Basketball-Trainer Sebastian Machowski (Quelle: imago images/Newspix)
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Ex-Alba-Spieler Sebastian Machowski in chinesischer Bubble - "Das hat hier schon ein bisschen was vom Basketball-Gefängnis"

Fünf Jahre lang spielte Sebastian Machowski für Alba Berlin. Nun ist er Trainer und erlebt die Herausforderungen in der chinesischen Liga-Bubble. Bei seinem Verein in Shenzhen bringt er etwas Aito-Flair ein und kann sich eine Rückkehr in die Heimat durchaus vorstellen.

Die braunen Vorhänge sind längst zugezogen im Hotelzimmer von Sebastian Machowski. Es ist schon halb zehn im chinesischen Zhuji und wieder hat der 49-Jährige einen Tag in der Bubble geschafft. Der gebürtige Berliner ist Co-Trainer in der CBA, der Chinese Basketball Association, bei den Shenzhen Aviators - und ein paar Quadratmeter mit den hellgelben Wänden sind aktuell sein Zuhause.

"Mental belastend, von der Außenwelt abgeschnitten zu sein"

"Hier findet die gesamte Saison der CBA statt. Das heißt, wir sind seit Oktober - mit zwei kurzen Pausen - in diesem Hotel kaserniert", berichtet Machowski. Die chinesische Liga hat entschieden, die gesamte Saison in der Bubble an einem Ort zu spielen. Die 19 Teams sind auf zwei Hotels aufgeteilt, jede Mannschaft bewohnt eine eigene Etage.

Zum täglichen Training und zurück gibt es einen Shuttleservice. Im hoteleigenen Kraftraum und im Schwimmbad kann man sich fit halten und gegessen wird drei Mal täglich im Restaurant. Was ein bisschen nach All-inclusive-Urlaub klingt, zehrt auf Dauer aber an den Nerven. "Es ist schon mental ein bisschen belastend, von der Außenwelt abgeschnitten in diesem Hotel eingesperrt zu sein", sagt der 49-Jährige nach fast einem halben Jahr Bubble-Alltag. "Das hat hier schon ein bisschen was vom Basketball-Gefängnis, wenn man das überspitzt so bezeichnen kann."

Mit Machowski sind die Aviators erfolgreich

Alle zwei Tage hat seine Mannschaft ein Spiel. Zwischendurch mal Spazieren oder Joggen gehen, um den Kopf frei zu kriegen, ist nicht erlaubt. "Insofern freue ich mich, dass wir uns langsam auf die Zielgerade bewegen", gibt er zu.

Neun Spiele müssen die Aviators noch absolvieren. Die Chancen, sich für die Playoffs zu qualifzieren, stehen gut. Und das liegt auch an Co-Trainer Machowski. Als er vor zwei Jahren schon einmal im Team arbeitete, scheiterten sie erst im Halbfinale am späteren Meister. In der vergangenen Saison reichte es mit demselben Kader ohne den Berliner nicht für die Playoffs. "Jetzt bin ich wieder in China, auch auf Drängen der Spieler hin", erklärt er. Dass es die Spieler waren, die ihn wieder zurückhaben wollten, mache ihn auch "ein bisschen stolz".

Die Aito-Philosophie in China verbreiten

Fast jede Mannschaft der Liga habe jemanden aus dem Ausland im Trainerstab, der auch die Rolle des Beraters einnehme, sagt Machowski. Der ehemalige Alba-Spieler bringt einen anderen Blick auf den Sport in das chinesische Team. Und es lassen sich ein paar Parallelen zum aktuellen Alba-Coach Aito Garcia Reneses entdecken. Wie der spanische Lehrmeister will auch Machowski erreichen, dass die Spieler auf dem Feld Entscheidungen treffen. "Das heißt für mich, den Chinesen auch einen andere Spielstil näher zu bringen, als sie es gewohnt sind." Wenn sie auf dem Feld situativ entscheiden, was der nächste Schritt ist, sei das Spiel für den Gegner schwerer einzuschätzen. "Ich finde diese Philosophie einfach richtig, dass man mit unterschiedlichen Spielern einen Weg findet, gemeinsam erfolgreich Basketball zu spielen", sagt der 49-Jährige über den Aito-Stil.

"Ich würde gerne bei Alba arbeiten"

Die Entwicklung seines Heimatklubs verfolgt der Berliner, so viel es geht. "Alba ist momentan ja sehr gut aufgestellt. Da sprechen die Erfolge, die Entwicklung und das langfristige, nachhaltige Arbeiten für sich", lobt er. Eine Rückkehr nach Berlin ist für ihn nicht ausgeschlossen. "Natürlich kann ich mir das vorstellen. Ich würde sehr gerne in Deutschland und noch viel lieber bei Alba in Berlin arbeiten", sagt er.

Aber auch eine weitere Saison in China ist für Machowski nicht undenkbar. Denn er wäre kein zweites Mal nach Fernost zurückgekehrt, "hätte ich vor zwei Jahren keine gute Erfahrung hier gemacht". Die Corona-Pandemie macht diesmal allerdings vieles schwieriger. Wenn das Reisen wieder möglich ist oder seine Familie mitkommen würde, zieht er auch eine weitere Saison in China in Betracht. Dann würden wohl in jedem Fall noch einige Tage in Hotelzimmern dazukommen.

Sendung: rbb24, 22.03.2021, 21:45 Uhr

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