Ein Fußball liegt auf dem Rasen (Quelle: imago images/Eibner)
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Amateurfußball | Lockerungen gefordert - Die Sorge um den Nachwuchs

In die Klassenräume sollen die Schüler wieder zurück. Auf den Fußballplatz dürfen sie trotzdem nicht. So wie der gesamte Amateurfußball. Das bringt Verbände und Vereine gleichermaßen auf. Dabei gibt es auch gute Nachrichten. Von Ilja Behnisch

Während die Fußball-Bundesliga auf die Zielgerade ihrer Spielzeit einbiegt, deutsche Champions-League-Teilnahmer für "Heimspiele" nach Ungarn ausweichen und der FC Bayern sich in Katar zum Klubweltmeister krönen lässt, verharrt der Amateurfußball in Berlin und Brandenburg seit dem vergangenen Herbst in einer Schockstarre. Und löst damit fast schon ungewohnte Einigkeit aus.

Denn sowohl die Vereine als auch die Verbände teilen in Hinblick auf die avisierten Corona-Lockerungen denselben Unmut. Warum, so die Frage, stehen die Schulen vor der Rückkehr zum Regelbetrieb, während selbst der Fußball-Trainingsbetrieb der Kinder und Jugendlichen weiterhin verboten bleibt? So sagt etwa Thomas Loest, 1. Vorsitzender von Eintracht Mahlsdorf, im Gespräch mit rbb|24, es sei "schwer nachzuvollziehen, dass sie in der Klasse sitzen sollen, aber nicht im Freien Fußball spielen dürfen."

Kritik am Berliner Fußballverband

Und so fordert auch Bernd Schultz, Präsident des Berliner Fußball-Verbandes, gegenüber rbb|24 und in Richtung des Berliner Senats, "dass wir bei einer konstanten Zahl (gemeint ist der Inzidenzwert, Anm. d. Red.) unter 50 wenigstens den Trainingsbetrieb wieder zulassen. Wenigstens für die Kinder, wie bis zur Verschärfung des Lockdowns. (…) Insbesondere vor dem Hintergrund, dass die Kinder wieder in die Schule gehen." Und auch Wilfried Riemer, Spielausschussvorsitzender des Fußball-Landesverbandes Brandenburg, sagt gegenüber rbb|24, für ein anhaltendes Trainingsverbot bei Jugendlichen habe er angesichts der Schulöffnungen "überhaupt kein Verständnis."

Auf hinreichende Erklärungen seitens der Politik warteten sowohl Schultz als auch Riemer zuletzt vergeblich. Für den Vereinsvorsitzenden Thomas Loest setzt hier sein Hauptkritikpunkt am Verbandswesen an. Zwar sagt auch er, "die Entscheidungen der Politik, wer was machen darf und was nicht, sind sehr schwer nachzuvollziehen". Doch Loest bemängelt zugleich: "Der Berliner Fußballverband steht in keinem guten Licht da. Da wird viel zu wenig Druck gemacht auf die Politik. (…) Die agieren nicht, die reagieren nur."

Es gibt auch gute Nachrichten

Der Fußball, so Loest, habe vor allem auch eine gesellschaftliche Aufgabe, und: "Das, was wir eigentlich nicht wollen, dass die jungen Menschen vor dem Computer sitzen und nichts anderes mehr machen, das wird ja jetzt gefördert ohne Ende." Bernd Schultz pflichtet bei und ergänzt: "Ich glaube auch, dass der Bewegungsmangel für die Kinder und Jugendlichen ganz, ganz gefährlich ist." Und auch Wilfried Riemer fordert: "Zumindest im Kinderbereich muss man anfangen." Er argumentiert: "Wir haben ja jederzeit die Möglichkeit, wieder einen Schritt zurückzugehen. Wenn es wieder schlimmer wird, hat doch jeder Verständnis für Einschränkungen."

Doch es gibt auch gute Nachrichten und optimistische Szenarien. Das Hygienekonzept aus dem Herbst habe sich auch im Rückblick als äußerst gut erwiesen. Von einem Mitgliederschwund sei trotz der Spiel- und Trainingspause weder im Brandenburger noch im Berliner Fußball bisher etwas zu bemerken. Und auch wirtschaftlich ist die Krise bisher zu verkraften. So wie im Fall von Eintracht Mahlsdorf, wo Angestellte auf Teile ihres Gehalts verzichtet hätten und die Sponsoren weiter die Treue hielten. Die wohl beste Nachricht: Noch ist ein halbwegs geordneter, weiterer Saisonverlauf durchaus realistisch.

Verhaltener Optimismus

Drei bis vier Wochen Vorbereitungszeit bräuchten die Vereine für die Rückkehr in den Spielbetrieb. Darauf haben sich die Klubs und die Verbände vor allem aus medizinischer Sicht geeinigt. Sollte dieser Wiedereinstieg noch im März gelingen, ist es durchaus realistisch, zumindest noch eine komplette Halbserie zu absolvieren, ehe die Saison im Juni endet. Ein Modell, für dass sich die "überwiegende Mehrheit" der Vereine ausgesprochen habe, so Wilfried Riemer.

Acht Spieltage wären demnach noch zu absolvieren, inklusive Nachholspiele wäre das Programm so in maximal zehn Wochen zu bewältigen. "Stand heute und Stand der Infektionszahlen, die wir haben, bin ich eigentlich optimistisch", so Riemer. Für Berlin gilt ein ähnliches Gedankenkonstrukt, einzig für die Berlin-Liga muss laut Bernd Schultz eine eigenen Regelung gefunden werden. Hier soll womöglich an der ursprünglichen Planung von Hin- und Rückrunde festgehalten werden.

Thomas Loest von Eintracht Mahlsdorf, dem Tabellenführer in der Berlin-Liga, sagt: "Klar, wir hatten den Aufstieg als Ziel gehabt. Das ist unbefriedigend. Aber da stelle ich mich hinten an. Das ist eben so." Viel wichtiger sei die Lage der Kinder und Jugendlichen.

Aber da sind sich die Verbände und Vereine ja einig.

Sendung: rbb24, 19.02.2021, 16 Uhr

7 Kommentare

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  1. 7.

    Der Profi ist deswegen Profi, weil er seinen Job gegen Bezahlung macht. Bekommen Sie Geld für Ihr Hobby oder für Ihre Arbeit? Berufssport mit dem eigenen Hobby zu vergleichen ist unsinnig.

  2. 6.

    Leider kümmert es gerade EM Mahlsdorf nicht, wenn Trainer sich nicht an das hygienekonzept halten: Gruppen werden gemischt, Zweikämpfe im Trainingsspiel finden statt, es wird abgeklatscht und Eltern am Spielfeldrand geduldet. Da hat man als Eltern kein gutes Gefühl, sein Kind zum Training zu schicken. Leider.

  3. 5.

    Noch einmal: der Profisport ist isolier- und kontrollierbar. Der Amateursport schlichtweg nicht!
    Hetzen gegen die Profis aller Arten fördert nur die Spaltung...und den hier spürbaren finanziellen Neid.

  4. 4.

    Es betrifft alle Amateursportarten in allen Altersklassen und auch die Freizeitsportler bedanken dürfen wir uns alle bei unseren Politikern/innen bei Bund und Ländern. Hauptsache der Profisport darf seinen Sport ausüben und durch die ganze Welt Europa und Deutschland reisen dieses ist ganz wichtig da diese Sportler sonst verhungern könnten.

  5. 3.

    Natürlich können sie Paddeln gehen. Ist als Individualsport alleine erlaubt. Ich war selbst jetzt im Winter mehrere Male auf dem Wasser.

  6. 2.

    Nicht nur Fußball ist ein Teil der Gesellschaft, sondern jeglicher Sport in jeglicher Form. Gesundheitsfördernd, sozialisierend und psychischer Ausgleich sind besonders die Eigenschaften, die sämtlichen Sport auszeichnen. Mein völliges Unverständnis gilt dem seit November bestehenden Verbot in Brandenburg weder Präventionssport noch ambulanten Rehasport in einer Gruppe im Freien ausüben zu dürfen oder dass selbst der Rentner-Lauftreff nicht stattfinden darf! Ich denke, dass dies durchaus Starke Nebenwirkungen auf die physische und psychische Gesundheit hat. Mein großer Sohn war seit November nicht beim Fußball und seit März letztens Jahres auch nicht beim Schwimmtraining in der Halle... gut tut es ihm nicht.

  7. 1.

    Oh mein Gott. Als ob Fußball die wichtigste Sportart auf diesem Planeten ist. Hört auf zu heulen! Allen anderen Sportarten und somit auch den Vereinen geht es nicht anders.
    Ich selbst bin Kanusportler und darf seit November 2020 nicht mehr paddeln. Obwohl ich auf dem Wasser, in meinem Boot, zu 100% alleine wäre.
    Was allerdings noch viel weniger nachvollziehbar ist, sind die Sonderregelungen für die Profifußballer. "Heimspiel" in Ungarn; Clubweltmeisterschaft in Katar und nach der Rückkehr - KEINE Quarantäne - nix!?! Mit welchem Recht? Jeder Normalsterbliche muss für mindestens 10 Tage in Quarantäne, trotz Negativtest.
    Da stellt sich die Frage: Sind Profifußballer was Besonderes oder Besseres als alle anderen Sportler oder Menschen in Deutschland? Wo bleibt da die Gleichberechtigung?
    Meiner Meinung nach, hätte die Bundesregierung auch den Profifußball verbieten müssen und zwar vollständig.

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