Bob Hanning während eines Spiels der Füchse Berlin. Quelle: imago images/camera4+
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Interview | Füchse-Manager Bob Hanning - "Die Ferraris, die wir auf der Piste haben, müssen jetzt Rennen gewinnen"

Zuletzt lief es in der Bundesliga nicht rund für die Füchse Berlin. Drei Spitzenspiele in Serie gingen allesamt verloren. Dass die Berliner an der Tabellenspitze noch nicht mithalten können, weiß auch Manager Bob Hanning. Trotzdem ist er für die Zukunft positiv gestimmt.

Bob Hanning, die Füchse haben zuletzt alle drei Spitzenspiele verloren (THW Kiel, Rhein-Neckar Löwen, SG Flensburg-Handewitt). Ist der Klub noch nicht bereit, ganz oben und um die Deutsche Meisterschaft mitzuspielen?

Bob Hanning: Ja, das muss man klar sagen. Wir sind in der Tabelle nicht oben dran. Wir haben also auch nicht das Recht, davon zu sprechen, Deutscher Meister werden zu können. Wir haben letztes Jahr den Umbruch im sportlichen Bereich gemacht. Es ist überhaupt keine Frage, dass man große Mannschaften bauen muss. Wenn man das unter wirtschaftlichen Zwängen tun muss, macht das die Sache nicht einfacher. Vom Grundsatz her bin ich aber mit der Entwicklung und der Situation zufrieden.

Sie sind sicherlich trotzdem jemand, der akribisch guckt, sich auf Fehlersuche begibt und nach Verbesserungen schaut. Wo haben zuletzt die Probleme gelegen? Im Auftritt der Mannschaft? Oder was hat der Trainer, was vielleicht der Sportdirektor und was auch der Manager Bob Hanning im Hintergrund dazu beigetragen?

Ich glaube, es ist von allem etwas. Die Führungsspieler haben noch nicht so die Verantwortung übernommen, wie wir es gehofft haben. Ein Paul Drux ist jetzt so viele Jahre bei uns und unterstützt uns seit der Jugend als Vereinsikone. In der Rolle des Kapitäns ist der aber noch nicht ganz angekommen. Fabian Wiede war lange verletzt und hat die Situation noch nicht so erfasst, wie wir uns das wünschen. Das ist die eine Seite. Die zweite Seite ist, dass die Neuzugänge noch nicht das Niveau haben, das wir uns erhofft haben. Aber auch hier gilt es, ein bisschen die Ruhe zu bewahren. Hinzu kommt, dass mir gerade im Spiel gegen die Rhein-Neckar Löwen die Körpersprache gefehlt hat. Es sind also ganz, ganz viele Baustellen.

Was stimmt Sie dennoch positiv?

Ich bin überglücklich, dass wir zum ersten Mal seit neun Jahren alle Ferraris auf der Piste haben. Wir haben im Moment keine verletzten Spieler, sonst haben wir immer darüber geklagt, dass wir mehr Spieler hinter der Bank als auf dem Feld haben. Jetzt muss das Ganze also ein Stückchen wachsen. Wir werden das konstruktiv mit der Mannschaft diskutieren, ich bin kein Freund davon, wenn es nicht läuft, unnötigen Druck zu erzeugen.

Der Trainer der Füchse, Jaron Siewert, ist gerade einmal 27 Jahre jung. Er wurde von Ihnen ganz früh ins kalte Bundesliga-Wasser geworfen, nachdem er zuvor mit dem TUSEM Essen aufgestiegen war. Erinnert er Sie manchmal an den jungen Bob Hanning, der ja auch schon in jungen Jahren als Trainer erste Erfolge gefeiert hat?

Ja, nur das er besser ist als ich (lacht). Das muss ich leider so sagen. Er hat ein unglaubliches Fachwissen, eine starke Analysefähigkeit und vor allem bleibt er ruhig. Wir sind überglücklich, dass wir ihn haben. Was uns und ihm gemeinsam mit Stefan Kretzschmar (Sportvorstand bei den Füchsen; Anm. d. Red) jetzt gelingen muss, ist, dass die Ferraris, die wir auf der Piste haben, jetzt auch Rennen gewinnen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Lars Becker, rbb sport.

Sendung: Inforadio, 05.03.21, 17:15 Uhr

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