Spielpause seit vier Monaten - Regionalliga Nordost zwischen Streit und Hoffnung

Fußbälle liegen im Stadion der Freundschaft in Cottbus (Quelle: imago images/Fotostand)
Bild: imago images/Fotostand

Nach vier Monaten Zwangspause geht durch die Regionalliga Nordost ein tiefer Riss. Manche Vereine wollen spielen, andere nicht. Die Verantwortlichen schauen gespannt auf die nächste Kanzlerrunde am Mittwoch. Von Andreas Friebel

Als der Nordostdeutsche Fußballverband (NOFV) Anfang November den Spielbetrieb vorläufig einstellte, da glaubten die Klubs noch, dass es spätestens nach der Winterpause im Januar normal weitergehen würde. Doch die zweite Corona-Welle hat auch die Regionalliga heftiger durchgeschüttelt, als es erwartet wurde. Inzwischen gilt die Zwangspause seit vier Monaten. Ein Ende ist nicht abzusehen. Und so fordert nicht nur Rocco Teichmann, Sportdirektor bei Spitzenreiter Viktoria Berlin, einen konkreten Zeitplan. "Wir müssen zusehen, dass wir wieder in den Wettkampfmodus kommen."

"Es wird Zeit, dass wir mal aus den Pötten kommen."

Und auch aus Cottbus werden die Forderungen lauter, dass eine Perspektive für den Neustart her muss. Auch wenn die Lausitzer noch andere Probleme haben: Das neue Präsidium arbeitet noch am wirtschaftlichen Kassensturz der Vorgänger. Und seit Freitagabend befindet sich das Team komplett in Quarantäne. Ein Spieler ist an Corona erkrankt. "Wenn man langsam in die Pötte kommen will und noch die Hinrunde beenden möchte, dann muss vom NOFV mehr kommen, als nur einen Brief an die Politik zu schreiben", formuliert Trainer Dirk Lottner seine Kritik am Verband.

Der Nordostdeutsche Fußballverband (NOFV) hatte am 6. November ein Schreiben an die Landes-Sportminister in seinem Einzugsgebiet verschickt, mit der Bitte, dass Trainings- und Spielbetrieb wieder aufgenommen werden können. NOFV-Geschäftsführer Holger Fuchs teilte vergangene Woche über das Portal "Sportbuzzer" mit, dass "es bislang keine Antwort auf das Schreiben gegeben habe."

Zwar hat die Politik aktuell gerade größere Sorgen, als einer viertklassigen Fußballliga zur Rückkehr zum Spielbetrieb zu verhelfen, trotzdem sind drei Monate Schweigen auch keine Lösung. Der neue NOFV-Präsident Hermann Winkler kritisierte deshalb, "dass der Sport in den jüngsten politischen Entscheidungen der letzten Wochen überhaupt nicht mehr stattfindet". Winkler bezieht sich dabei auf den Amateur- und Breitensport und hofft auf einen Neustart am 7. März. Da die Regionalliga auch als Amateursport eingestuft wird, würden mögliche Lockerungen auch sie betreffen. Nur: Kommen die wirklich? "Wir hoffen, dass der Sport bei der nächsten Runde [Gespräche am 3. März] zwischen Kanzlerin und Ministerpräsidenten eine gebührende Rolle spielt", so Winkler vor ein paar Tagen gegenüber dem MDR.

Berlin ist das Zünglein an der Waage

Hoffnung hat auch Viktoria-Sportdirektor Rocco Teichmann, doch sie ist nicht groß. Und das liegt nicht nur an der Politik: "Es gab schon im Dezember bei den Vereinen der Regionalliga keine Solidarität und keine Einigkeit. Und auch jetzt gibt es die nicht, weil der BFC Dynamo da einen Alleingang gemacht hat." Teichmann spielt auf ein Schreiben an den Berliner Senator für Inneres und Sport, Andreas Geisel, an. Darin hatte der BFC mit Verweis auf gesundheitliche, infrastrukturelle und wirtschaftliche Probleme einen Appell an die Berliner Politik gerichtet, dem Neustart der Liga nicht zuzustimmen. Während Brandenburg, Thüringen, Sachsen und unter gewissen Voraussetzungen auch Sachsen-Anhalt eine Wiederaufnahme des Spielbetriebs grundsätzlich genehmigen würden, scheiterte ein Restart bisher am Veto des Berliner Senats.

"Wir müssen jetzt mal schauen, ob der Sport am 3. März eine Rolle spielt. Falls nicht, müssen sich die Berliner Vereine zusammensetzen und aussprechen, was wir wirklich wollen", so Teichmann. "Dabei müssen wir uns positionieren, ob wir Veränderungen beim Senat herbeiführen oder ob wir wirklich Amateursport sind. In dem Fall wird es zeitnah keine Wettkämpfe geben."

Streit über Corona-Tests und möglichen Abstieg

Der Riss innerhalb der Regionalliga geht aber nicht nur durch die Berliner Fußballklubs, sondern durch die komplette Liga. Denn nach wie vor sind die möglichen Bedingungen eines Neustarts und die Konsequenzen aus einer verkürzten Saison unklar. Klubs wie Rathenow, Meuselwitz oder Halberstadt wollen rechtliche Schritte prüfen, ob nach einer halben Saison ein Abstieg überhaupt zulässig ist. Schon in der vergangenen Spielzeit wurde der Abstieg ausgesetzt, mit der Konsequenz, dass die Liga auf 20 Mannschaften aufgeblasen wurde. Bei einer weiteren Aufstockung könnten es 22 Teams werden. Damit drohen permanente englische Wochen, was gerade den kleineren Klubs massive Probleme bereiten dürfte.

Gestritten wird auch darüber, ob nach dem Neustart alle Spieler regelmäßig mittels Schnelltests auf Corona getestet werden. Geschätzter Kostenpunkt für den Rest der verkürzten Saison: etwa 5.000 Euro pro Klub. Der NOFV kann die Klubs dabei finanziell nicht unterstützen. Einige Vereine weigern sich aber, allein für die komplette Summe aufzukommen. Auch hier droht Streit.

Dabei zeigt das jüngste Beispiel von Energie Cottbus, wie wichtig zumindest regelmäßige Schnelltests sind. Nach einem Coronafall im Team befinden sich Mannschaft, Trainer- und Betreuerstab seit Freitagabend in häuslicher Quarantäne. "Wir werden jetzt alle getestet und hoffen, dass alle anderen Spieler gesund sind", so Trainer Lottner. Dass sein Team auf Anweisung des Cottbuser Gesundheitsamtes jetzt 14 Tage komplett aussetzen muss, sieht der Übungsleiter aber kritisch. "In der Bundesliga, bei Thomas Müller zum Beispiel, reichte es, dass nur der betroffene Spieler isoliert wird. Alle anderen konnten nach negativen Tests normal weitertrainieren. In unserem Fall werden alle in Quarantäne gesteckt." Und Lottner fragt: "Wieso gibt es bei identischen Fällen eine so unterschiedliche Handhabung in Deutschland?"

Frust im Training, weil ein Ziel fehlt

Frühestens am 11. März kann Cottbus wieder in das Training einsteigen. Die Zeit bis dahin wird Lottner auch dafür nutzen, sich weiter Gedanken über seinen neuen Kader zu machen. Denn in der Lausitz steht ein Umbruch an. Die Hälfte der Spielerverträge läuft aus. "Ich glaube, wir haben nach dem bisherigen Saisonverlauf auf allen Positionen Handlungsbedarf", so Lottner. Allerdings ist noch unklar, welches Budget ihm in der neuen Spielzeit zur Verfügung steht. Die neue Klubspitze von Energie Cottbus befindet sich noch in der finanziellen Aufarbeitung des vergangenen Jahres. Ein Ergebnis wird demnächst erwartet.

Auf ein konkretes Ergebnis hofft Lottner auch am Mittwoch bei der Kanzlerrunde - damit die Teams in der Regionalliga langsam wieder eine Perspektive bekommen. Die meisten Mannschaften sind seit mehreren Wochen im Training. Doch ihnen fehlt ein fixes Datum, auf das sie hinarbeiten können. Und das drückt zunehmend die Stimmung. So hat der Cottbuser Coach nach einer ersten Euphorie bei der Rückkehr ins Training, zunehmend "Frust" im Team festgestellt. Der hat sich nach der Corona-Quarantäne natürlich noch vergrößert. Der Frust könnte sich aber auch schnell wieder legen, wenn es am Mittwoch etwas Bewegung beim Thema Neustart gibt.

Sendung: rbb UM6, 28.02.2021, 18 Uhr

Beitrag von Andreas Friebel

1 Kommentar

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  1. 1.

    ...jedem Laubenpieperverein wäre ein vergleichbare Führung wie beim NOFV peinlich!

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