Lukas Jakubczyk vor dem Sprint (Quelle: BEAUTIFUL SPORTS / Axel Kohring)
Bild: imago images / BEAUTIFUL SPORTS / Axel Kohring

Sprinter Lukas Jakubczyk - Aussortiert, aber nicht abgeschrieben

Sprinter Lukas Jakubczyk hat seinen Kaderstatus verloren. Bei einigen Wettkämpfen musste er deswegen aussetzen. Zu den Olympischen Spielen in Tokio will er trotzdem - und greift dafür von der Seite an. Von Lynn Kraemer

Die erste, vierte, fünfte oder achte Bahn? Lukas Jakubczyk hat die freie Wahl. Die Rudolf-Harbig-Halle haben er und seine Trainer ganz für sich. Der Berliner Sprinter muss alleine trainieren. Nicht nur wegen Corona, sondern auch, weil er nicht mehr Teil des deutschen Kaders ist.

Für den 35-Jährigen ist das keine neue Situation. Als er 2019 an der Qualifikation für die Weltmeisterschaften in Doha scheiterte, schied er aus dem Kader aus. Jetzt hat er vor allem mit bürokratischen Hürden zu kämpfen. Jakubczyk darf nur mit einer Ausnahmeregelung in der Halle trainieren, weil die Gesundheitsämter den Kaderstatus als Nachweis für professionellen Leistungssport ansehen. “Ich habe mich freiwillig, selbstständig für den Antidoping-Testpool angemeldet, weil das Voraussetzung ist, um überhaupt die Qualifikation für die Olympischen Spiele machen zu können", erklärt Jakubczyk weiter.

Letzte Chance im Sommer

Die Verschiebung der Olympischen Spiele bedeutet für den 35-Jährigen ein weiteres Jahr starke Belastung. Nicht nur körperlich, sondern auch psychisch, weil so viel ungewiss ist. Jakubczyk will sich in seiner Vorbereitung auf die Sommersaison konzentrieren und so die Qualifikation schaffen: "Die Wahrscheinlichkeiten sind nicht so groß wie zu meinen besten Zeiten, wo ich in Topform war. Aber sicherlich kann die Erfahrung helfen und ich werde mein Bestmögliches tun, um das Ganze positiv für mich zu realisieren." Die laufende Hallensaison hat der Sprinter ausfallen lassen, weil er ohne Starterlaubnis dastand. Dadurch verpasste er die Möglichkeit, Weltranglistenpunkte zu sammeln, die für die Olympiaqualifikation wichtig sind.

Doch Trainer Ralph Mouchbahani glaubt, dass sein Athlet es auch mit weniger Wettkampfmöglichkeiten schaffen kann: "Ich habe ein Problem: Ich bin ein unverbesserlicher Optimist. Insofern gehe ich immer davon aus, dass das, was ich tue, zum Ergebnis führen wird." Sonst würden sie nicht in der Halle stehen und trainieren.

Im Vergleich zu früher baut Lukas Jacubczyk in seinem Training längere Regenerationsphasen ein. Er höre auf seinen Körper. "Für einen Einzelstart 10,05 zu laufen, ist sehr weit weg. Das geht aber fast jedem deutschen Sprinter aktuell so", sagt Jacubczyk. Für die Staffel reicht voraussichtlich schon eine Zeit unter 10,30 Sekunden. Deswegen rechnet sich der 35-Jährige dort größere Chancen aus: "Da gilt sich dann Mann gegen Mann im direkten Vergleich zu messen und zu beweisen und die Bundestrainer zu überzeugen." Denn die haben ihm zu verstehen gegeben, dass sie weiter mit ihm rechnen.

Karriereende nach Olympia

Egal wie die nächsten Monate verlaufen werden, steht für Lukas Jakubczyk aber fest, dass er nach den Olympischen Spielen aufhört. “Rein vom Kopf her habe ich im letzten Jahr gemerkt, wie anstrengend das ist, wenn man auf der Warteschlange steht und nicht so richtig weiß, was die Zukunft bringt", sagt er. Auch für seine Freundin und seine Tochter sei das anstrengend gewesen. Für ihn ist es trotzdem wichtig, einen Schlussstrich zu ziehen. Am liebsten vor Publikum. Hauptsache ist aber, dass der Sprinter nicht kampflos aufgeben will.

Sendung: rbb UM6, 22.02.2021, 18 Uhr

Beitrag von Lynn Kraemer

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