Pal Dardai gestikulierend in der Coaching-Zone / IMAGO / Nordphoto
Audio: Inforadio | 27.02.2021 | Dennis Wiese | Bild: IMAGO / Nordphoto

Vor Auswärtsspiel in Wolfsburg - Hertha und das lange Hoffen auf die Wende

Seit acht Spielen wartet Hertha BSC auf einen Sieg. In Wolfsburg treffen die Berliner wieder auf einen erfolgshungrigen, formstarken Gegner. Trotzdem müssen Punkte her. Stürmer Cordoba könnte dabei helfen. Von Dennis Wiese

Das Personal

Trainer Pal Dardai muss sehr genau abwägen: Auf welche Spieler kann er im Abstiegskampf setzen? Matteo Guendouzi mag Herthas bester Fußballer sein, ein Dribbling im eigenen Strafraum verursachte aber ein bitteres Gegentor gegen Leipzig. Und Dodi Lukebakio hat seine Qualitäten als Torjäger (zumindest vor einer ganzen Weile) im Hertha-Trikot schon nachgewiesen. Doch der Belgier ist taktisch undiszipliniert, hebt hinten gerne mal eine Abseitsstellung auf oder zieht in die Mitte des Spielfeldes, anstatt auf dem Flügel Druck auf den Gegner auszuüben.

Gegen Leipzig hat Routinier Sami Khedira mit Ruhe, Übersicht und Spielintelligenz bewiesen, wie wichtig er für Hertha noch werden kann. In der Abwehr sammelten Lukas Klünter und Trainer-Sohn Marton Dardai Pluspunkte. Für Gefahr im Angriff könnte, nach vier Wochen Verletzungspause, wieder Jhon Cordoba sorgen.

Es fehlen: Dedryck Boyata (Fußverletzung) und Mathew Leckie (muskuläre Probleme). Javairo Dilrosun, Marvin Plattenhardt und Jordan Torunarigha sind nach ihren Verletzungspausen noch fraglich.

Die Form

Seit acht Bundesliga-Spielen warten die Blau-Weißen auf einen Sieg. Eine längere Durststrecke gab es zuletzt unter Trainer Jos Luhukay 2014. Damals waren es neun erfolglose Partien am Stück. Hertha kann sich noch so viele Schulterklopfer für ansprechende Leistungen abholen. Mit der aktuellen Punkteausbeute steigt man ab.

Ein Tor, eine Führung, Sicherheit. Das sind Dinge, die den kriselnden Profiköpfen helfen könnten. Dardai setzte in der Trainingswoche viel auf spielerische Elemente. Die Stürmer sollten, zumindest auf dem Schenckendorffplatz, mal wieder jubeln dürfen.

Einen klaren Plan für das Spiel in Wolfsburg (Samstag, 15:30 Uhr) hat Dardai seinen Kickern natürlich auf den Weg gegeben. Für den Trainer gilt aber: Nur nicht überfrachten, so Dardai bei der Pressekonferenz am Donnerstag: "Heute und morgen lasse ich die Jungs schon in Ruhe. Sie haben in den letzten vier Wochen so viele Informationen gekriegt, das ist vielleicht auch schwierig zu verarbeiten." Angst habe er vor dem Duell mit extrem starken Wolfsburgern aber nicht, sagt Dardai weiter: "Wolfsburg ist gut, aber wir steigern uns auch."

Der Gegner

Wolfsburg ist klar auf Champions-League-Kurs. Seit Mitte November halten sich die Niedersachsen dauerhaft im oberen Tabellendrittel auf, seit Mitte Januar ist der Lauf fast schon beängstigend: Aus den vorigen sechs Ligaspielen gab es fünf Siege und ein Unentschieden. In dieser Zeit kassierte Wolfsburg nicht ein Gegentor. Nur RB Leipzig hat insgesamt weniger Treffer kassiert.

Und vorne gehört Wout Weghorst zu den gefährlichsten Stürmern der Bundesliga (14 Saisontore). Herthas Abwehr sollte gewarnt sein vor dem Niederländer: 1,97 Meter und bislang vier Kopfballtreffer belegen eine weitere Qualität des Wolfsburger Angreifers.

Es läuft in der Autostadt. Hertha-Sportdirektor Arne Friedrich, der nach seiner Zeit als Hertha-Profi auch ein Jahr lang das Trikot der Wolfsburger trug, zeigt sich von der Arbeit des VfL angetan: "Die Mannschaft spielt zum großen Teil seit langer Zeit zusammen, das ist auch eine unserer Challenges. Das haben sie in Wolfsburg sehr gut gemacht. Man sieht eine klare Handschrift. Gute, ehrliche Arbeit wird belohnt", so Friedrich am Donnerstag.

Herthaner im Fokus

Neun Ligaspiele hat Hertha im neuen Jahr absolviert und dabei gerade einmal sechs Tore geschossen. Matheus Cunha, lange Zeit die blau-weiße Lebensversicherung im Angriff, wartet seit Ende November auf einen Treffer. Klar, dass die Rückkehr von Jhon Cordoba Hoffnungen weckt. Vier Wochen lang fehlte der Kolumbianer mit einem Muskelfaserriss. Seine Wucht im Sturmzentrum könnte Hertha helfen. Mit insgesamt fünf Toren in zwölf Spielen hat Cordoba die beste Torquote aller Berliner.

Schon vor seinem Muskelfaserriss fehlte der Sturm-Neuzugang im Herbst wochenlang verletzt. Ob Cordoba sofort eine Hilfe sein kann, muss er noch beweisen. Seit Dienstag steht er wieder auf dem Trainingsplatz. Von Cordoba in Topform zeigt sich Trainer Dardai jedenfalls überzeugt: "Er ist ein Krieger. Als ich damals Trainer war, saß ich schon mit ihm im Olympiastadion und wollte ihn zu Hertha holen. Damlas hatten wir nicht genug Geld", so Dardai. Nun hat Hertha Geld. Und Cordoba. Vielleicht sorgt der auf Anhieb auch wieder für Tore.

Besonderheiten

Nach 22 Saisonspielen hat der VfL Wolfsburg schon starke 42 Punkte geholt. Selbst als der Verein 2009 Deutscher Meister wurde, waren es zu diesem Zeitpunkt noch nicht so viele Zähler: 39 Punkte hatte Wolfsburg damals auf dem Konto, stand auf dem vierten Tabellenplatz. Ganz oben stand, Anfang März 2009, Hertha BSC. Mit aus heutiger Sicht fast unglaublichen 43 Punkten.

Sendung: Sport im Inforadio, 25.02.2021, 14:15 Uhr

Beitrag von Dennis Wiese

4 Kommentare

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  1. 4.

    Die Klatschen ist einkalkuliert, aber vielleicht gibt es ja mal Spielglück, denn viel mehr fehlte in den letzten Spielen nicht, dann wäre auch mal ein Ball ins Tor gegangen.
    Wichtig ist das Spiel eine Woche später.

  2. 3.

    Das Schöne am Fußball ist ja auch, dass man vorher nicht weiß, wie es ausgeht. Wer hatte beispielsweise vorab auf einen Auswärtspunkt der Arminia bei den Bayern getippt?!

    In Wolfsburg hat die Hertha eigentlich nichts zu verlieren. Die Chancen sind von der Papierform her so minimal, dass man im Prinzip schon wieder befreit aufspielen können müsste, getreu dem Motto "Ihr habt keine Chance, also nutzt sie!"
    Wichtiger ist ein Sieg im Spiel darauf daheim gegen Augsburg.

  3. 2.

    Ich sehe und höre schon die Kommentare vom BCC am Samstag so
    gegen 17:30 Uhr !
    „ Eine Niederlage , die Mut macht ! „

  4. 1.

    Da gibt´s die nächste Klatsche auf dem Weg nach Liga 2.

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