Interview | Ex-Union-Profi Michael Parensen - "Spiele noch gerne Fußball, aber brauche nicht mehr das Leben als Fußballer"

Michael Parensen auf der Tribüne des Stadions An der Alten Försterei. / imago images/Contrast
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Im Sommer beendete Michael Parensen seine Karriere beim 1. FC Union. Am Ball blieb er dennoch - und hat nun die Spielberechtigung für den Landesligisten Polar Pinguin. Ein Gespräch über Corona-Training, schwere Beine und die Liebe zum Amateurfußball.

rbb|24: Herr Parensen, Sie sind ab sofort spielberechtigt für Polar Pinguin in der Landesliga. Vor dem Lockdown haben Sie dort auch schon mittrainiert. Hat es Ihnen - nach dem Ende der Profikarriere beim 1. FC Union im Sommer - so sehr in den Füßen gejuckt?

Michael Parensen: Es war eigentlich immer klar, dass ich nicht komplett von 100 auf Null herunterfahren kann. Und nur laufen hat mir nicht so viel Spaß gemacht. Ich war mir sicher, dass ich Fußball spielen will. Die Verbindung zu Polar Pinguin gibt es schon seit mehreren Jahren. Also habe ich gefragt, ob ich mittrainieren kann. Das hat dann sehr unkompliziert geklappt.

Bei Polar Pinguin standen Sie auch während Ihrer Profikarriere immer wieder am Spielfeldrand. Warum genau dieser Klub?

Zwei Kumpels von mir spielen dort seit mittlerweile acht Jahren. Einer von ihnen ist schon ein Jugendfreund aus meiner Heimat. Deswegen war ich dort immer gucken und habe eigentlich den ganzen Weg begleitet. Sie haben in der Freizeitliga angefangen, sich dann irgendwann angemeldet und sind schnell aufgestiegen, weil sie für ihre Ligen immer eine ganz ordentliche Mannschaft mit guten Fußballern hatten. Deshalb hat es auch Spaß gemacht, ihnen zuzuschauen. So war ich immer gucken, wenn die Möglichkeit da war - an einem freien Wochenende oder einem Sonntag, an dem wir mit Union nicht gespielt haben.

Viele der Jungs kannten Sie also schon gut, aber nur als Zuschauer am Seitenrand. Wie haben die es aufgenommen, als - vor dem Lockdown - plötzlich Michael Parensen als Ex-Bundesliga-Profi mit ihnen in der Kabine war und auf dem Platz stand?

(lacht laut) Für diese Frage bin ich vielleicht der falsche Ansprechpartner. Für mich war es ganz normal. Und wie gesagt: Auch für die anderen Jungs war es nichts so Besonderes, weil ich immer mal da war und auch vorher schon nach Spielen mit ihnen zusammengesessen habe. Es war nicht so, dass ich in eine komplett neue Mannschaft gekommen bin und mich als jemand vorgestellt habe, der vor Kurzem noch Bundesliga gespielt hat. Für die war es also - glaube ich - nicht so außergewöhnlich, wie man sich das eventuell unter anderen Umständen vorstellen könnte. Dass es natürlich trotzdem seine Wellen schlägt, sieht man daran, dass sich jetzt die Medien dafür interessieren.

Wie war Ihr erster Eindruck auf dem Platz als jemand, der über viele Jahre Profitraining gewohnt war?

Es war grundsätzlich erst einmal sehr anstrengend, weil die sehr lange trainieren. Oft zwei Stunden und das auch mit einem hohen Anteil an Elf-gegen-Elf-Spiel am Ende. Das war ich nicht mehr so gewohnt. (lacht) Das fällt in der Bundesliga nämlich oft ein bisschen kürzer aus, weil das Training da eher taktischer Natur ist. Der Kunstrasenplatz war auch neu für mich. Ich bin also immer mit schweren Beinen nach Hause gefahren.

Aber mit guter Laune?

Ja, es hat viel Spaß gemacht. Ich habe schon gemerkt, dass viele der Jungs zumindest in der Jugend mal ambitionierter Fußball gespielt haben. Da ist niemand dabei, der nur kommt, um mit Leuten zusammen zu sein - da geht es schon darum, auch erfolgreich und ansehnlich Fußball zu spielen. Das hat mir von Anfang an imponiert. Wir haben relativ viel taktisches Training gemacht und viele Spielformen.

Sie haben Fußball vorher sehr ernsthaft betrieben. Es war Ihr Job, Sie haben damit Ihr Geld verdient. War es auch ein schönes Gefühl, zurück auf den Amateurplatz und damit zu den Wurzeln des Fußballs zu kommen?

Ja, total. Das war immer mein Bestreben. Ich bin in einem kleinen Dorf aufgewachsen. Da gibt es halt nur einen Fußballklub, einen Schützenverein und die Feuerwehr. Ich war als Kind eigentlich jeden Sonntag auf dem Sportplatz und habe mir die erste Mannschaft angeschaut. Egal, in welcher Liga die gespielt haben - ob das Kreisliga B oder C war. Bei uns war es damals sogar noch auf der Asche. Für mich waren das trotzdem Helden. Deshalb war es für mich immer klar, dass es irgendwann auch wieder dorthin zurückgeht. Am Ende ist es das, warum man angefangen hat, Fußball zu spielen. Ich mag auch das Beisammensein auf dem Platz gerne. Das ist das, was für mich zählt. Ich wusste immer, dass ich nach Union nicht mehr für Geld oder als Job Fußball spiele, sondern wirklich nur noch aus Spaß.

Wegen der Corona-Pandemie war es mit dem Teamtraining relativ schnell wieder vorbei. Gibt es momentan noch Kontakt zur Mannschaft, sprich: Wird digital trainiert und sind Sie da auch dabei?

Da war ich überrascht. Die sind sehr gut aufgestellt. Einer der Jungs macht zwei Mal in der Woche Fitnesstraining und es gibt auch Challenges, in denen es ums Laufen geht. Alle sind sehr ambitioniert und bleiben auch bei der Sache. Das gefällt mir gut, dass das weiter so gelebt wird und man sich nicht verliert. Die Gefahr besteht nämlich natürlich schon, wenn man sich so lange nicht sieht. Das haben wir bislang sehr gut hinbekommen und doch hoffe ich, dass es nicht mehr allzu lange so sein muss. Wenn es wieder losgeht, sind wir - glaube ich - auf einem ganz guten körperlichen Niveau.

... und Sie können auch im Spielbetrieb mitmischen, weil nun die Berechtigung da ist. Ihr Spielertrainer hat in einem Interview gesagt, Sie hätten schon angekündigt, nicht nur auf dem Trainingsplatz stehen zu wollen. Was sind Ihre Ziele für sich selbst und mit dem Klub?

In erster Linie Spaß am Fußball zu haben. Das ist mir schon am Allerwichtigsten. Spiele sind natürlich so ein bisschen das Salz in der Suppe. Es wäre schön, wenn das klappt. Allerdings habe ich ganz klar die Priorität, nicht unbedingt jedes Wochenende unterwegs zu sein. Da sind ja auch noch die Union-Heimspiele, bei denen ich immer dabei bin - und eventuell auch wieder Auswärtspartien, je nachdem wie am Ende ein Job bei Union aussehen wird. Insofern bleibt keine Zeit, um regelmäßig spielen zu können. Die Ambitionen will ich also nicht ganz so hochschrauben. Der Rekordspieler bei den Polar Pinguinen werde ich mit Sicherheit nicht mehr werden. (lacht)

Zum Abschluss müssen wir natürlich noch auf Union zu sprechen kommen. Die Saison läuft bislang sportlich richtig gut. Hilft Ihnen der Amateurfußball auch dabei, dass Sie Ihr Ex-Team und den Fußball in der Bundesliga nicht so sehr vermissen - oder erwischen Sie sich gerade bei den vielen Erfolgserlebnissen doch bei dem Gedanken, dass Sie noch gerne dabei wären?

Nein. Da muss ich sagen: überhaupt nicht. Corona und die Spiele ohne Zuschauer haben mir den Abschied schon relativ leicht gemacht, weil es mir dann nicht mehr so viel Spaß gemacht hat, zu spielen. Gerade bei Union haben wir diese Stimmung als Spieler ja immer sehr mitgenommen. Ich freue mich einfach unheimlich, wie es bei den Jungs läuft. Ich schaue es mir gerne an und bin total begeistert, wie sie es machen. Ich vermisse es aber nicht. Ich spiele noch gerne Fußball, aber brauche nicht mehr das Leben als Fußballer.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Johannes Mohren, rbb Sport.

Sendung: rbb24, 02.02.2021, 21:45 Uhr

3 Kommentare

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  1. 3.

    ich habe mein Sky Abo gekündigt und schaue auch lieber ab und zu mal den Spielen des benachbarten Landesligisten zu.

    Der überzüchteten Kommerzfußball vermißt niemand

  2. 2.

    Feines Interview!
    ...und mal nebenbei: der ehrlichste Fußball wird noch immer bei den Amateuren gespielt!

  3. 1.

    Sehr sympathisch. Mir gefällt es, dass er seine Leidenschaft zum Beruf gemacht hat und sich diese bewahrt hat, sodass er nach wie vor Freude am Spiel hat. Die Pinguine wirds freuen, jemanden im Team zu haben, der vielleicht mit dem ein oder anderen Trick glänzen kann, ohne sich aber nach vorne zu drängen, sondern im Gegenteil auch gut und gerne auf Spiele verzichten kann. Weil am Ende alles Freizeit ist, elf Freunde müsst ihr sein. Super!!

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