Kanute Ronald Rauhe beim Training auf der Havel (Quelle: Imago Images / tagesspiegel / Kitty Kleist-Heinrich)
Imago Images / tagesspiegel / Kitty Kleist-Heinrich
Audio: Inforadio | 30.03.2021 | Dörthe Nath | Bild: Imago Images / tagesspiegel / Kitty Kleist-Heinrich

Interview | Kanute Ronald Rauhe - "Wir versuchen, uns von Meilenstein zu Meilenstein zu hangeln"

Die nachgeholten Olympischen Spiele im Sommer sollen für den Kanuten Ronald Rauhe die sechsten und letzten Spiele werden. Im Interview spricht der Berliner Olympiasieger über den Abschied vom Spitzensport, neue Unsicherheiten und die mentale Vorbereitung.

rbb|24: Herr Rauhe, haben Sie heute schon im Boot gesessen?

Ronald Rauhe: Nein (lacht). Ich bin gerade aufgestanden und würde mich dann gleich bereit machen. Ein paar Jungs warten um 8:30 Uhr auf mich, um zu paddeln.

Die Spiele in Tokio im Sommer werden ihre letzten Olympischen Spiele sein. Die stellt man sich wahrscheinlich etwas anders vor. Natürlich mit Medaillen, aber auch mit Jubel. Jetzt werden ausländische Zuschauer nicht zugelassen, und ob überhaupt welche da sind, steht auch noch nicht fest. Was bedeutet das für Sie in der Vorbereitung?

Die Entscheidung, die getroffen wurde, ist natürlich schade. Dass keine Zuschauer teilnehmen dürfen, ist für uns aber nicht essentiell. Dass wir überhaupt davon ausgehen können, dass Olympische Spiele stattfinden, ist für uns das Allerwichtigste.

Natürlich wäre es, gerade bei mir, schön gewesen, mich nochmal vor jubelndem Publikum zu verabschieden. Aber ich glaube für junge Sportler, für die es das erste Mal ist, ist es genauso schlimm. Aber wir sind alle froh, dass wir überhaupt die Möglichkeit haben nach Tokio zu fahren und dort um Medaillen zu kämpfen.

Jetzt sind Sie mitten im Training und waren in den Wintermonaten schon in der Türkei im Trainingslager. Wie funktioniert das denn alles unter Corona-Bedingungen?

Das ist nicht immer einfach. Wir haben höchste Auflagen zu erfüllen. Für den Schutz von uns selbst, aber natürlich wollen wir auch als Vorbilder vorangehen und wirklich aufmerksam damit umgehen. Wir müssen eine ganze Reihe von Tests absolvieren, wenn wir ins Trainingslager fahren.

Wenn wir dann da sind, ist es tatsächlich so, dass wir eigentlich nur vom Zimmer zum Trainingsort, also zum Wasser, pendeln. Wir setzen uns also wirklich keinerlei Kontakten aus. Wir hatten in der Türkei das Glück, dass wir einen Ort gefunden haben, wo wir wirklich fast isoliert waren. Daher war es dort auch gut möglich.

Aber das ist natürlich auch eine Herausforderung, immer Situationen für uns zu schaffen, die einigermaßen sicher sind und zulassen, auf höchstem Niveau zu trainieren. Wir haben immer wieder neue Situationen, auf die wir uns einrichten müssen. Immer wieder werden Dinge gestrichen und neu koordiniert.

Was heißt das denn für Sie als Spitzensportler, wenn da so viel Unsicherheit drin ist und sich Dinge tagtäglich verändern. Was heißt das für Ihr Training?

Das ist natürlich für einen Profisportler, wo normalerweise jeder Tag bis zu den Olympischen Spielen durchgetaktet ist, nicht so einfach. Was wir gelernt haben ist, dass wir uns mit neuen Situationen arrangieren müssen.

Und ich glaube, die Leute, die bei den Olympischen Spielen ganz oben stehen werden, haben dann nicht nur beweisen, dass sie gut im Sporttreiben sind, sondern auch dass sie psychisch sehr stark sind und sich mit der Situation zurechtgefunden haben. Also wir müssen tatsächlich Kopfarbeit leisten. Das ist nicht immer so einfach, aber wir versuchen, uns von Meilenstein zu Meilenstein zu hangeln.

Wie gut fühlen Sie sich da momentan von den Sportverbänden umsorgt? Also vom Kanuverband und dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB)?

Es ist nicht immer einfach. Für alle Beteiligten ist es eine neue Situation. Es sind immer wieder neue Situationen. Natürlich wünschen wir uns da manchmal, mehr Unterstützung zu haben, aber wir sind im Moment auf einem guten Weg.

Wir haben zum Beispiel vom DOSB jeden Monat einen Team-Deutschland-Call mit allen deutschen Teilnehmern, wo wir immer auf den neusten Stand gebracht werden, was die Olympischen Spiele betrifft, auch was zum Beispiel die Impf-Thematik betrifft. Alle Themen, die uns momentan bewegen, werden dort auch von offizieller Seite immer besprochen. Da versucht man im Moment auch viel für uns zu tun, dass wir einfach offen kommunizieren und gemeinsam mit der Situation umgehen können.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Dörthe Nath für Inforadio. Der Text ist eine redigierte und leicht gekürzte Fassung. Das ganze Gespräch können Sie hören, wenn Sie im Bild auf das Player-Symbol drücken.

Sendung: rbb Inforadio, 30.03.2021, 7:25 Uhr

1 Kommentar

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 1.

    So leid es mir für die Sportler tun würde, aber es ist in der jetzigen Zeit nicht vertretbar, das Olympia stattfindet. Man hätte es absagen müssen! Aber der Kommerz hat gesiegt.

Nächster Artikel