Claus-Dieter Wollitz 2019 nach einem Spiel von Energie Cottbus. Quelle: imago images/Fotostand
Video: rbbUM6 | 19.03.21 | 18:00 Uhr | Uri Zahavi | Bild: imago images/Fotostand

Interview | Ex-Energie-Trainer Claus-Dieter Wollitz - "Ich hoffe, dass Cottbus eine neue Chance bekommt"

2019 verließ Claus-Dieter Wollitz Energie Cottbus. Nach einem kurzen Engagement in Magdeburg ist er nun seit neun Monaten vereinslos. Seinen Abgang aus der Lausitz bezeichnet er mittlerweile als Fehler. An die Seitenlinie möchte er bald zurückkehren.

rbb: Sie haben Energie Cottbus vor rund zwei Jahren verlassen. Mit etwas Abstand: Was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie an die Zeit zurückdenken?

Claus-Dieter Wollitz: Sehr vieles. Es war eine schöne, aber auch traurige Zeit. Wir haben den Landespokal zusammen gewonnen und sind in der Relegation 2018 Meister geworden und in die Dritte Liga aufgestiegen. In Braunschweig sind wir 2019 wegen eines Tors in die Regionalliga abgestiegen. So was liegt im Fußball nah beieinander. Cottbus war etwas Außergewöhnliches. Ich habe jetzt noch zu vielen Spielern von damals Kontakt, wir tauschen uns regelmäßig aus. Wir waren weiterhin auf einem guten Weg. Es wurde nur alles intern sehr negativ und bösartig hinterfragt. Deswegen habe ich mich dazu entschieden, das zu beenden. Im Nachhinein kann ich sagen, dass das ein großer Fehler war. Ein Verein wie Cottbus muss aber geschlossen auftreten. Ich hoffe und glaube, dass sie jetzt nochmal eine neue Chance bekommen. Das wünsche ich dem Klub und der Region. Sie hat mehr verdient als das, was man teilweise bekommt.

Sie haben damals wenige Tage nach Ihrem Abgang einen Vertrag beim 1. FC Magdeburg unterschrieben. Dieses Angebot hatte nichts mit Ihrem Abschied aus Cottbus zutun?

Nein, der damalige Präsident Werner Fahle wusste, welche Angebote ich hatte. Das waren andere als aus Magdeburg. Die Unruhen bei Energie wurden aber einfach immer mehr. Ich habe dann mit Herrn Fahle die Vereinbarung getroffen, dass wir den Vertrag auflösen wollen. Es war eigentlich so, dass mit Herr Fahle einen Zweijahresvertrag angeboten hatte, ich dem auch zugestimmt hatte, dieser mir aber nie schriftlich vorgelegt wurde. Ich wollte um zwei Jahre verlängern. Nach der Trennung kam dann der Anruf aus Magdeburg. Danach ging es sehr schnell.

Was trauen Sie Energie in Zukunft zu?

Ich kenne zwei Personen aus dem neuen Vorstand sehr gut. Präsident Sebastian Lemke und Vizepräsident Hagen Ridzkowski. Das sind Leute, die für die Region stehen, die bodenständig und beide sehr gute Unternehmer sind. Das, was ich lese und mitbekomme, hört sich sehr positiv an. Ich hoffe, dass es bei einem Neustart der Regionalliga ein gutes Ende gibt und man positiv in die Sommerpause gehen kann. Es muss dann eine Mannschaft gebildet werden, die die Menschen mittelfristig mitreißen kann.

Ihr Engagement in Magdeburg dauerte nur nur ein halbes Jahr, Sie sind jetzt seit ungefähr neun Monaten ohne Trainerjob. Sie waren immer ein sehr emotionaler Coach. Wo lassen Sie im Moment die Energie raus?

Ich kann schon abschalten, wenn ein Spiel vorbei ist. Viele Menschen denken, ich bin den ganzen Tag so emotional - das ist nicht der Fall. Während einer Partie lebe ich das Spiel. Ich leide dann mit meinen Spielern. Man lernt aber mit den Jahren und wird reifer und so auch ruhiger. Ich gehe gerne spazieren und lese viel. Außerdem gucke ich weiterhin viele Fußballspiele: Regionalliga, Dritte Liga, Bundesliga und die europäischen Wettbewerbe. Es ist jetzt natürlich ein bisschen schwieriger. Auch, weil wir nicht in die Stadien können.

Wie konkret sehen Ihre Zukunftspläne aus, auch wieder eine Mannschaft zu trainieren?

Ich stehe ja noch unter Vertrag, mache aber keinen Hehl daraus, dass ich lieber arbeite, als auf etwas zu warten. Ich hatte zwei Möglichkeiten, letztendlich hat es da aber nicht gepasst. Konkret weiß ich nicht, was in den nächsten Monaten passiert. Ich werde sicherlich wieder an der Linie stehen. Das ist meine Liebe, ich habe das jahrzehntelang gemacht und glaube, dass ich das auch kann. Corona macht es nicht einfach, ich bin aber optimistisch und zuversichtlich. Ich gehe davon aus, dass ich am 1. Juli wieder auf einer Trainerbank sitze (grinst).

Werfen wir zum Abschluss noch einen Blick auf einen Ihrer anderen Ex-Vereinen - Hertha BSC. Seit 2019 engagiert sich Lars Windhorst als Investor im Klub, derzeit geht es in der Bundesliga gegen den Abstieg. Wie blicken Sie auf diese Situation?

Es ist schön, dass der Hauptstadtklub solche finanziellen Möglichkeiten bekommen hat. Ich glaube auch, dass sie sehr viele gute Spieler geholt haben. Es sind aber Einzelspieler. In einigen Spielen sieht man, dass es als Mannschaft nicht gut funktioniert. Pal Dardai kann das aber zusammenführen. Er lebt Hertha und Berlin. Es ist wichtig, dass der Klub aus der Situation mit einem blauen Auge davonkommt. Der Verein hat die Möglichkeit, mit den richtigen Entscheidungen, ein richtig guter Klub zu werden.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Uri Zahavi, rbb sport. Es handelt sich um eine gekürzte und redigierte Fassung.

Sendung: rbbUM6, 18.03.21, 18:00 Uhr

2 Kommentare

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  1. 1.

    Fußball......gut das wir derzeit keine anderen Sorgen haben.

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