Eisbären-Profi Leonhard Pföderl in einem DEL-Spiel. / imago images/Brauer-Fotoagentur
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Eisbären-Profi Leonard Pföderl - Ein Torjäger für die Geschichtsbücher

Die Eisbären Berlin kommen so richtig in Fahrt. Daran ändert auch die Niederlage gegen Wolfsburg nichts. Großen Anteil am Erfolg des Spitzenreiters der DEL-Gruppe Nord hat Leonhard Pföderl - und der Rekord-Mann macht offensive Ansagen. Von Johannes Mohren

Der Schuss in die Geschichtsbücher der Eisbären Berlin ist für Leonard Pföderl eine seiner leichtesten Übungen. Als der 27-jährige Stürmer vor knapp zwei Wochen in der Eissporthalle am Seilersee trifft, ist das Gehäuse der Iserlohner bereits leer. Sie haben ihren Goalie geopfert, um kurz vor Schluss mit einem Spieler mehr gegen ein 1:3 anzurennen. Ohne Erfolg. Stattdessen erzielt Pföderl das vierte Berliner Tor des Abends, aber noch viel wichtiger: Er jubelt im neunten Spiel in Folge - so oft, wie nie zuvor ein Spieler des Hauptstadt-Klubs.

Es sind historische Ausmaße, die Pföderl im Moment des Tors selbst an jenem Freitagabend im Sauerland noch gar nicht realisiert. "Ich habe das eigentlich gar nicht so richtig mitbekommen", erzählt der gebürtige Bad Tölzer in diesen Tagen am Rande eines Trainings mit nicht überhörbaren bayerischen Akzent und lacht. "Irgendwer hat's mir dann mal erzählt." Seitdem hat dieser Treffer, der eigentlich mal wie der unspektakuläre Deckel auf einem im Grunde bereits gewonnenen Spiel schien, neuen Wert bekommen. "Wenn man bei den Eisbären einen Rekord aufstellen kann, dann ist das etwas Besonderes. Ich weiß, wie viele gute Spieler hier waren."

Erste Heimniederlage im neunten Spiel

Gute Spieler, die Großes erreicht haben. Der letzte Titel liegt inzwischen jedoch bereits acht Jahre zurück. Es sind nicht nur Pföderls Tore, die momentan leise Hoffnungen wecken, dass diese Durststrecke enden könnte. Die Eisbären führen die Gruppe Nord der Deutschen Eishockey Liga mit 39 Punkten an. So souverän, dass auch eine Niederlage wie zuletzt gegen Wolfsburg daran nicht rüttelt. Es war das erste Mal überhaupt, dass die Berliner in dieser Saison zuhause nicht als Sieger vom Eis gingen - und das im neunten Spiel.

"Es schaut ganz gut aus. Wir spielen immer besser zusammen. Man hat über die letzten Wochen gemerkt, dass es immer bergauf geht", sagt Pföderl. Er gehört nach 18 Spieltagen zu einem Trio, das die Torschützenliste mit 13 Treffern anführt. Seine Serie hingegen ist inzwischen gerissen. In Spiel eins nach dem Rekord in Iserlohn blieb er ohne Tor - und damit, bevor er nach dem Eisbären- auch den DEL-Bestwert attackieren konnte. Den hält Jan Alston, der 1998/1999 für die Adler Mannheim in 13 Spielen nacheinander jubeln konnte.

Im ersten Anlauf ausgebremst

Alston und seine Mannheimer wurden damals am Ende der Saison Deutscher Meister. Und während Pföderl dem Tor-Rekord des Kanadiers (noch) erfolglos nacheiferte, soll das mit Blick auf den DEL-Titel anders laufen. Als der 27-Jährige im Frühjahr 2019 nach sieben Jahren bei den Nürnberg Ice Tigers in die deutsche Hauptstadt wechselte, hatte er - einer der Spieler, die mit der Silbermedaille bei den Olympischen Spielen Pyeongchang zu Eishockey-Helden geworden waren - auch reichlich andere Optionen. Er hätte woanders mehr verdienen können. Er hätte woanders größere Chancen auf schnelle Titel gehabt. Aber er wollte eben nach Berlin.

Und er machte von Anfang an keinen Hehl daraus, dass er von der Meisterschaft mit den Eisbären träumt und an sie glaubt. In seiner ersten Saison lief es dann schon gut. Die Eisbären meisterten einen großen Umbruch mit Pföderl und 13 weiteren Neuzugängen. Nach der Hauptrunde waren sie formstarker Vierter, als die Corona-Pandemie die Saison ausbremste und die Playoffs abgeblasen werden mussten. "Am Anfang war das schon ziemlich bitter, weil wir uns noch viel ausgerechnet hatten", sagt er - aber auch: "Man hat gemerkt: Es hilft nichts. Es konnte niemand was dafür. Deswegen war es nicht schnell vergessen, aber besser zu ertragen."

Warten auf die Top-Konkurrenz aus dem Süden

Es folgten neun Monate Pause. Wieder und wieder wurde der Saisonstart verschoben. Eine zähe Zeit. Doch die Eisbären, Pföderl und Trainer Serge Aubin wussten sie ganz offenbar zu nutzen. Sie waren bereit, als es wieder losging. Zunächst wollte es mit dem Siegen nur in heimischer Halle klappen, nun schlagen sie die Gegner egal auf welchem Eis. Jedoch mit einer großen Ungewissheit: In dieser speziellen Corona-Spielzeit, in der die Liga zunächst in Nord- und Süd-Gruppe geteilt ist, gab es geografisch bedingt noch keine Kräftemessen mit München und Mannheim - und damit den alljährlichen Topanwärtern auf die Meisterschaft.

Das weiß auch Pföderl. "Jetzt warten wir mal ab, bis wir gegen den Süden spielen dürfen. Das wird noch ganz interessant, weil da noch ein paar Teams dabei sind, die vielleicht doch stärker sind", sagt der 27-Jährige. Doch die Berliner gehen selbstbewusst in diese Duelle, die am 21. März mit einem Heimspiel gegen Augsburg starten (siehe Box). Dass sie das auch sein können, bestätigt der Blick in die detaillierteren Statistiken. Offensiv, defensiv, ja: Überall stehen Eisbären mit imposanten Zahlen ganz oben in den Rankings.

Meistertitel? "Haben gute Chance"

Da findet sich bekanntlich Pföderl selbst an der Spitze der Torjägerliste. Marcel Noebels - gemeinsam mit Lukas Reichel sein Partner in der offensiven Top-Reihe der Eisbären - ist mit 26 Punkten bester Scorer und auch mit 23 Vorlagen der Konkurrenz enteilt. Mit John Ramage, Jonas Müller und Frank Hördler stellen die Berliner in einer entscheidenden Statistik gleich die drei besten Verteidiger. Das Trio hat die besten Plus-Minus-Werte - sprich: Wenn sie auf dem Eis stehen, wurden in den ersten 18 Spielen deutlich mehr Tore erzielt (Plus) als kassiert (Minus). Und auch Goalie-Neuzugang Mathias Niederberger kann glänzen: Er hat den geringsten Gegentorschnitt, die meisten Spiele zu Null und muss sich bei der Fangquote nur von Tomas Pöpperle von den Penguins Bremerhaven denkbar knapp geschlagen geben.

Es sind Zahlen, die ebenso für individuelle Qualität wie für Teamstärke sprechen. Ob es da sogar mit der Meisterschaft klappen könnte? Es ist die Frage, bei der viele Sportler ausweichen würden. Vertrösten mit dem Verweis, dass die Saison noch lang sei. Pföderl tut das nicht. Im Gegenteil. "Wenn wir uns weiter so steigern, haben wir auf alle Fälle eine gute Chance. Auch wenn's nicht einfach wird", sagt er - und grinst breit bei dieser offensiven Ansage. Der Rekord-Torjäger hat spürbar Lust, weitere Seiten in den Geschichtsbüchern der Eisbären zu füllen.

Aktuelle Spiel-Ansetzungen im Überblick

Die Eisbären Berlin starten nach dem Abschluss der regionalen Gruppenphase in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) mit einem Heimspiel in die zweite Hauptrunde. Mit der Partie gegen die Augsburger Panther am 21. März in der Arena am Ostbahnhof (17 Uhr) beginnen die Spiele gegen die Vereine aus der Südhälfte der DEL.

An insgesamt 14 Spieltagen bestreiten die sieben Teams der Gruppe Nord je ein Heim- sowie ein Auswärtsspiel, ehe dann die Playoffs beginnen. Für diese sind die besten vier Teams beider Gruppen qualifiziert. Alle Partien ab dem am 20. April startenden Viertelfinale werden nach dem Modus "Best-of-three" ausgetragen.

Sendung: rbb UM6, 23.02.2021, 18:15 Uhr

Beitrag von Johannes Mohren

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