Christopher Trimmel vom 1. FC Union Berlin (imago images/O. Behrendt)
Audio: Inforadio | 17.02.2021 | Johannes Mohren | Bild: imago images/O. Behrendt

Union-Kapitän Christopher Trimmel - "Es fehlen nur Kleinigkeiten"

Die Mannschaft ist seit fünf Spieltagen sieglos, ihr Kapitän und Standardspezialist Christopher Trimmel seit neun Spielen ohne Torvorlage. Warum ihn das ebenso wenig beunruhigt wie der Abgang von Leistungsträgern und wieso er eine ganz spezielle Kampagne unterstützt.

rbb|24: Christopher Trimmel, Ihre Torvorlagen durch Eckbälle und Freistöße haben in der Vergangenheit für Furore gesorgt. Nun liegt die letzte Torvorlage allerdings bereits neun Spiele zurück. Ändern Sie jetzt etwas an Ihren Trainingsinhalten?

Christopher Trimmel: Nein. Wir waren ein paar Mal sehr knapp dran. Wichtig ist, dass wir die Möglichkeiten haben. Aber es gehören immer zwei dazu. Und ich glaube mittlerweile sind die Gegner auch so gut beim Verteidigen, dass man das auch akzeptieren muss.

Ihre Mannschaft ist nun seit fünf Spielen sieglos. Zuletzt gab es in den Duellen gegen den Tabellenletzten und -vorletzten insgesamt nur einen Punkt. Woran fehlt es im Moment?

Manchmal ist es ein wenig das Glück, das fehlt. Manchmal müssen wir uns ein wenig mehr konzentrieren. Es sind Kleinigkeiten und es ist nicht so, dass wir schlechte Spiele gemacht haben.

Ist die Mannschaft womöglich einfach etwas platt im Moment?

Ich glaube schon, dass es diese Phasen gibt. Die macht auch jede Mannschaft in der Liga durch. Bei einer Spitzenmannschaft sind das vielleicht nur ein, zwei Spiele. Aber ich glaube, dass das normal ist. Ich rede auch nicht von einem Durchhänger. Wir hatten jetzt einfach die Ergebnisse nicht. Von daher sind wir nicht beunruhigt, sondern wir wissen, dass wir einfach weiterarbeiten müssen und dann klappt es schon wieder mal mit einem Sieg.

Wie geht die Mannschaft mit der aktuellen Situation um?

Ruhig und sehr konzentriert. Aber natürlich ärgert das den ein oder anderen auch. Wenn du so Spiele hast wie gegen Schalke, mit vielen guten Tormöglichkeiten, und du machst die nicht rein - das ärgert einen. Das ist ja auch gut so. Aber wir wissen auch, dass wir vieles richtig gemacht haben. Und wie schon angesprochen, es fehlen nur Kleinigkeiten und auch die werden irgendwann wieder zurückkommen.

Am kommenden Samstag geht es nach Freiburg. Was für ein Spiel erwarten sie dort?

Das wird ein sehr hartes Spiel, wie immer in Freiburg. Da treffen zwei Mentalitätsmonster aufeinander. Man braucht nicht drüber reden, dass die Einstellung immer passt bei beiden Mannschaften. Und wer den besseren Tag hat, wird gewinnen. Es sind meistens sehr enge Spiele, zweikampfbetont. Mir speziell gefallen solche Spiele, das macht mir Spaß.

Die Erfolge des 1. FC Union wecken Begehrlichkeiten. Christopher Lenz etwa wechselt nach der Saison zu Eintracht Frankfurt. Trainer Urs Fischer bezeichnet das als eine "gute Visitenkarte" für den Klub.

Ich glaube, das ist normal im Fußball. Wenn du dich so präsentierst, wie es sehr viele Spieler bei uns tun, wirst Du automatisch interessant für andere Vereine. Ich bin der gleichen Meinung wie der Trainer, weil ich auch der Meinung bin, dass das ein Zeichen ist, dass wir sehr viel richtig machen. Und dann passiert sowas, das ist ganz normal. Auch Lenz’ Position werden wir in Zukunft wieder bestmöglich nachbesetzen. Natürlich wird das nicht einfach werden. Aber ich glaube, er wird trotzdem bis zum letzten Tag alles geben. Das ist das Wichtigste bei uns. Und das Gefühl habe ich auch intern. Das beunruhigt keinen, ich spüre auch bei keinem einzelnen Spieler, dass er mit dem Kopf schon irgendwo bei anderen Verhandlungen ist. Das ist mir als Kapitän das Wichtigste. Die Spieler sind alle bei Union mit dem Kopf.

Auch Sie haben Ihren im Sommer auslaufenden Vertrag bei Union noch nicht verlängert.

Ich kann nichts vermelden. Man spricht natürlich miteinander. Aber es gibt noch keine Entscheidung.

Entschieden und zu vermelden ist hingegen, dass Sie an einer Aktion des Fußballmagazins "11 Freunde" mitgewirkt haben. Unter dem Titel "Ihr könnt auf uns zählen" unterzeichneten Sie und rund 800 weitere aktive Fußballer und Fußballerinnen einen Aufruf, homosexuelle Fußballer und Fußballerinnen zu unterstützen, sollten diese sich outen.

Ich glaube, das Thema ist ähnlich wie das Thema Rassismus ganz, ganz wichtig. Um eben aufzuzeigen, dass homosexuelle Spieler die volle Unterstützung bekommen von uns. Es ist ein Thema, das nicht sehr häufig diskutiert wird. In erster Linie ist es unser Ziel, zu fördern, dass es ein Thema wird. Beim Rassismus-Thema hat sich sehr, sehr viel getan in den letzten Jahren. Ich glaube, das war ständig präsent, ständig Thema. Und wenn man über ein Thema diskutiert, hat man schon viel geschafft. Weil durchs Reden finden sich meistens Lösungen und Fortschritte. Und bei dem Thema ist es genau so. Deshalb ist es sehr wichtig für mich.

Das Interview ist eine leicht redigierte Fassung einer Aufzeichnung für das Inforadio. Das Gespräch führte Johannes Mohren.

Sendung: rbb UM6, 17.02.2021, 18 Uhr

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