Luca Wild testet einen Mitspieler im Klubhaus des Berliner Hockey-Clubs. Quelle: rbb
Video: rbb UM6 | 10.03.2021 | Jonas Schützeberg | Bild: rbb

Berliner Hockey-Club darf wieder trainieren - Ein eigenes Corona-Testzentrum im Klubhaus

Lange Zeit ruhte der Ball beim Berliner Hockey-Club wegen der Pandemie. Kurz vor dem Wiederbeginn der Bundesliga-Saison darf jetzt aber wieder trainiert werden. Die nötigen Corona-Tests werden vor den Einheiten im Klubhaus abgenommen - von Mitspielern.

Lampen über dem Tresen beleuchtet den ansonsten düsteren Raum. Im schummrigen Licht, das stark an den letzten Kneipenbesuch vor dem Lockdown erinnert, kleidet sich Luca Wild ein. Weiße FFP2-Maske, hellblauer Schutzkittel, violette Einmalhandschuhe. Vor ihm auf dem Tisch liegen Corona-Schnelltests. Diese wird der 25-Jährige jetzt der Reihe nach anwenden - bei seinen Mannschaftskollegen. Wild ist beruflich operationstechnischer Assistent und Spieler in der Bundesliga-Mannschaft des Berliner Hockey-Clubs. Das Team durfte, wie auch die Frauen-Bundesliga-Mannschaft des BHC, vor kurzem dank einer Sondergenehmigung wieder mit dem Trainingsbetrieb starten. Die dafür notwendigen regelmäßigen Corona-Tests führt Luca Wild gemeinsam mit Mannschaftskollege Tom Nesselhauf durch - im Klubhaus des BHC.

"Solange wir Hockey spielen dürfen, mache ich alles"

"Wir haben einen Tag vor dem ersten Training erfahren, dass wir die Sondergenehmigung bekommen", erzählt Luca Wild, Sohn des ehemaligen Hockey-Nationalspielers Andreas Keller und der Hockey-Olympia-Silbermedaillengewinnerin Anke Wild. "Dann wurde gefragt, wer die Corona-Tests abnehmen darf, wer eine medizinische Ausbildung hat. Da habe ich schnell 'ja' gesagt", erklärt er lachend, wie er zu seinem "neuen Job" vor jedem Training gekommen ist. "Solange wir Hockey spielen dürfen, mache ich alles", sagt Wild. Vor den Einheiten kommt er jetzt immer etwas früher, bereitet sich vor und nimmt dann die Tests seiner Mannschaftskollegen ab.

Lange Zeit konnte der BHC überhaupt nicht trainieren, die Spieler mussten sich individuell fit halten. Dass sie jetzt dank der Sondergenehmigung wieder auf den Platz dürfen, freut nicht nur Luca Wild sehr: "Wir spielen alle Hockey, weil es ein Teamsport ist", sagt er. "Deswegen sind wir hier. Du kannst so viel Laufen gehen, wie du willst. Am Ende zählt, wie viel du am Stock kannst. Ein gemeinsames Training ist deshalb essenziell".

Training in Brandenburg war eine Überlegung

Essenziell ist das Teamtraining auch, weil bereits in rund zwei Wochen der Spielbetrieb in der Hockey-Bundesliga wieder aufgenommen wird. Schon seit rund vier Monaten ruht der Ball, die Hallensaison in diesem Winter musste komplett abgesagt werden. Berlin war eins der wenigen Bundesländer, in dem das Mannschaftstraining bis vor kurzem untersagt war - obwohl der BHC in der höchsten deutschen Spielklasse antritt und für die Topathleten im Sommer die Olympischen Spiele anstehen.

Aufgrund des Trainingsverbots in der Hauptstadt hatte der Klub schon in Betracht gezogen, in Brandenburg zu trainieren - das wäre erlaubt gewesen. "Die Taskforce der Bundesliga erwartet, dass man mit zwei Wochen Vorbereitung in die Liga startet", erklärt BHC-Trainer Rein van Eijk. Am letzten Montag kam dann allerdings die für den BHC erlösende Nachricht: Dank des Testkonzepts darf die Mannschaft wieder mit dem Training beginnen und muss nicht ins angrenzende Bundesland ausweichen.

Immerhin knapp drei Wochen Vorbereitung bleiben den Berlinern, trotzdem hat das Team vor dem Wiederbeginn der Saison einen Nachteil bei der Vorbereitung. Die anderen Teams können schon seit einer Weile wieder trainieren, in Baden-Württemberg und Hamburg durften die Mannschaften sogar die ganze Zeit über gemeinsam aufs Feld.

Tests bedeuten ungeplante Ausgaben für den BHC

Beschweren will sich der BHC aber nicht. Der Klub ist froh, dass die Saison überhaupt fortgesetzt werden kann. Die Gedanken, dass die Spielzeit wegen der Infektionslage erneut abgebrochen werden könnte, kann Luca Wild aber nicht vollständig verdrängen. "Das hat man schon ein bisschen im Hinterkopf. Ich war auch zunächst sehr skeptisch, weil ich die Pandemie-Situation im Krankenhaus immer direkt miterlebe", sagt Wild, der in den letzten Monaten auch in der Pflege auf Corona-Stationen ausgeholfen hat. "Mit der Teststrategie, die wie jetzt haben, könnte es aber klappen", meint er.

Die Teams müssen vor jedem Training und vor jedem Spiel auf das Virus getestet werden. Noch kommt der BHC für die Kosten selbst auf, hofft aber auf Unterstützung vom Verband. "Das ist für uns eine extrem hohe Ausgabe", sagt Trainer van Eijk. "Damit haben wir nicht gerechnet. Man muss bedenken, dass wir normalerweise schon Schwierigkeiten haben, neue Bälle zu organisieren. Hinzu kommt, dass die Jungs sehr diszipliniert sein müssen, keine anderen Leute treffen dürfen. Es ist schon viel. Wenn man dafür Sport machen darf, lohnt sich das aber", meint van Eijk. Durch die Tests sollen mögliche Infektionen früher erkannt und ein Hockey-Spielbetrieb, bei dem Körperkontakt nicht zu vermeiden ist, ermöglicht werden.

Luca Wild kommt deshalb gerne ein bisschen früher zum Training und testet seine Teamkollegen. Im schummrigen Licht des Klubhauses.

Sendung: rbbUM6, 10.03.21, 18:00 Uhr

1 Kommentar

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  1. 1.

    Sportvereine machen es vor, wie es eigentlich in Schulen und Betrieben laufen sollte. Nun gut, Aldi verkauft ja auch Tests, und das Impfen übernimmt Amazon. In einer Woche sind alle durchgeimpft. Mit Prime sogar schon Mittwoch....

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