeitete Papenburg zuletzt als Businesscoach in den Bereichen Medien, Marketing und Außendarstellung. Außerdem sitzt sie seit einiger Zeit im Aufsichtsrat des Handball-Bundesligisten THW Kiel.

Ihr Interesse für das höchste Amt beim Berliner Fußball-Verband sei während ihrer Tätigkeit in der AG Zukunft "Future BFV" geweckt worden. "Dort wird sich mit den Verbandsstrukturen auseinandergesetzt", beschreibt Papenburg die Inhalte der AG. "Da habe ich ganz viel von den Wünschen der Vereine nach Veränderung mitbekommen", sagt sie. Schließlich sei sie mit Bernd Fiedler, dem 1. Vorsitzenden des SFC Stern 1900, und Gerd Thomas, dem 1. Vorsitzenden des FC Internationale, in Kontakt gekommen, die sie nun zur Kandidatur bewegt hätten. Nach anfänglichen Zweifeln habe sie zugestimmt.

Fiedler und Thomas Teil von Papenburgs Kompetenzteam

Fiedler und Thomas, die Teil von Papenburgs Team bei der Kandidatur sind, gehören schon einige Jahre zu den schärfsten Kritikern von Amtsinhaber Bernd Schultz. Beide bemängeln, dass sich die BFV-Spitze unter Schultz immer mehr von der Basis und den Amateurklubs entfernt habe. Auch in der Corona-Pandemie fehle es an Unterstützung für die kleinen Vereine in der Hauptstadt. "Beide haben schon in den vergangenen Jahren sehr viel Opposition betrieben", bestätigt auch Papenburg. Viele Anträge, gerade des SFC Stern 1900, seien aber immer wieder "zwischen Geschäftsführung und Präsidium verpufft". Das will Papenburg gemeinsam mit ihrem Kompetenz-Team nun ändern.

Die Berlinerin möchte in den nächsten Monaten auf die Klubs des mehr als 170.000 Mitglieder großen Verbandes zugehen und "die Vereine mitnehmen". Ihre Chancen bei der Wahl kann sie selbst nur schwer einschätzen. Der Wille nach Veränderung sei ihr aber schon mehrfach und von vielen Seiten entegegengebracht worden. Insbesondere kleine Vereine, die bislang nicht allzu aktiv im BFV waren, möchte Papenburg erreichen.

"Das größte Problem ist die Kommunikation. Viele Vereine klagen darüber, dass sie nicht informiert werden und nicht mit ihnen gesprochen wird", sagt Papenburg über die für sie größte Baustelle innerhalb des BFV. Viele Entscheidungen der Verbandsführung würden die Klubs erst aus der Presse erfahren. Ob die Umsetzung überhaupt praktikabel sei, würde nicht beachtet werden. Ein weiterer wichtiger Punkt auf der Agenda von Gaby Papenburg, die in den nächsten Wochen noch präzisiert werden soll, ist die Wiederaufnahme des Spielbetriebs während und nach der Corona-Pandemie. Dabei müssten verschiedene Lösungswege erarbeitet werden.

Schultz gibt sich gelassen

Amtsinhaber Bernd Schultz nimmt es gelassen, dass es seit längerer Zeit mal wieder zu einem Duell bei der Wahl zum Präsidenten kommt - zuletzt war Schultz ohne Gegenkandidaten angetreten. "Das ist in demokratischen Gremien doch völlig legitim, dass man sich um Ämter bewirbt. Ich stelle mich diesem Wettbewerb", sagt Schultz, der zuletzt bei der Wahl zum neuen Präsidenten des Nordostdeutschen Fußballverbands scheiterte. Papenburgs Vorwürfe, die Vereine hätten Präsidiums-Entscheidungen in der Vergangenheit teilweise nur aus den Medien erfahren, weist Schultz zurück. "Ich weiß nicht, woher Frau Papenburg ihre Erkentnisse hat", sagt der 63-Jährige. Die Kommunikation mit den Vereinen sei nicht nur im Moment während der Pandemie sehr intensiv.

Es wird schon jetzt deutlich: Obwohl der Wahlkampf erst am Anfang steht und die Wahl zum BFV-Präsidenten erst in einigen Monaten stattfindet, hat der Verband in diesem Jahr zwei Kandidaten zur Wahl, die deutliche Meinungsverschiedenheiten haben und aus unterschiedlichen Lagern kommen. Ob Gaby Papenburg Bernd Schultz nach 17 Jahren im Amt wirklich ablösen wird, entscheiden die BFV-Mitglieder am 26. Juni.

Sendung: rbbUM6, 27.02.21, 18:00 Uhr

3 Kommentare

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  1. 3.

    Was wissen Sie denn zu den Vorfällen um/zu Sascha K.?

    Bevor sie öffentlich spekulieren, sollte sie lieber einmal den persönlichen Austausch suchen. Eine Medaille hat immer zwei Seite.

    Aber vielleicht wollen Sie auch nur öffentlich schaden.

  2. 2.

    Die Schiedsrichter haben unter Herrn Schultz viel zu wenig Rückhalt erhalten. Er fiel ihnen sogar öffentlich bei deren Streik in den Rücken. Der Verband braucht Veränderungen und muss deutlich professioneller und digitaler werden.

  3. 1.

    Dass hier die Zeit für Veränderungen mehr als gekommen ist, wird doch an den Ereignissen um die Berufung von Sascha K. im April 2020 als Vizepräsident des BFV deutlich, viel Kraft Frau Papenburg!

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