Golf als beliebter Individualsport - Ein Loch Abstand

Fr 19.03.21 | 15:55 Uhr | Von Lynn Kraemer
Golfer mit erhobenem Schläger in Brandenburg (Quelle: Imago Images / Camera 4)
Bild: Imago Images / Camera 4

Wer Individualsport macht, ist momentan im Vorteil. In den Berliner und Brandenburger Golfclubs sind die Platzzeiten schnell ausgebucht. Neben passionierten Langzeitgolfern haben auch Familien Golf als Lockdown-Hobby für sich entdeckt. Von Lynn Kraemer

Im Golfclub Berlin Prenden bei Wandlitz (Barnim) werden weiter fleißig Bälle geschlagen. Während die Golfer im ersten Lockdown noch auf ihren Sport verzichten mussten, ist der Platz inzwischen wieder gut gefüllt. Das Publikum ist altersmäßig bunt durchmischt. Der jüngste Golfer ist drei Jahre alt, der älteste Golfer 86 Jahre.

Andrang trotz weniger Löchern

Golfbetriebswirtin Marta Lusawa ist damit beschäftigt, so vielen Sportlern wie möglich das Spiel zu ermöglichen. Denn auf der weitläufigen Anlage sei es zwar einfach, die Abstände einzuhalten, sagt sie, aber durch die aktuellen Regelungen dürften immer nur zwei statt vier Personen zusammen spielen. "Wir haben hier 27 Löcher. Das heißt: einen 18-Loch-Platz und einen Neun-Loch-Platz. Wir haben daraus drei Neun-Loch-Plätze gemacht", erklärt sie. So können immerhin alle zehn Minuten insgesamt sechs Golfer starten.

Bei einigen Mitgliedern haben die verkürzten Löcher zu Unmut geführt. "Für die Leute ist der Weg aus Berlin hier raus für eineinhalb Stunden Golf spielen sehr mühsam", so die Golfanlagenleiterin Marta Lusawa. Das lohne sich bei 18 Löchern eher. Aber für die, die kommen, sei das Golfspiel eine willkommene Abwechslung. "Das ist wirklich eine super Sache für uns", sagt Mitglied Hartmut Kuske. Der Hausarzt kommt aus Bernau mehrmals die Woche zum Spielen vorbei. Über eine App meldet er sich im Voraus an und kann so ohne Kontakt zu anderen Menschen auf den Platz kommen.

Golfvereine gewinnen Mitglieder

Es gibt auch Neueinsteiger wie Familie Scharnweber. Sie haben gemeinsam angefangen Golf zu spielen und nehmen Übungsstunden im Golfclub. Einerseits, weil die Auswahl wegen Corona begrenzt war "und das zweite war, dass wir auch etwas zusammen machen wollten. Das ist halt ein Sport der altersunabhängig ist", sagt Uwe Scharnweber. Der Golfverband Berlin-Brandenburg verzeichnete im letzten Jahr 24.900 Mitglieder. Von Jahr zu Jahr kommen etwa 300 neue Golfbegeisterte dazu.

Der Lockdown macht sich deutschlandweit bei den meisten Golfvereinen positiv in den Zahlen bemerkbar [sportschau.de]. Laut dem Deutschen Golf-Verband gab es 2020 einen Zuwachs von 1,4 Prozent. So viele neue Mitglieder gab es zuletzt 2021. Ein Grund dafür sind die bestehenden Reisebeschränkungen. Da die Golfer aktuell nicht in ihre bevorzugten Urlaubsregionen reisen und spielen können, melden sie sich in ihren heimischen Clubs an.

Gegen das verstaubte Image

Einer der Gründe für das gestiegene Interesse am Golfsport ist für Marta Lusawa der langsam einsetzende Imagewandel. In vielen Köpfen gelte der Sport zwar noch als zu teuer und verstaubt, aber "Golf ist nicht mehr das, was es mal vor 30 oder 40 Jahren war. Golf ist sehr sportlich geworden." Die Profispieler seien athletischer und der Altersdurchschnitt senke sich. Auch das Argument, das Golf zu teuer sei, zählt für Marta Lusawa nicht. Im Golfclub Berlin Prenden zahlen Erwachsene unter 35 Jahren 50 Euro pro Monat. Lusawa vergleicht das mit einer teureren Mitgliedschaft im Fitnessstudio oder beim Crossfit.

"Golf ist eine Emotion und für jeden ist die persönlich", sagt Golfbetriebswirtin Lusawa. Manche ziehe es in die Natur, für andere sei es eine sportliche Herausforderung. Und: "Für den älteren Menschen ist es gesundheitsfördernd. Für die Kinder ist es mittlerweile sehr fesch." Dass viele Menschen durch die aktuelle Situation zum Golf gefunden haben, freut sie.

Sendung: rbb UM6, 24.03.2021, 18 Uhr

Beitrag von Lynn Kraemer

Nächster Artikel