Leeres Schwimmbecken (imago images/Elmar Kremser, Sven Simon)
Bild: imago images/Elmar Kremser, Sven Simon

Corona-Auswirkungen beim Schwimmunterricht - Dramatische Zahl an Nichtschwimmern

Während sich ein Mindestmaß des Lernstoffs auch bei geschlossenen Schulen noch bewältigen lässt, fällt der Schwimmunterricht seit über einem Jahr häufig aus. Das hat dramatische Auswirkungen. Auch weil es grundsätzliche Probleme gibt.

Wo sonst viele Kinder das Wasser zum Blubbern bringen, ist die Wasseroberfläche seit Monaten glatt wie ein Spiegel. Wegen der Corona-Pandemie sind die meisten Schwimmhallen geschlossen, nur die Profisportler dürfen regelmäßig ins Becken springen. Das trifft auch die Berliner Wasserratten aus Reinickendorf [berliner-wasserratten.de]. Rund 500 ihrer ursprünglich 3.000 Mitglieder hat der Verein seit Beginn der Corona-Pandemie bereits verloren – und viele Fragen bekommen.

"In den Sommermonaten wurden die Freibäder geöffnet, aber die Vereine kamen nicht rein. Jetzt erklär' mal einem Mitglied, warum sie mit Eintritt in die Freibäder reinkommen und schwimmen können, aber als Mitglied der Berliner Wasserratten keine Wasserfläche bekommen", sagt Vereinspräsident Guido Kersten. Auch finanziell sind die Auswirkungen der Krise zu spüren. Ein Drittel der Gelder, die der Verein benötigt, sind weggebrochen.

Fast 100.000 Kinder, die nicht schwimmen können

Noch viel schlimmer aber ist aus Sicht von Kersten ein anderes Problem: Die Kinder können aktuell kaum oder gar nicht schwimmen lernen. Die Wasserratten zählen zu einem von rund 80 Vereinen in Berlin, die Schulkindern das Schwimmen beibringen. "Im Schuljahr 2019/2020 konnten zwischen 25.000 und 27.500 Kinder nicht ausgebildet werden", resümiert er. Denn nachdem das Schuljahr ganz normal starten konnte, habe es mit Beginn der Pandemie für manche Kinder "drastisch reduzierten Schwimmunterricht" gegeben. "In den Sommerferien haben wir mit der Sportjugend Berlin und anderen Vereinen eine Aufholjagd für diese Kinder gemacht", berichtet Kersten. Auch im laufenden Schuljahr lernen die wenigsten Kinder schwimmen. "Im kommenden Schuljahr kommen nochmal 35.000 Kinder oder mehr dazu. Wir reden hier also von fast 100.000 Kindern", so der Präsident der Wasserratten.

Wie soll man das wieder aufholen? "Das kann erst in den nächsten drei bis vier Jahren mit einer immensen Kraftleistung abgebaut werden", glaubt Kersten und nennt nur eine von vielen Folgen für den Alltag der Kinder: "Wir werden uns in Berlin daran gewöhnen, dass wenn es eine Klassenfahrt an einen See gibt, nicht wie normalerweise etwa 70 Prozent der Kinder schwimmen können, sondern nur etwa 30 oder 40 Prozent."

Kaum Wasserflächen vorhanden

Um gegen die erschreckenden Zahlen anzukämpfen, könnten auch zusätzliche Angebote helfen, für die die Vereine jedoch auf Hilfe angewiesen sind. "Die sind von der Wasserfläche abhängig, die die Berliner Bäder-Betriebe für diese Projekte zur Verfügung stellen. Da wird jetzt ein Run entstehen, auch in Bezirken wie Friedrichshain-Kreuzberg, wo eigentlich gar keine Schwimmhalle mehr vorhanden ist. Da haben wir eine große Problematik." Vor allem weil zahlreiche Hallen renoviert werden, sind die Möglichkeiten begrenzt.

Die Wasserratten aber werden ihr Bestes geben. Von den 60 Schwimmlehrern engagieren sich 57 ehrenamtlich im Verein und würden auch am Wochenende Kurse anbieten, um die Zahl der Kinder, die noch keinen Schwimmkurs besuchen konnten, zu verringern. "Die opfern ihre Freizeit und ihr Wochenende und fahren nicht weg, sondern stellen sich an den Beckenrand und bringen den Kindern dann das Schwimmen bei", sagt Guido Kersten über seine Kollegen.

Trotz der schwierigen Umstände und Folgen der Corona-Krise will der Verein nach vorne schauen und blickt optimistisch in die Zukunft. "Wir gehen davon aus, dass wenn die Schwimmausbildung wieder beginnt, wir die Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen wieder von unserem Verein begeistern können."

Sendung: rbb24, 10.02.2021, 21:45 Uhr

21 Kommentare

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  1. 21.

    Als einziger nicht mitmachen zu können war bestimmt nicht schön. Ich muss sagen, ich gehe nur "wild" schwimmen. Wir haben zwar ein schönes Strandbad; ich fühle mich aber in der freien Wildbahn wohler. Hallenbäder liegen mir überhaupt nicht. Zu viel Chlor und Fliesen... ;) Den Rettungsschwimmer hab ich übrigens auch zu DDR-Zeiten noch gemacht. Also was das Schwimmen in der DDR betraf: Es war nicht alles schlecht... ;))

  2. 19.

    Hi Markus.
    In meiner Grundschulzeit(50er Jahre)war es zwar nicht Pflicht am Schwimmunterricht teilzunehmen. Doch war ich der einzige Junge in unserer Klasse, der leider daran nicht teilnehmen konnte. Das tat weh, denn wie gerne hätte ich es auch gelernt. Durfte es aber nicht, wegen ständiger Mittelohrentzündung. Später hieß es immer nur von HNO Arzt, bloß nicht Wasser in die Ohren kommen lassen. Das war’s dann mit dem schwimmen. Im von mir angesprochen Fall waren wir bei einen Klassenausflug an der Sorpetalsperre. Ich saß als einziger am Uferrand und schaute neidisch auf alle Badenden Jungs. Naja, der Rest ist ja bekannt. Grüße.

  3. 17.

    Das ist ja krass. Zum Glück bist Du heute hier. Ich habe meine Schwimmstufe (so hieß das im Osten) noch im Kindergarten gemacht. Ich kann mich heute noch an den (guten) Schwimmunterricht erinnern; da wurde sich für die Kinder richtig Zeit genommen.

  4. 16.

    Solche Meldungen, gab es zu DDR Zeiten nicht.
    Warum wohl ?

  5. 15.

    Alle vorhandenen Schul-, Vereins-, Sport- und Privat- Schwimmbecken mit der Wartung beginnen ( hat in den letzten 20 Monaten keiner gemacht, nach der Sommerwartung 2019 war Corona, die Bäder geschlossen und warum Wartung wenn keine Einnahmen). Wasser einlassen, Putzen. - Schwimmlehrer, Bademeister, Fachkräfte für... Mit Festen Planstellen für 365-24 zu Tariflohn. Gern Rettungsschwimmer NUR Freiwillig ZUSÄTZLICH. - Schwimm-Unterricht ab Klasse 3 bis Klasse 5 Bronze, Silber, auf Wunsch Gold, keine Weltanschaulischen Ausnahmen, eventuell Schulklassenübergreifende Zusammenfassung. Und gebt den Kindern die Zeit, Die Sie brauchen !

  6. 14.

    Ich finde die Verallgemeinerungen und die einseitige Berichterstattung (aus Sicht der Schwimmvereine) als journalistisch unkorrekt. Auch in Berlin hat das SJ 2020/21 mit Schwimmunterricht der 3. Klassen begonnen (in A und B Woche und Hygienekonzept).
    Die Schüler haben viel gelernt. Also müsse besser recherchiert werden.
    Wir hoffen, dass jetzt bei der schrittweisen Öffnung der Grundschulen auch an den Schwimmunterricht gedacht wird.
    Wenn dann die Vereine sich auf die Viertkkässler, die im ersten Lock down keinen Schwimmunterricht hatten, konzentrieren würden, dann können wir gemeinsam die Zahl der Nichtschwimmer verringern.

  7. 13.

    Das ist so einfach nicht richtig. Vielleicht gab es in Reinickendorf seit einem Jahr keinen Schwimmunterricht. In Neukölln haben die Grundschulen zu Beginn des Schuljahrs und solange präsentsunterricht regulär Schwimmunterricht gemacht!!!

  8. 12.

    Denn es sprach der Schullehrer zum kleinen Jungen, der nicht schwimmen konnte, am Ufer des großen Sees: Da kannste bis zu zehn Meter rein, erst dann wird es tiefer. Gesagt getan. Mutig versuchte der Junge erste Schwimmzüge zu machen, doch als er umdrehen, sich vom Boden abstoßen wollte, war da plötzlich kein Grund mehr unter seinen Füßen. Panik erfasste ihn und er begann mit den Händen Wild um sich zu schlagen. Vergebens und er sank unter Wasser. Eine Hand noch nach oben gestreckt. Plötzlich und unerwartet griffen beherzt zwei Arme nach ihm, zogen ihn zurück ins seichte Wasser. Der Retter, ein Schulkamerad, hatte gerade erst erfolgreich an der Schule seinen „Rettungsschwimmer“ gemacht. Ohne seine Hilfe wäre ich damals ertrunken. Dem Lehrer ließ es damals im übrigen völlig unberührt. Soviel dazu.

  9. 11.

    Dass immer weniger Kinder schwimmen können hat viele Gründe, vielleicht sogar Corona. Aber das Problem bestand doch schon vor Jahren. Also ist Corona nur ein Randproblem. Schwimmhallen waren schon vorher monatelang geschlossen, Schwimmunterricht fiel auch vorher aus, viele Eltern kümmern sich da auch privat nicht ausreichend oder lehnen aus kulturellen Gründen Schwimmunterricht ganz ab. Ja, es gibt auch Seen, aber auch da ist nicht jede Familie bereit oder in der Lage, hinzufahren.

  10. 10.

    Normalerweise ist das so, das die Eltern den Kindern das beibringt. Bei mir war das auch so aber wenn die Eltern es nicht können, dann können sie es auch nicht ihren Kindern beibringen. So wie das erste Lesen, Schreiben und Rechnen.

  11. 9.

    Das interessiert die Volksvertreter nicht. Mein Sohn hatte im Februar 2020 mit dem Seepferdchen in einer privat betriebenen kleinen Schwimmhalle begonnen. Bis heute konnte der Kurs, weil der Mindestabstand in den Umkleidekabinen nicht eingehalten werden konnte, nicht fortgeführt werden. Mein Vater, ein Rentner, der keine Angst vor seinen Enkeln hat, hat im Garten- Pool das Schwimmen lernen übernommen. Mein Sohn möchte so gern in einem Schwimmverein, nachdem Fußball nun auch seit November nicht mehr stattfindet. Man wird im Übrigen nicht nur mit Corona krank...

  12. 8.

    Vll. sehe ich das zu eng, aber ab bestimmten Temperaturen ist so'ne Gemeinschaftsbadewanne auch nicht so schlecht.

  13. 7.

    Hier im LK OPR fand im ersten Schulhalbjahr 20/21 der Schwimmunterricht in der 3. Klasse statt, und das erfolgreich.
    Nicht jede Schlagzeile verallgemeinern,...

  14. 6.

    Die Seen sind im Sommer hoffentlich dann nicht alle ausgetrocknet oder bis an deb Srand mit Villen bebaut. Havel und Spree sind ebenfalls frueher Bademoeglichkeiten gewesen nur leider werden dort auch die Oeffentlichen Zugangsmoeglichkeiten arg einge
    schraenkt. Wir noch das Schwimmen von unseren Eltern beigebracht bekommen, Schwimmeister oder Vereine waren die Ausnahme, den die kosteten Geld.Es müssen nicht immer Schwimm oder gar Spassbaeder sein.
    Ich schwimme bis heute nur in offenen Gewässern (Badesaison nur inden Sommermonaten) und bin deswegen unteranderm nach Berlin gekommen vor
    Jahrzehnten.

  15. 5.

    Ich hab Schwimmen und Radfahren noch von den Eltern gelernt.
    Komisch.

  16. 4.

    ...ich kann mich ja irren, aber ich glaube Mal gehört zu haben in so nem See und so nem Fluss ist auch Wasser drin, in dem man schwimmen lernen könnte.

    Berlin und Brandenburg sind nicht nur wald- sondern auch wasserreich.

    Vielleicht kann das Kind dann nicht Rücken, Kraul oder Schmetterling. Tauchen und Kopfsprung fällt vielleicht auch flach. Aber ins Wasser kommt man immer irgendwie, und wer zumindest Brustschwimmen kann, ist auch kein Nichtschwimmer mehr.

  17. 3.

    Habt doch mal Mitleid mit den Profis die ins Wasser dürfen die könnten doch verhungern da ist Solidarität gefragt. Da der Schwimmunterricht ständig ausfällt sind wohl die meisten Eltern gefragt ihren Kindern das Schwimmen bei zu bringen ansonsten werden wir bald ein Land der Nichtschwimmer. Auch uns Erwachsenen ist es genommen worden schwimmen zu gehen Schwimmen hat auch was mit Sport zu tun zur Gesunderhaltung des Körpers. Dieses betrifft auch andere Sportarten(außer Profisport). BeBedanken dürfen/können wir uns alle bei unseren Politikern/innen am Wahltag mit unserer Stimme.

  18. 2.

    Ein Dankeschön an die unermüdlichen Ehrenamtlichen.

    Schwimmen wird aber wohl in einigen Jahren eine
    Randerscheinung werden, da immer mehr Bäder schließen und sich kaum noch einer zum Bädertechniker oder Bademeister ausbilden lassen wird.

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