Niklas Stark von Hertha BSC (imago images/Robin Rudel)
Audio: inforadio | 18.02.2021 | Astrid Kretschmer | Bild: imago images/Robin Rudel

Herthas Niklas Stark vor dem Spiel gegen Leipzig - Im Zeichen der Schildkröte

Niklas Stark ist Interimskapitän von und vor allem Dauerbrenner bei Hertha BSC. Schließlich hat in dieser Saison niemand so viele Einsatzminuten vorzuweisen. Gegen Leipzig hofft er auf neues Glück - auch indem er sich ein Vorbild an seinem Lieblingstier nimmt. Von Ilja Behnisch

Die Schildkröte, sagte Niklas Stark einst, sei sein Lieblings- und ein "sehr gelassenes Tier". Das passt, denn gelassen wirkt der gebürtige Franke auch an diesem Mittwoch vor Journalisten. Vermutlich, weil das sein Naturell ist. Wohl aber auch, weil die Leistungen zuletzt stimmten beim Nun-wieder-Innenverteidiger.

Eine Position, auf der er sich "auch erstmal" sehe und von der er annehme, dass sie auch in den kommenden Spielen die seine ist, sagte der 25-Jährige am Mittwoch. Die Ausflüge ins defensive Mittelfeld unter Bruno Labbadia möchte Stark allerdings keinesfalls missen. Vielmehr wirbt er geradezu für den Perspektivwechsel, der sich dadurch ergebe. Es seien wichtige Minuten gewesen, um "auch mal den Blick für den Sechser zu haben. Um zu sehen, welche Bälle für einen Sechser auch schwer sein können, die man von der Innenverteidigung bekommen kann."

Auch mal "dazwischen hauen"

Einblicke dieser Art konnte Niklas Stark im Laufe der Saison reichlich sammeln, schließlich fehlte er überhaupt nur neun Minuten in dieser Saison. Kein Hertha-Profi kommt auf mehr Einsatzzeit. Auch wenn er sagt, dieser Umstand würde ihm nicht sonderlich viel bedeuten: "Ich hätte lieber ein paar Punkte mehr auf dem Konto."

Immerhin gab es am vergangenen Wochenende beim Spiel in Stuttgart den ersten Punktgewinn in der zweiten Amtszeit von Trainer Pal Dardai. Dass mit RB Leipzig nun nicht gerade ein Leichtgewicht auf die Hertha wartet, ficht Stark nicht an. Natürlich sei das "ein starker Gegner, aber warum sollen die Punkte nicht in Berlin bleiben", so Stark, der angesichts der zuletzt zumeist überzeugenden Leistungen findet: "Wir haben es verdient, auch mal Glück zu haben." Vor allem aber, so Stark, gehe es nun um Punkte - egal wie. "Am besten schön spielen, aber wenn es nicht geht, dann müssen wir auch mal dazwischenhauen."

Khedira ist eine "Respektsperson"

Um zu erkennen, was geht, setzen sie in Berlin neben Pal Dardai vor allem auch auf die Erfahrung von Weltmeister und Neuzugang Sami Khedira. Der "ist einfach eine Respektsperson, auf dessen Wort ich auf jeden Fall höre", so Stark. Und das ganz gleich, ob Khedira nun von der Ersatzbank aus oder auf dem Platz zu ihm spreche.

Gesprochen wurde vor nicht allzu langer Zeit auch viel über Niklas Stark. Nach dem 1:4 im Heimspiel gegen Werder Bremen hatte dieser im TV-Interview und direkt nach Spielschluss über die Zukunft von Bruno Labbadia gesagt: "Dazu möchte ich mich nicht äußern. Das ist nicht meine Entscheidung, nicht meine Sache." Er sei seinem Trainer damit in den Rücken gefallen, hieß es hernach. Für Stark auch heute noch unverständlich. "Ich weiß, was da geschrieben wurde", so Stark, der "relativ überrascht" davon gewesen sei. "Ich wollte mich aus der Sache raushalten und wenig sagen, und genau das wurde mir dann vorgehalten."

Dardai weiß "worauf es ankommt"

Bruno Labbadia, so sagt es Stark ein wenig später, habe in Berlin "gute Arbeit geleistet. Leider war es am Ende nicht mehr von Erfolg gekrönt." Ein Bedauern, das auch darin begründet liegen mag, dass Trainerwechsel generell "nicht einfach" seien. "Jeder Trainer möchte die Dinge anders gelöst wissen. Da muss man erstmal über mehrere Tage und Wochen herausfinden: Wie will der Trainer das überhaupt haben?"

Wie Trainer Pal Dardai die Dinge haben will, ist zum Glück noch recht bekannt rund um das Olympiastadion. So sagt auch Niklas Stark über seinen neuen, alten Chef: "Pal ist Pal. Ich glaube nicht, dass er sich viel geändert hat. Er ist ein Fußballer. Er weiß, wie es uns geht. Er weiß, was wir brauchen. Er weiß, worauf es ankommt."

Im Zeichen der Schildkröte

Offenbar auch bei Niklas Stark selbst. Über den Dardai unlängst in einer Presserunde sagt, dieser sei "zu ungeduldig." Der so Umschriebene muss lachen, als er mit der Aussage konfrontiert wird: "Ich glaube, ich weiß, was er meint. Manchmal ist es so, dass ich zu viel den Ballgewinn haben will. Das hat er mit schon gesagt, das sehe ich so wie er."

Kurzum: Gelassener solle er auf dem Spielfeld sein, dieser Niklas Stark. Für Dardai, der unlängst damit warb, "alle Tiere" zu kennen, schließlich wollte er einst Tierarzt werden, kann das eigentlich nur eines bedeuten: Stark wie eine Schildkröte behandeln.

Sendung: rbb24, 17.02.2021, 22 Uhr

1 Kommentar

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  1. 1.

    Na ja man braucht nicht drum herum reden, gegen Leipzig muss gewonnen werden und dass das möglich ist zeigen vor allem Mannschaften wie Bielefeld und dieses Niveau sollte man mindestens haben.

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