Grischa Prömel freut sich nach Tor gegen den SC Freiburg (Quelle: Imago Images / Matthias Koch)
Bild: Imago Images / Matthias Koch

Interview | Union-Spieler Prömel vor Derby - "Wir alle haben mit Fußball angefangen, um solche Spiele zu spielen"

Der Countdown auf das Berlin-Derby läuft. Union-Spieler Grischa Prömel erzählt im Interview, was das Team aus dem 2:5 gegen Frankfurt mitgenommen haben, wie er Hertha einschätzt und was ihm das Derby bedeutet.

rbb|24: Herr Prömel, bevor wir aufs Derby blicken, schauen wir auf die Niederlage gegen Frankfurt. Wie ist die Aufarbeitung gelaufen und wie gehen Sie jetzt mit dem aus dem Spiel Gelernten um?

Grischa Prömel: Wir haben das Spiel aufgearbeitet, wie wir jedes Spiel aufarbeiten: mit einer Videositzung, die vielleicht ein bisschen länger ging, weil einfach viel anstand. Gerade zur ersten Halbzeit wurde angesprochen, dass wir die Gegentore einfach zu leicht bekommen haben. Da haben wir nicht konsequent genug verteidigt und nicht unser Gesicht gezeigt, wofür wir als Spieler auf dem Platz stehen.

Nichtsdestotrotz war nicht alles schlecht bei dem Spiel. Wir haben uns extrem viele Chancen rausgespielt. Ich glaube, das sieht man auch an der Torchancenstatistik. Da müssen wir einfach effektiver werden. Die letzte Entschlossenheit, die Kaltschnäuzigkeit müssen wir wieder zurückerlangen, um wieder Punkte zu sammeln.

Der 1. FC Union Berlin geht als Favorit ins Derby am Ostersonntag. Zwar haben Sie das letzte Spiel verloren und die Hertha hat gewonnen, aber die Tabellensituation macht das natürlich klar. Allerdings tut sich Union auch häufig schwer gegen die Hertha. Wie bereiten Sie sich auf das Derby vor?

Jetzt sind wir erstmal in der Länderspielpause und haben viele Abstellungen. Wir trainieren zurzeit mit einem bisschen kleineren Kader. Nichtsdestotrotz merkt man so langsam, dass es aufs Derby zugeht. Da wissen wir natürlich, dass wir ein bisschen was gutzumachen haben. Das Hinspiel ist nicht so verlaufen, wie wir uns das vorgestellt haben. Deswegen werden wir uns dementsprechend mit Hertha auseinandersetzen.

Sie sind schon ein paar Jahre in Berlin. Wie haben Sie denn die bisherigen Derbys gegen Hertha erlebt?

Ich glaube, alle Unioner erinnern sich gerne an das Derby hier zu Hause mit voller Hütte und einem Last-Minute-Sieg zurück. Etwas Schöneres kann man sich gar nicht vorstellen. Daher hätte ich nichts dagegen, wenn wir das nochmal wiederholen könnten. Leider fehlen dazu die Zuschauer, aber in erster Linie geht es natürlich ums richtige Ergebnis.

Wie sehr vermissen Sie die Fans in einem so wichtigen Spiel gegen den Stadtrivalen?

Unglaublich. Aber nicht nur, weil das Derby ansteht, sondern auch im Allgemeinen. Das weiß ja mittlerweile jeder, dass die Stimmung bei Union immer grandios war. Ich glaube, ich habe es schon oft genug gesagt: So richtig kann man sich damit nicht anfreunden, dass die Ränge leer sind. Wir alle fiebern dem Tag entgegen, an dem die Türen und Tore wieder geöffnet werden und zumindest ein Teil wieder ins Stadion kann.

Dann sprechen wir mal über die Hertha. Wie schätzen Sie die letzten Spiele und die bisherige Saison von Hertha BSC ein?

Man muss schon sagen, dass Hertha Qualität in ihren Reihen hat. Das hat man zum Beispiel auch gegen Leverkusen gesehen. Sie spielen natürlich eine Saison mit vielen Höhen und Tiefen, die sie sich nicht vorgestellt haben. Deswegen bin ich gespannt, was für ein Spiel es wird.

Was müssen Sie machen, um die angesprochene Qualität in den Griff zu kriegen, die Hertha in der Theorie vorne drin hat?

Wir müssen einfach konsequent verteidigen und eine gute Organisation haben. Auch ein bisschen davon umsetzen, was wir jetzt aus dem Frankfurt-Spiel mitgenommen haben. Dass wir unser Gesicht zeigen, unsere Kompaktheit. Darüber kommen wir. Dieses geschlossene Spiel zeichnet Union jetzt schon über ein paar Jahre aus. Dass ein klarer Plan da ist und sich jeder an den Plan hält.

Wir sind eine Mannschaft, die kommt übers Team. Jeder haut rein, nimmt Zweikämpfe an. Und wenn wir uns an die Basics halten, die wir ausgemacht haben, sind wir schwer zu bespielen. Dann stehen wir kompakt und sind offensiv immer für ein Tor gut.

Ihr Trainer Urs Fischer ist für seine Ruhe bekannt. Wie bringt er die Motivation vor so einem Derby dann genau auf den Punkt, den man braucht, um im Spiel dann mit 100 Prozent da zu sein?

Da ist der Trainer gar nicht unbedingt ausschlaggebend für. Wir alle haben mit Fußball angefangen, um solche Spiele zu spielen. Es gibt nichts Größeres, als im Derby aufzulaufen. Deswegen braucht es da gar nicht so viel Extramotivation. Ich bin mir sicher, die wird trotzdem kommen, aber in erster Linie muss da jeder versuchen, sich bestmöglich vorzubereiten.

Spielen Sie von Anfang an?

Das kann ich jetzt noch nicht sagen. Aber die Unioner wissen, was sie dann von mir bekommen: viel Herzblut, viel Leidenschaft und hoffentlich dann auch drei Punkte.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Lukas Scheid. Es handelt sich um eine gekürzte und leicht redigierte Fassung.

Sendung: rbb UM6, 23.03.2021, 18 Uhr

2 Kommentare

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  1. 2.

    Sie meinen "Müll" wie von Maximilian Mittelstädt geäussert: "Für uns, für den Verein, für die ganze Stadt wollen wir dieses Spiel gewinnen." Nee, is klar, für die GANZE Stadt will M.M. das Spiel gewinnen?!

    Und was bitte bringt zu der Annahme, dass Andrich und Lenz "aussortiert" wurden, KE?! Andrich ist nach wie vor einer der wichtigsten Spieler im Union Kader - und Lenz, der lange an Verletzungen laboriert hat, ist immerhin so "schlecht", dass er zur nächsten Saison vom Champions League Kandidaten Eintracht Frankfurt verpflichtet wird . . .

    Sie sollten sich wirklich darum bemühen, etwas weniger lächerlich zu kommentieren, KE.

  2. 1.

    Das ist ja ein richtig angenehmes Interview. Aufs Derby einstimmen, ohne Müll zu reden. Aber der Herr Prömel muss ja als Nicht-Aussortierter auch nicht nachtreten wie Andrich und Lenz. Die können sich mal ne Scheibe abschneiden von ihrem Mannschaftskollegen.

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