Ein Kind spielt Fußball (Quelle: imago images/Frank Sorge)
Bild: imago images/Frank Sorge

Interview | LSB-Präsident Thomas Härtel - "Macht bitte wieder die Sportplätze auf"

Nach wie vor ruht in Berlin der Amateursport. Der Landessportbund hat einen Stufenplan für eine schrittweise Öffnung vorgelegt. Präsident Thomas Härtel erklärt im Interview, warum diese so wichtig ist und Inzidenzen nicht allein den Ausschlag geben sollten.

rbb|24: Herr Härtel, gibt es von Seiten des Landessportbunds Berlin Öffnungsstrategien für Kinder und Jugendliche?

Thomas Härtel: Wir haben ein Stufenmodell vorgelegt, in fünf Stufen mit insgesamt 16 Modulen. In jeder Stufe ist also dargestellt, wie wir schrittweise die Öffnung und den Wiedereinstieg für den Sport aus unserer Sicht sehen. Wir haben dabei insbesonders die Kinder und Jugendlichen im Blick, denn die leiden am meisten unter der Pandemie. Aus diesem Grund muss der Wiedereinstieg in den Sport für diese Gruppe möglichst schnell erfolgen. Wir hören von vielen, dass das im Grunde genommen entscheidend ist, die Kinder aus den engen Wohnverhältnissen herauszuholen und den Kontakt wieder knüpfen zu können. Das ist unser Hauptanliegen.

Haben Sie von Seiten der Politik Reaktionen auf dieses Stufenmodell bekommen?

Wir diskutieren mit der Senatsverwaltung für Sport darüber und haben das dort auf der Fachebene auch zu einem großen Teil abstimmen können. Es ist aber keine offizielle Linie der Senatssportverwaltung. Die sprechen immer von Inzidenzen und dann kommen wir an der Stelle letztlich nicht weiter. Wir begrüßen die Initiative der Berliner Amtsärzte und Amtsärztinnen, die sagen, Inzidenzen sind nicht der einzige Blick, den wir auf das Infektionsgeschehen richten müssen. Es müssen auch andere Faktoren wie die Belegung der Intensivbetten oder wo die Hotspots auftreten in Betracht bezogen werden.

Sie haben damit etwas vorgelegt, wo man guten Gewissens sagen kann, dass wir den Sport wieder hochfahren und uns einen Wiedereinstieg erlauben. Wir müssen das dann aber auch beobachten. Der Gesundheitsschutz im Sport liegt uns natürlich am Herzen. Wir tun mit Sport etwas für die Gesundheit, also ist die Motivation dafür auch sehr groß. Da erwarten wir von der Politik mehr Anerkennung. Die spüren wir leider nicht immer so und finden nicht immer das Gehör, was wir uns wünschen.

Am nächsten Mittwoch treffen sich die Kanzlerin und die Ministerpräsidentinnen und -präsidenten wieder. Haben Sie spezielle Erwartungen an diese Runde was den Sport betrifft?

Wir haben die spezielle Erwartung, gerade die Zielgruppe der Kinder und Jugendlichen im Auge zu haben und dort einen Wiedereinstieg zu ermöglichen. Wir begrüßen auch den Beschluss der Sportministerkonferenz ausdrücklich, der diese Zielsetzung auch unterstützt. Wir haben vor allem eine Bitte: Es bringt nach unserer Auffassung nicht viel, immer nur neue Inzidenzwerte festzulegen. Man muss das Infektionsgeschehen in seiner Vielfalt betrachten, um wirklich Entscheidungen treffen zu können. Es spielen auch viele andere Faktoren eine Rolle. Wir brauchen eine Perspektive und ein Stück Verlässlichkeit. Dafür haben wir Stufen entwickelt, so dass man Schritt für Schritt erfahren kann, ob die Öffnung das Infektionsgeschehen befördert. Und wenn nicht, kann man den nächsten Schritt tun.

Wären denn die Vereine und Verbände auf eine Öffnung vorbereitet?

Alle Verbände, auch der DOSB mit seinen Leitplanken, haben Hygienepläne vorgelegt und wir haben unsere Übungsleiter und Übungsleiterinnen auch darin geschult, diese Hygienepläne konsequent umzusetzen. Deswegen sage ich immer wieder: Wenn wir den Wiedereinstieg im Sport haben, haben wir einen Bereich, in dem eine gewisse Kontrolle im Sinne der Hygieneregeln entsteht. Genau deswegen sagen wir: Macht bitte wieder die Sportplätze auf, damit wir die Angebote für Kinder und Jugendliche wieder hochfahren können. Und ich möchte betonen, dass es ältere Menschen genauso trifft. Auch sie leiden unter einer Vereinsamung, weil sie die Kontakte über den Sport nicht haben. Da sind wir froh, dass der Reha-Sport weiterhin angewendet werden kann.

Die Vereine haben durch die Coronakrise auch Austritte verzeichnet, sei es, weil nichts angeboten werden kann oder aus finanziellen Gründen. Gibt es denn auch Eintritte?

Erstmal haben uns die Mitglieder im vergangenen Jahr überwiegend die Treue gehalten. Viele haben aber zum Jahresende gekündigt und es werden weit über 30.000 Mitglieder sein, die wir verlieren werden. Der entscheidende Punkt ist aber, dass wir am Ende des Jahres oft Mitglieder verlieren. In der Vergangenheit war dann immer der Wieder- oder Neueinstieg zu beobachten, aber der erfolgt zurzeit nicht. Viele sagen, warum soll ich jetzt eintreten, wenn ich nicht weiß, wann wieder Sport angeboten wird. Da fallen wir jetzt in eine Lücke und das macht das Leben so schwer für viele Vereine. Wir müssen daran arbeiten, dass wir Mitglieder zurückgewinnen und vor allem auch neu gewinnen.

Können Sie denn auch Zahlen nennen?

Wir haben aus verschiedenen Mehrspartenvereinen erfahren, dass die Austritte überproportional waren. Wenn beim TSV Spandau oder TSV Wittenau bis zu 2.000 Mitglieder austreten, also fast ein Viertel, ist das ein Alarmzeichen und bitter für die Vereine. Das ist schon eine Dramatik, die da sichtbar wird. Ich bin optimistisch, dass wir viele Mitglieder wieder zurückgewinnen werden. Dafür müssen wir aber etwas tun – und vor allem neue Mitglieder gewinnen. Wer sich jetzt während der Pandemie plötzlich mehr bewegt hat, geht jetzt vielleicht doch in einen Verein. Wir müssen dafür werben und dafür hat uns die Politik auch Unterstützung angekündigt.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Jens-Christian Gußmann, rbb Sport.

 

Sendung: Inforadio, 28.02.2021, 14:14 Uhr

26 Kommentare

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  1. 26.

    Das stimmt. Aber eventuell benutzen einige die Pandemie auch als Ausrede um mal faul zu sein. Nach dem Motto „ist ja alles verboten“. Manche belügen sich selbst und merken es nicht mal. Manche nehmen die Pandemie auch als Gelegenheit, um sich mal zu besinnen und über wichtiges und unwichtiges Nachzudenken. Es ist wie eine längere Fastenzeit ;-) Man kann sich auf Dinge konzentrieren, die im normalen Alltag zu kurz kommen.

  2. 25.

    Nur mal so als Denkanstoß:
    "Gesundheit ist nicht alles aber ohne Gesundheit ist alles nichts." bzw.
    " Alle Wünsche werden klein gegen den, gesund zu sein."
    Ist nicht neu ,stimmt in diesen Zeiten aber mehr denn je.

  3. 24.

    Stimmt völlig. Für viele Leute ist das Glas halb leer statt halb voll und so haben sie mittlerweile einen Tunnelblick und sehen nur,was aktuell nicht geht. Es ist aber nicht alles verboten und während der bisherigen Pandemie ging bei uns mehr als in vielen anderen Regionen von Deutschland/ Europa/ weltweit.
    Richtet man den Fokus auf das,was nicht verboten ist, wie auch Ihre Beispiele beim Sport, lebt man gesünder,auch in der Pandemie. Bei uns gab es nie eine Ausgangssperre, wenn man nicht zur selben Zeit am selben Ort wie die Massen ( an den letzten Wochenenden) sein muss, kann man die Natur auch mit einzuhaltenden Abständen genießen.
    Wenn man immer nur das will,was gerade nicht geht, wird man eben unzufrieden und meckert nur rum und Schuld sind die anderen. Jeder ist zu großen Teilen seines Lebens auch seines eigenen Glückes Schmied.
    Vieles ist eine Frage der Einstellung und Sichtweise.

  4. 23.

    Mit Ideologen wie Ihnen zu reden ist wie mit der Wand zu sprechen. Die meisten gehen arbeiten. Und ich Rede nicht über die Höhe der Einkommen wie Sie, sondern nur über die Sache, offenbar haben Sie nur ein Problem, weil die Profis viel Geld verdienen. Wenn es weniger wäre würden Ihnen die Argumente ausgehen.

  5. 21.

    Hier WILL man auch, aber der Rest der Welt will NICHT https://www.nzherald.co.nz/nz/covid-19-coronavirus-auckland-in-alert-level-3-lockdown-for-a-week-rest-of-nz-at-level-2-jacinda-ardern/OWBIIXGYZQIPJL36WZYZKSEWH4/?ref=readmore

  6. 20.

    Wo ist Ihr Mut? Nennen SIE Ihre Dinge beim Namen und gut ist: SIE WOLLEN KEINEN Gesundheitsschutz uind schon gar nicht wie Neuseeland und wenige andere Statten auf der Gewinnerseite https://www.nzherald.co.nz/nz/covid-19-coronavirus-auckland-in-alert-level-3-lockdown-for-a-week-rest-of-nz-at-level-2-jacinda-ardern/OWBIIXGYZQIPJL36WZYZKSEWH4/?ref=readmore Sie haben sich klar FÜR DIE VERLIERERSEITE entschieden

  7. 19.

    Verbieten zu arbeiten? So wie hunderttausenden anderen Menschen auch? Warum nicht? Aber interessant, wie sie sich um das finanzielle Wohlergehen von zum Teil Einkommensmillionärrn sorgen. Wenn es wenigstens ihr eigenes Geld wäre. Und das mit den Entschädigungen ist überschaubar. So wie andere Freiberufler auch dürfen die Herren gern einen Antrag stellen. Bei den Vermögenswerten die dort schlummern, dürfte es eine ganze Weile dauern, bis man beim Schonvermögen angelangt ist.

  8. 18.

    Wie wäre es. Ist Radfahren, Walken, Joggen, Yoga, Gymnastik usw... Geht alles im Freien und ohne Sportstätten und ohne Verein. Sie können sich sogar noch mit anderen dazu treffen. Himmel, etwas mehr Lösungen finden statt Ausreden. Und mit dem eigenen Körpergewicht kann man auch Krafttraining machen. Das geht sogar in der eigenen Wohnung. Es gibt immer Lösungen wenn man will. Wenn man nicht will, dann nützt Meckern auch nix.

  9. 17.

    So ein Blödsinn, gerade jetzt haben viele die Möglichkeit, sich gesund zu ernähren. Selbst kochen statt Kantine zB.! Und wer zum Sporttreiben Vereine und Sportstätten braucht, der hat einfach nicht genug Disziplin, um eigenständig Sport zu treiben. Und Ihr Verständnis vom Berufssport ist gleich null. Oder möchten Sie denen verbieten zu arbeiten und Entschädigungen zahlen? Das ist wieder nur die typische Missgunst. Kommen Sie jetzt nicht mit grundsätzlichen Fragen der Bezahlung von Sportlern, wäre ein ganz anderes Thema. Ihre Sicht des Ganzen endet am eigenen Tellerrand.

  10. 16.

    Vielleicht wäre es auch mal Zeit, die Zahl der Funktionäre in den Vereinen und Verbänden zu reduzieren. Was da an Geld verplempert wird ist mal ein Thema Wert. Die meisten Mitglieder brauchen dieses überbordende Funktionärswesen nicht. Unternehmen schauen auch gerade, wo sie Kosten reduzieren können.

  11. 15.

    Dem kann ich nur zustimmen. Die Argumentation eines Vorredners, die armen überbezahlten "Profis" müssen ja schließlich Geld verdienen, da sie sonst in Armut verfallen, ist einfach nur drollig. Nein, die überbezahlten Ballschubser und ihr Verband, haben starken politischen Einfluss, und erfüllen des Weiteren den Zweck, einen großen Teil der Bevölkerung am Wochenende auf dem Sofa zu binden, wo es sich munter, mittels Alkohol, Fett und Zucker, am Beibehalten des Übergewichts und der Herz - Kreislauferkrankungen arbeiten lässt. Brot und Spiele. Und wer mit derart epochalen Dingen, wie der Tabelle beschädigt ist, kommt vor allem nicht auf die Idee, mal über die Gesamtsituation nachzudenken.

  12. 14.

    Ich dachte, es sei längst klar, wie das mit der Ansteckung läuft. An der frischen Luft in Bewegung, soll kein Risiko bestehen.
    In geschlossenen Bereichen (Umkleideräume, Duschräume) ist es gefährlich.
    Eine Kollegin besucht regelmässig den Reha Sport, der in mit Fitnessclub vergleichbaren Räumlichkeiten erfolgt, etwas, dass mir unbegreiflich ist. Steht Reha drauf, ist es nicht ansteckend?

  13. 13.

    Trotzdem müsste es mehr Angebote für Sport geben. Auch wenn das man nicht glauben sollte, aber wir bekommen andere Probleme nach der Pandemie (z.b. rückenprobleme) weil der präventivsport fehlt. Und ja ich weiß wer Probleme hat, kann ja noch Rehesport machen (naja also vorallem die Erwachsenen). Aber die Leute die vorher sich fit halten um keine Probleme zu bekommen, werden da raus gelassen. Es muss also was passieren. Man hätte z.b auch die Anzahl an Leute beim Sport erst einmal runter fahren können, bevor Sportstätten ganz geschlossen werden. Oder Gruppen halbieren, sodass alle zwei Wochen Training möglich gewesen wäre. Alles besser als jetzt.
    Und ja ich bin auch dafür vorsichtig zu sein, aber ich frage mich halt wie lange wir alle durchhalten, wenn es immer nur auf oder zu gibt, aber das dazwischen kaum existiert.

  14. 12.

    Ich habe ja viel Verständnis für alles und jeden, aber solange die Profis weiter frisch frisiert auf dem Platz in Dubai stehen, um im Raumanzug heimgeflogen zu werden, habe ich KEIN Verständnis dafür, dass ich nicht Volleyball draußen spielen darf! Und mein Kind auch nicht. Und kommt mir nicht mit "Profis", alle anderen Profis sitzen auch zu Hause auf Kurzarbeit 100 und bevölkern ab Montag die Baumärkte in Brandenburg. Und andere Branchen gehen auch Pleite!

    Solange es keine gerechte Gleichbehandlung gibt, habe ich für NIX mehr Verständnis!

  15. 11.

    Ich warte auch schon so lange darauf das mein Thai Massagestudio wieder öffnet, damit sich meine Verspannungen lösen.

  16. 10.

    Warum versuchen plötzlich alle, die 7-Tages-Inzidenz zu diskreditieren? Doch wohl nur für den eigenen Vorteil. Vorteile für die Einen haben aber mehr Tote und Schwerstkranke Anderer zur Folge.
    GG Art.2 (2) Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit.
    Da müssen Freiheitsrechte auch mal hinten anstehen. Denn: GG Art.2 (1) Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt...
    Und mit jeder Ansteckung eines Anderen wird dessen Recht auf körperliche Unversehrtheit verletzt. Ob's einem gefällt oder nicht. Habe fertig.

  17. 9.

    Könnte man bitte endlich wieder die Fitnessstudios öffnen!!!
    Es wird wieder wärmen und man kann lüften.
    Es reicht langsam, dieses gesundheitsschädliche Fitnessstudio-Verbot!

  18. 8.

    Weil das eine eben Profis sind, die damit ihren Lebensunterhalt verdienen. Da sind aber die Zuschauer ausgesperrt. Das andere sind die Hobbysportler. Im Amateurbereich war zT Kurzarbeit. Das ist ein Zwischending, weil es da auch Gehälter für einige Spieler gibt. Aber im reinen Hobbysport ist eben eine Sperre ohne Auswirkung auf das Geld. Bezogen auf die Sportler.

  19. 7.

    Weil das eine Hobby und das andere Beruf ist. Da ist der Unterschied ziemlich klar. Völlig sachlich betrachtet. Ideologie mal außen vor lassen. Es geht eigentlich mehr um die „Kunden“ (Hobbysportler, Zuschauer) und den Kontakt zu diesen. Es ist eben nicht immer so einfach, wie man sich das denkt.

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