Kanutin Lisa Jahn (imago images/Anke Waelischmiller)
Video: Video: rbb UM6 | 13.02.2021 | Jonas Schützeberg | Bild: imago images/Anke Waelischmiller

Kanutin Lisa Jahn vor doppelter Olympia-Premiere - Umstieg ohne Umstände

Sollten die Olympischen Spiele in diesem Jahr tatsächlich stattfinden, würde die Kanutin Lisa Jahn gleich eine doppelte Premiere feiern: ihre eigenen und die ihrer Disziplin. Zu der kam sie selbst erst 2016 - mit gehörigen Start-Schwierigkeiten.

Ganz leicht ist die derzeitige Situation für Lisa Jahn nicht. Denn auch die 26-jährige Kanutin aus Berlin hat mit der Unsicherheit zu kämpfen, ob die Olympischen Sommerspiele in diesem Jahr tatsächlich stattfinden werden oder ob Corona den Plänen einen erneuten Strich durch die Rechnung macht. Zu einem Problem lässt Jahn das allerdings nicht so schnell werden. Oder wie sie im Rahmen eines Trainingslagers in der Türkei und gegenüber dem rbb sagt: "Ich glaube weiter daran und versuche auch keine weiteren Gedanken an mich heranzulassen. Es würde mich nur von meinem Weg abbringen."

Und dennoch: "Ich bin ehrlich, letztes Jahr war es ein bisschen greifbarer. So ganz habe ich das noch nicht vor mir, dass wir in sechs Monaten in Tokio stehen." Kein Wunder, die Spiele 2021 sind schließlich auch gleich im doppelten Sinne eine Premiere. Denn es wären nicht nur die ersten Spiele für Lisa Jahn persönlich, sondern zugleich auch für ihre komplette Disziplin.

Kanadier waren den Männern vorbehalten

Kanadier-Rennen mit ihrer einseitigen Belastung waren lange Zeit den Männern vorbehalten. Frauen sollten so vor angeblichen Hüftschäden geschützt werden. Erst 2010 wurde die Disziplin auch bei den Weltmeisterschaften der Frauen aufgenommen, nun also soll die Olympia-Premiere folgen.

"Normalerweise dauert es acht bis zehn Jahre, um in dieser Disziplin einen Weltklasseathletin zu entwickeln", sagte Chefbundestrainer Jens Kahl im vergangenen Jahr gegenüber der Süddeutschen Zeitung. Lisa Jahn ist bereits in der Weltklasse angelangt, auch wenn sie erst vor etwas mehr als vier Jahren vom Kajak zum Kanadier wechselte.

Anfangs nur im Kreis gefahren

Ein Umstieg, der ihr zunächst nicht leicht fiel. Es habe sich angefühlt, so Jahn gegenüber der Süddeutschen Zeitung, als "ob man eine ganz neue Wassersportart lernt". Dabei hatte sie im ebenfalls recht wackligen Kajak durchaus Erfolge gefeiert, wurde Junioren-Europameisterin im Vierer. Dennoch fuhr sie im Kanadier anfangs fast nur im Kreis, hielt es keine fünf Minuten aus.

Inzwischen ist Lisa Jahn längst angekommen in ihrer neuen Disziplin, holte bei den Europaspielen 2019 Silber im Einer-Kanadier über 200 Meter. Sie profitiert dabei auch von der Stärke und Erfahrung ihrer Trainingspartner. So wie im Trainingslager in der Türkei, in das der deutsche Verband mit 40 Teilnehmern gereist ist. Mit dabei Olympiasieger wie Sebastian Brendel. Jahn sagt: "Ich trainiere immer super gern in einer größeren Gruppe. Es ist wichtig, dass man Trainingspartner hat - und auch unterschiedliche Trainingspartner. Und ich denke, dass wir als deutsche Mannschaft davon leben, dass wir eine recht starke Gruppe sind. Und grundsätzlich ist die Stimmung auch immer ganz gut."

Immer auf den Punkt

Vor allem im Trainingslager in der Türkei. "Wir haben hier super Bedingungen", sagt Jahn, die für eventuelle Kritik an Fernreisen in Coronazeiten durchaus Verständnis hat, aber auch um Verständnis bittet. Schließlich, so die von der Bundespolizei geförderte Athletin, sei der Kanusport ihr Beruf, und der sei auf den heimischen, derzeit eingefrorenen Seen und Flüssen für den Moment nicht auszuüben. Positiver Nebeneffekt: "Es ist immer schön, in der Sonne zu trainieren."

So schnell wie sie im Kanadier ist, kommt die Köpenickerin auch im Gespräch auf den Punkt. Oder auf ihrem Instagram-Account. Neben Bildern aus dem Trainingsalltag oder von selbst gebackenen Broten ist dort auch eine Zitattafel zu sehen. "Jupp, ich bin klein! Gott lässt Dinge nur so lange wachsen, bis sie perfekt sind", steht darauf geschrieben. Es war eben schon öfter mal nicht ganz leicht für Lisa Jahn. Ein Problem war das für sie jedoch nie.

Sendung: rbb24, 14.02.2021, 22 Uhr

Beitrag von Ilja Behnisch

1 Kommentar

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  1. 1.

    Hut ab! Es ist immer wieder faszinierend, diesen Sportlern zuzusehen. Ein echter Balanceakt. Toi, toi, toi und viel Spaß in Tokio...

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