Saisonverläufe bei Hertha und Union - Was seit dem vorigen Derby geschah

Di 30.03.21 | 06:06 Uhr | Von Lukas Scheid
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Jubel nach dem Tor zum 1:1 durch Peter Pekarik / IMAGO / Camera 4
Audio: Inforadio | 29.03.2021 | Lukas Scheid | Bild: IMAGO / Camera 4

Am Ostersonntag steigt das vierte Hauptstadt-Derby in der Fußball-Bundesliga. Beim vorigen Aufeinandertreffen zwischen Union und Hertha Anfang Dezember gingen die Charlottenburger als Sieger vom Platz. Seitdem ist viel passiert. Von Lukas Scheid

Nach dem vorigen Berlin-Derby am 4. Dezember blickte man im Olympiastadion in erleichterte Gesichter über blau-weißen Trikots. Hertha BSC hatte sich gerade nach einem schweren Spiel und zwischenzeitlichem Rückstand mit 3:1 gegen den Stadtrivalen 1. FC Union durchgesetzt. Nach dem verkorksten Saisonstart hoffte Hertha-Trainer Bruno Labbadia auf die Wende: "Das kann für uns eine Initialzündung sein. So ein schwieriges Spiel haben wir noch nicht gewonnen."

Lange Gesichter dagegen in den roten Trikots. Union war die bessere Mannschaft und hatte mit 1:0 geführt, doch mit der roten Karte für Robert Andrich leiteten die Köpenicker ihre zweite Saisonniederlage selbst ein. "Niederlagen gehören zum Sport. Das muss man akzeptieren – auch wenn es schwerfällt", kommentierte Union-Coach Urs Fischer nach dem Spiel.

Furioses Union in der Hinrunde

Er hat es offenbar schnell akzeptiert und seine Mannschaft ebenfalls. Denn Union startete nach der Derbypleite eine furiose Serie. Unentschieden gegen den FC Bayern und den VfL Wolfsburg, Heimsiege gegen Borussia Dortmund und Bayer Leverkusen – Union war die Mannschaft der Hinrunde. Zwischenzeitlich waren die Eisernen sogar auf Tuchfühlung mit den Champions League-Plätzen.

Von der Qualifikation für die Königsklasse oder die Europa League wollte man an der Alten Försterei allerdings nichts wissen. Auf die Saisonziele angesprochen, antwortete Fischer immer gleich: Das Ziel sei der Klassenerhalt. Dass dieser mit jedem Punktgewinn wahrscheinlicher wurde und der Abstiegskampf mit jedem Sieg in weitere Ferne rückte, war unerheblich. In Köpenick blieb man auf dem Teppich und konzentrierte sich auf das nächste Spiel.

Hertha: "Wir haben fast geweint"

Ganz anders die Situation bei der Hertha: Die von Labbadia erhoffte Initialzündung blieb nach dem Derbysieg aus. In den acht Spielen nach dem Derby fuhren die Charlottenburger nur einen Sieg ein – gegen den schon damals abgeschlagenen Tabellenletzten Schalke 04. Woche für Woche wuchs die Kritik an Labbadias mangelnden Fähigkeiten, die Mannschaft zu einer Einheit zu schmieden. Außerdem geriet der langjährige Hertha-Manager Michael Preetz mehr und mehr ins Kreuzfeuer, er habe planlos und für viel Geld die falschen Spieler zusammengekauft. Nach der 1:4-Heimniederlage gegen Werder Bremen zog der Verein schließlich die Notbremse. Labbadia und Preetz mussten gehen.

Sportdirektor Arne Friedrich übernahm statt Preetz, auf der Trainerbank nahm wieder einmal Pál Dárdai Platz. Mit zwei lebenden Hertha-Ikonen sollte die sportliche Talfahrt aufgehalten werden. Doch das missglückte. Vier Niederlagen in fünf Spielen: Hertha war angekommen im Abstiegskampf. Im sechsten Spiel nach Dárdais Rückkehr war die Erleichterung umso größer. Das 2:1 gegen den FC Augsburg war ein höchstemotionaler Arbeitssieg. "Wir haben fast geweint", gestand Lukas Klünter anschließend.

Union will zurück auf die Erfolgsspur, Hertha kommt mit Rückenwind

Hertha hatte sich nach langer Durststrecke zurückgemeldet und spätestens zwei Wochen später beim verdienten 3:0-Erfolg gegen Leverkusen gezeigt, dass man in Charlottenburg auch Abstiegskampf kann. Dárdai nannte es ein "tolles Ergebnis", um in die Länderspielpause zu gehen - und meinte damit sicher auch, dass man mit Rückenwind zum Derby nach Köpenick fahren kann.

Union dagegen ließ zuletzt etwas Federn im unerwarteten Kampf um die europäischen Plätze – zuletzt mit nur zwei Siegen in zehn Spielen. Besonders ernüchternd für Urs Fischer war die 2:5-Niederlage bei Eintracht Frankfurt: "Da siehst du mal, wo du stehst. Die erste Liga ist kein Wunschkonzert."

Das Hauptstadtderby kommt für Union wie gerufen, um den Ergebnistrend der letzten Wochen zu korrigieren und in die Erfolgsspur der Hinrunde zurückzufinden. Doch Urs Fischer wird gewarnt sein, denn Pál Dárdai kommt mit einer wiedererstarkten Hertha an die Alte Försterei.

Sendung: rbb24, 29.03.2021, 21:45 Uhr

Beitrag von Lukas Scheid

3 Kommentare

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  1. 1.

    Lange Rede, kurzer Sinn:
    Wie die Saison für Hertha BSC und für die Anderen bisher lief ist völlig egal, Derby ist Derby mit seinen eigenen Gesetzen.
    5€ für das Phrasenschwein ;-)

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