Union vor dem Spiel in Mainz - "Direkter Kontrahent" mit 19 Punkten Rückstand

Zweikampf zwischen Unions Nico Schlotterbeck und dem Mainzer Karim Onisowo (Quelle: imago images/Nordphoto)
Audio: Inforadio | 05.02.2021 | Simon Wenzel | Bild: imago images/Nordphoto

Während bei Union Berlin auch nach drei sieglosen Spielen in Folge niemand in Panik verfällt, steht der nächste Gegner Mainz schon am Abgrund zur zweiten Liga. Trainer Urs Fischer warnt dennoch vor einem Konkurrenten im Abstiegskampf. Von Simon Wenzel

Das Personal

Torhüter Andreas Luthe hat seinen Zusammenprall im Spiel gegen Gladbach gut überstanden und dürfte deshalb wieder in der Startelf stehen. In der Abwehr muss Trainer Urs Fischer dagegen wohl erneut auf Christopher Lenz verzichten, er hat muskuläre Probleme. Fischer beschreibt einen Einsatz des Linksverteidigers als "unwahrscheinlich". Seine Position dürfte, wie schon im letzten Spiel, Niko Gießelmann einnehmen.

Auf der rechten Defensivseite kehrt Kapitän Christopher Trimmel nach abgesessener Gelbsperre zurück in die Startelf. Im Kader stehen könnte theoretisch auch der neue Stürmer Petar Musa. Seine Quarantäne läuft rechtzeitig, am Freitag, ab. Seit seinem Wechsel am Montag befindet sich der Kroate in einer sogenannten "Arbeitsquarantäne" - er bewegt sich also zwischen seinem Hotel und dem Trainingsplatz. Mit ihm und Joel Pohjanpalo, der bereits gegen Gladbach zu einem Kurzeinsatz kam, hat Trainer Urs Fischer plötzlich viele Optionen im Sturmzentrum.

Es fehlen: Max Kruse (Aufbautraining), Anthony Ujah (erneute Operation nach Knieverletzung), Sheraldo Becker, Grischa Prömel (beide "Entzündungen")

Die Form

Wenn man so will, ist Union in einer minimalen Ergebnis-Krise. Drei sieglose Spiele in Serie gab es zuvor erst einmal in dieser Saison. Wirklich ärgerlich war allerdings nur die Niederlage gegen Augsburg vor zwei Wochen. Beim Unentschieden gegen Gladbach präsentierte sich Union zuletzt schon wieder in gewohnter Manier und das trotz einiger personeller Ausfälle. Beeindruckend ist bei Union in dieser Saison ohnehin, dass die Mannschaft selbst nach 19 Spieltagen keine Formschwankungen zeigt.

Selbst Wochen mit schwächeren Resultaten waren bislang kaum auf deutlich schlechtere Spiele zurückzuführen. Sorgen muss sich vor der Partie gegen Mainz also keiner machen. Bei einem Sieg könnte Union schon mehr als 20 Punkte zwischen sich und einen direkten Abstiegsplatz bringen. Wie ernst die Eisernen weiterhin ihr Saisonziel Klassenerhalt nehmen zeigt sich darin, dass Trainer Urs Fischer dennoch vor allem von der Chance spricht, einen "direkten Kontrahenten" mit einem Unentschieden oder Sieg "auf Abstand halten" zu wollen.

Der Gegner

Mainz zeigte sich unter Bo Svensson zuletzt deutlich verbessert. Spätestens mit dem Sieg gegen Leipzig äußerte sich das auch im Ergebnis. Unions Trainer Urs Fischer hat vor dem Spiel eine "gefestigtere" Mainzer Mannschaft beobachtet und wies vor allem auf deren verbessertes Abwehrzentrum, das "nicht mehr so viel zugelassen" habe. Zudem warnte er vor dem Umschaltspiel der Rheinhessen. "Zum Schluss müssen wir einen Mix hinbekommen, ihre Schwächen ausnutzen und auch auf ihre Stärken schauen."

Der deutliche Hinspielerfolg - 4:0 gewann Union im Stadion An der Alten Försterei - interessiert Fischer dabei nicht mehr. "Eher kontraproduktiv" findet er die Betrachtung dieses Spiels, aufgrund der personellen Veränderungen und des Trainerwechsels bei Mainz seitdem. Beim Gegner könnte Winter-Neuzugang Robert Glatzel vor seinem Debüt stehen, genau wie bei Unions Petar Musa, soll auch seine Quarantäne rechtzeitig zum Spiel enden. Verzichten müssen die Mainzer dagegen auf Robin Quaison, der gegen Stuttgart mit einer Knieprellung ausgewechselt wurde und noch nicht wieder einsatzbereit ist.

Unioner im Fokus

Christopher Trimmel könnte nach seiner Rückkehr direkt eine Schlüsselrolle in der Offensive zukommen. Denn die Mainzer kassierten in dieser Saison bereits sieben Gegentore nach Flanken von ihrer linken Abwehrseite, also genau der, auf der Trimmel als Außenverteidiger aktiv ist. In Kombination mit Trimmels mittlerweile ligaweit bekannter Flanken-Stärke eine schöne Statistik für Union-Fans.

Passend dazu hat Christopher Trimmel fünf der letzten acht Union-Tore gegen Mainz vorbereitet. Zwei davon im Hinspiel - einmal durch eine Flanke aus dem laufenden Spiel, einmal per indirektem Freistoß. Es könnte sich also lohnen, auch an diesem Wochenende genau hinzuschauen, wenn Christopher Trimmel auf der rechten Seite zur Flanke ausholt.

Besonderheiten

Wo wir schon bei Fun Facts sind: Urs Fischer hat vier Mal mit Union gegen Mainz 05 in der Bundesliga gespielt und jedes Mal stand ein anderer Trainer beim Gegner an der Seitenlinie. Sandro Schwarz und Achim Beierlorzer in der Vorsaison, Jan-Moritz Lichte zu Beginn der aktuellen Spielzeit. Dieses Mal freut sich Fischer also auf sein erstes Treffen mit Bo Svensson.

Diese aus Union-Sicht unterhaltsame Statistik zeigt, wie turbulent die vergangenen Jahre bei Mainz 05 waren. Sicher auch ein Grund dafür, dass der ehemals grunsolide Klub nach fast zwölf Jahren ohne Unterbrechung in der ersten Liga vor dem zweiten Bundesliga-Abstieg seiner Vereinsgeschichte steht.

Sendung: Inforadio, 06.02.2021, 9.15 Uhr

Beitrag von Simon Wenzel

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