Eine Eckfahne mit dem Logo des SV Babelsberg 03 (Quelle: imago images/Picture Point)
Video: rbb UM6 | 23.02.2021 | Jörg Hellwig | Bild: imago images/Picture Point

Wechsel an der Spitze des Vorstandes - Das Beben von Babelsberg

Es war ein Paukenschlag am Montagabend beim SV Babelsberg 03: In einer Pressemitteilung teilte der Klub das Aus des langjährigen Präsidenten Archibald Horlitz mit - und gleich auch seinen Nachfolger. Eine Suche nach den Gründen. Von Johannes Mohren

Es sind Orte, die viel über den Ausgang des Bebens verraten, das am Tag zuvor stattgefunden hat. Archibald Horlitz empfängt auf seinem Privatgrundstück an der Havel zum Interview - zehn Autominuten entfernt vom Karl-Liebknecht-Stadion. Ruhig wirkt er, ja: gelassen. Die Worte, die er wählt, sind umso deutlicher: "Ich bedauere, dass der Aufsichtsrat so einen kläglichen Eindruck hinterlassen hat. Das ist eigentlich dieses Vereins nicht würdig", sagt er.

Dieser Verein ist der SV Babelsberg. Seit 2013 hatte der 62-Jährige Unternehmer dem Fußball-Regionalligisten vorgestanden - und in dieser Zeit den sportlich und finanziell bedrohlich schlingernden Kurzzeit-Zweitligisten wirtschaftlich stabilisiert. Acht Jahre später verkündet eine spätabendliche Pressemitteilung am Montag das Ende einer Ära. Der Wortlaut? "Der Aufsichtsrat (...) hat mit sofortiger Wirkung Archibald Horlitz als Vorstandsvorsitzenden abberufen. (...) Der Grund für die Abberufung sind unterschiedliche Vorstellungen bezüglich der Führung und Ausrichtung des Vereins und der damit einhergehende Vertrauensverlust."

Es schwelte schon länger

Es ist ein Machtwechsel, der nicht völlig überraschend kam. Schon länger schwelte es im Verein - und schon länger wurde im Aufsichtsrat offensiv über eine neue Vereinsspitze geredet. "Die Gespräche sind eigentlich schon seit Wochen und Monaten am laufen. Irgendwann ist der Zeitpunkt da - und der war halt Montagabend", sagt Björn Laars. Er weiß es genau. Denn der 46-Jährige gehörte eben diesem Aufsichtsrat an, ehe er am Abend der Absetzung zurücktrat - um kurz darauf der neue Vorstandvorsitzende werden zu können.

Über die konkreten Gründe für die Trennung von Horlitz möchte sein Nachfolger nicht sprechen. "Ich will gar nicht groß in die Vergangenheit gehen, sondern eher den Blick in die Zukunft richten", sagt er. Es gebe die offizielle Pressemitteilung des Vereins. Punkt. Laars - ein blau-weißes Urgestein als 241-facher Spieler, Geschäftsstellenleiter und zuletzt eben Mitentscheider im Aufsichtsrat - steht auf der Tribüne des Karl-Liebknecht-Stadions. Es ist auch diese Ortswahl, die die neue Konstellation zeigt: Er ist nun Chef, Horlitz (vorerst) Privatmann.

Mangelnde Kommunikation und Transparenz

Hört man bei Laars auf die Zwischentöne, kann man erahnen, was für ihn im Argen lag: "Wichtig ist, dass wir wieder ein Wir-Gefühl stärken und wieder eine Einheit werden." Er sei Mannschaftssportler gewesen, das Team sei für ihn das Wichtigste. "Natürlich müssen Entscheidungen getroffen werden, aber auf flacher Ebene unter Einbeziehung aller", sagt er. Genau über diese Art und Weise der internen Kommunikation soll es in der Horlitz-Ära zuletzt Streit gegeben haben. Das berichten die "Potsdamer Neusten Nachrichten". Ebenso wie um Sponsoren. Dem 62-Jährigen sei zu wenig Transparenz vorgeworfen worden.

Diese wiederum kreidet Horlitz auch der neuen Führung an. Er selbst kenne die Ursachen für seine Abberufung nicht. "Meinem mehrfachen Wunsch, mir konkrete Gründe zu nennen, wurde leider bis heute nicht entsprochen", sagt er. Selbst an jenem Montagabend, als es schließlich hart auf hart kam, habe es nicht die - in der Satzung vorgesehene - Anhörung gegeben. Die Pressemitteilung behauptet das Gegenteil: "Zuvor war eine Anhörung ergebnislos geblieben", heißt es dort. Es ist nur ein Beispiel, das verdeutlicht, wie tief der Riss geht.

Streitpunkt Doppelspitze

Ein anderer Streitpunkt ist schon länger öffentlich bekannt. Laars und Co. wollen, dass der Kiezklub zukünftig von einer Doppelspitze geführt wird - Horlitz war und ist dagegen. "Ich habe gesagt, dass ich davon absolut nichts halte", sagt der gebürtige Ruhrpottler, "zumal sie ja bei Kontroversen zu einem Patt führen würde. Der Verein wäre handlungsunfähig." Diese Idee aus der Politik habe sich auch dort lediglich auf Parteibasis etabliert. "Keiner käme auf die Idee, ein Minister- oder gar das Kanzleramt doppelt zu besetzen. Von daher war mir diese Idee gelinde gesagt nicht geheuer", so Horlitz.

Jetzt, da er seinen Posten räumen musste, soll diese möglichst zeitnah eingesetzt werden. Bei einer Mitgliederversammlung muss dafür zunächst eine Satzungsänderung den Weg für ein Führungs-Duo frei machen. Der Aufsichtsrat schlage perspektivisch "eine Doppelspitze für die Führung des SV Babelsberg 03 vor, der Björn Laars und Katharina Dahme angehören sollen", hieß es schon am Montagabend in der Pressemitteilung. Die Linken-Politikerin Dahme ist auch schon lange im Verein aktiv - und aktuell Aufsichtsratsvorsitzende der Nulldreier.

Horlitz-Zukunft unklar

Inwiefern Horlitz in diesem Personaltableau einen neuen Platz findet, ist noch unklar. "Das Kapitel ist in keiner Art und Weise abgeschlossen", sagt er selbst. Er habe bereits bei der letzten Mitgliederversammlung angekündigt, dass er - nach seiner Zeit als Vorstandsvorsitzender - für ein Mandat im Aufsichtsrat kandidieren wolle und das "habe ich nach wie vor vor".

Eine Perspektive, die momentan noch schwer vorstellbar scheint. Das Verhältnis zu seinem Nachfolger Laars ist alles andere als gut. Er wisse, sagt er zu seiner Abberufung, "mit wem er es zu tun hat und welches Geistes Kind da am Werk war." Es bebt noch gehörig nach in Babelsberg.

Sendung: rbb UM6, 23,02.2021, 18:15 Uhr

Beitrag von Johannes Mohren

3 Kommentare

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  1. 3.

    Der Verein hat nicht gegen seine Statuten verstoßen, auch wenn Herr Horlitz das so in den Raum stellt.
    Gegen seine Abberufung will er ja nicht rechtlich vorgehen, er wird schon wissen, warum.

  2. 2.

    Wenn der Verein gegen seine eigenen Statuten verstoßen hat, sehe ich Raum für juristisches Vorgehen. Nur weil man jemanden nicht leiden kann, darf man ihm noch lange keine Rechte abschneiden. Stellt den Verein in ein sehr schlechtes Licht.

  3. 1.

    Der Nachfolger ist ein wirklich guter Fachmann und bescheiden im Auftreten. Passt sehr gut zu Babelsberg, die Menschen die sich selbst darstellen wollen, dafür brauchen wir den Archibald nicht.

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