Turbine-Trainer Sofian Chahed - Der große Bruder aus Berlin

Turbine-Trainer Sofian Chahed (Quelle: Imago Images / Fotostand / Reuhl)
Bild: Imago Images / Fotostand / Reuhl

Seit dieser Saison ist Sofian Chahed Cheftrainer bei Turbine Potsdam. Für seine Mannschaft hat der Ex-Herthaner ein klares Ziel: vom Entwicklungsverein zum Champions-League-Kandidaten. Von Lynn Kraemer

Von seinen letzten Stationen ist Sofian Chahed etwas andere Trainingsbedingungen gewohnt. Als er niemanden fragen musste, ob der Platz noch frei ist und er mit seiner Mannschaft einfach spielen konnte. Bei Turbine Potsdam ist das etwas anders. Der 37-Jährige soll als Cheftrainer an den entscheidenden Schritten zur Professionalisierung mitarbeiten.

Neue Trainingsansätze

Bevor er nach Potsdam kam, hatte der gebürtige Berliner keine Berührungspunkte mit dem Frauenfußball. Als er in der Jugendarbeit bei Hertha BSC nicht weiterkam, entschied er sich für den Wechsel: "Ich habe mich dann bewusst für den Frauenfußball entschieden, weil ich gesagt habe, für mich in meiner Trainerkarriere ist das der nächste Schritt." Mit der Mannschaft komme er gut klar.

Im Vergleich zur Arbeit mit den Jungen- und Männermannschaften gibt es aber Unterschiede. "Zwischenmenschlich muss man ein bisschen mehr kommunizieren, aber das bringt mich als Trainer auch weiter", erklärt Chahed. So mache er sich in jeder einzelnen Trainingseinheit mehr Gedanken. Und auch bei den Trainingsinhalten musste er umdenken: "Man muss individueller sein, weil die Grundausbildung der Mädchen, die aus dem Jugendbereich hochkommen, nicht so ist, wie bei den Jungs. Da wird viel, viel intensiver an allem gearbeitet."

Hilfe aus Berlin

Neben Sofian Chahed ist auch ein Finanzpaket von Hertha BSC bei den Potsdamerinnen angekommen. Der Berliner Erstligist unterstützt den Verein für drei Jahre. "Es ist so, dass Hertha BSC als großer Bruder aus der Hauptstadt Turbine Potsdam so ein bisschen unter die Arme greift", erklärt Chahed. Seine Anstellung gehöre nicht dazu, aber beispielsweise eine Social-Media-Zusammenarbeit.

Momentan wird die Bundesliga der Frauen von Wolfsburg und Bayern München dominiert. Turbine will den Anschluss nicht weiter verlieren, aber trotzdem nicht einfach in einen großen Club eingegliedert werden: "Wir sind da wirklich am Kämpfen, am Tun, am Machen, damit wir auch eigenständig bleiben." Als reiner Frauenfußballclub und Traditionsverein hätten sie schließlich ein Alleinstellungsmerkmal, meint Chahed. "Aber ohne die Unterstützung von Hertha BSC wäre es momentan auch schwer für uns."

Hohe Ziele

Auch unabhängig von der Kooperation hält Sofian Chahed den Kontakt zu Hertha weiter aufrecht. So tauscht er sich beispielsweise mit Mitgliedern des aktuellen Trainerstabs wie Andreas Neuendorf aus: "Mit Zecke schreibe ich ab und zu. Der hat das Spiel gegen Leverkusen gesehen und mir geschrieben, dass man so ein Spiel nur einmal verliert. Da hat er recht hoffentlich."

Denn eines der Ziele von Turbine Potsdam ist die Champions-League-Teilnahme. Ab dieser Saison qualifiziert sich auch der Tabellendritte. "Ich glaube, fürs Image wäre es schon wichtig, wenn wir es innerhalb der nächsten Jahre mal schaffen würden", sagt Chahed. Auch für dieses Jahr wäre es theoretisch möglich. Allerdings besetzt Hoffenheim inzwischen mit fünf Punkten Vorsprung den dritten Platz, während Turbine zumindest zwischenzeitlich schwächelte. Erst gegen den Tabellenvorletzten SC Sand konnten die Potsdamerinnen ihre Sieglos-Serie brechen.

Mit Vertrauen und Ehrgeiz

Sollte es in dieser Saison nicht passen, setzt der 37-Jährige auf die nächste. "Man muss geduldig sein und man lernt mit dieser Geduld umzugehen. Aber trotzdem muss man auch mal erwarten, dass es irgendwann umgesetzt wird." Sie müssten ihre Hausaufgaben machen und reifer in die Spiele gehen.

Chahed will in den kommenden Jahren bei Turbine bleiben und versuchen, "alles so professionell wie möglich aufzubauen und so erfolgreich wie möglich zu sein mit den Mädels und mit dem Verein." Zu seiner Vision gehört auch ein eigenes Trainingsgelände, das eine noch bessere Trainingsumgebung ermöglicht. Dazu fehlen aber bisher der richtige Platz und die finanziellen Mittel. Bis es die gibt, wird Sofian Chahed weiter daran arbeiten, Turbine Potsdam vom Luftschiffhafen an die Spitze zu bringen.

Sendung: Inforadio, 18.03.2021, 10:45 Uhr

Beitrag von Lynn Kraemer

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