Streli Mamba (Energie Cottbus) hebt mit dem Fußball ab (Quelle: Imago Images / Fotostand / Weiland)
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Ex-Cottbus-Spieler Streli Mamba - "Wer in der 3. Liga in Deutschland spielt, kann alles spielen"

Die Liste der Fußball-Stationen von Streli Mamba ist lang und chaotisch. Bei Energie Cottbus gelang ihm der Durchbruch. Für Mamba war es die "beste Zeit meiner Fußballerkarriere". Danach ging es in die Bundesliga und ins Ausland. Von Lynn Kraemer

Wenn Streli Mamba alle Vereine aufzählen müsste, für die er je gespielt hat, wäre er etwas länger beschäftigt. Der wohl wichtigste Auszug aus dieser Liste sind der FTSV Kuchen, der VfB Stuttgart, Energie Cottbus und der SC Paderborn 07. Seit Januar gehört auch der Club Qairat Almaty aus Kasachstan dazu.

Ohne die Medaillensammlung eines Kindheitsfreundes wäre die Liste wohl nie so lang geworden: Denn den Traum "Fußballprofi" hatte Streli Mamba erstmal nicht.

Medaillenträume

Als kleiner Junge spielte Mamba zwar auf dem Schulhof, aber nicht im Verein. Der Besuch im Kinderzimmer eines Freundes änderte das: "Er hatte ziemlich viele Medaillen und ich wollte auch welche haben." Dass es nur Bronze, Silber oder Teilnehmermedaillen waren, habe er gar nicht gemerkt. "Für mich sah das einfach nur brutal aus. Ich habe noch nie jemanden gesehen, der so viele Medaillen hat", sagt der 26-Jährige mit einem Lachen. Also fing er aus Spaß an, beim FTSV Kuchen (Göppingen, Baden-Württemberg) und dann beim SV Ebersbach zu kicken.

Der erste Schritt in Richtung Profikarriere ergab sich, als er mit zwölf Jahren einem Scout vom VfB Stuttgart auffiel. Doch auch da hatte er noch keinen großen Drang Profi zu werden. "Ich habe das einfach nicht so ernst genommen und habe mein Umfeld auch schon vermisst: einfach mit meinen Freunden in der Hood Fußball zu spielen", erzählt Mamba. Er habe einen Monat lang das Training geschwänzt und eine Ansage von seiner Mutter bekommen. Auch der VfB-Trainer war unzufrieden und schickte ihn zurück zum SV Ebersbach. Erst als sein dortiger Trainer ihm sagte, dass er zu gut sei, habe er "gemerkt, wie geil das ist" vielleicht mal als Profi spielen zu können und sich angestrengt.

In Cottbus macht es Klick

Was folgte, war ein Wirrwarr durch verschiedene Jugendmannschaften und Vereine, wie dem Karlsruher SC, dem 1. FC Kaiserslautern und der zweiten Mannschaft des SV Sandhausen. In dieser Zeit merkte er: "Fußball ist ein Marathon und kein Sprint. Das ist ein Prozess, wo man viel lernen muss und sich weiterentwickeln muss. Und das habe ich dann in Cottbus gelernt." Unter keinem anderen als Claus-Dieter "Pele" Wollitz.

Und der ließ ihn zu Beginn der Saison in der Regionalliga erstmal nur von der Bank kommen. "Das hat mich auch ein bisschen angekotzt", sagt Mamba, "aber das hat mich auch besser gemacht, weil ich mich dann mehr anstrengen musste, um diesen Platz zu bekommen." Erst nach einem halben Jahr habe er verstanden, was Wollitz wollte: "Dann hat es bei mir Klick gemacht, wie er für Fußball lebt. Das ist das, was ich gebraucht habe." Deswegen schreibt Streli Mamba dem Trainer auch einen großen Anteil an seiner spielerischen Entwicklung zu.

Ab- und Aufstieg über Nacht

"In dem Jahr, in dem wir aufgestiegen sind, habe ich eine überragende Saison für mich gespielt", sagt der 26-Jährige. Bereits zu dem Zeitpunkt habe er Angebote vom SC Paderborn 07 und dem 1. FC Union Berlin bekommen. Wegen der hohen Ablösesumme sei damals keiner der Deals zustande gekommen.

Stattdessen holte ihn der damalige Zweitligist Paderborn ein Jahr später ablösefrei zu sich. Unabhängig davon, wie Cottbus spielen würde.

Tatsächlich konnte sich Cottbus 2019 nicht in der 3. Liga halten. Die Mannschaft stieg wegen eines fehlenden Tors ab. Einen Tag später spielte Paderborn gegen Dresden um den Aufstieg in die 1. Bundesliga. "Und dann sind die [Anm. d. Red.: Paderborn] plötzlich aufgestiegen. Und für mich war klar: Ich spiele in der nächsten Saison in der Bundesliga." Er habe es nicht glauben können. "Einen Tag weint man und am nächsten Tag ist man froh wie ein kleiner Junge", erzählt Mamba mit einem begeisterten Lachen. Seinen Karrieretraum konnte er sich so erfüllen.

Die "eklige” 3. Liga

Die Zeit in der 3. Liga sieht er als die perfekte Vorbereitung. "Wer in der 3. Liga in Deutschland spielt, kann alles spielen", sagt Mamba. Der Fußball sei vielleicht nicht so schick und eher eklig, aber die Liga lebe von Kampf und Mentalität. Mit Paderborn habe er sich in der 1. Bundesliga viel mehr ans Tempo gewöhnen müssen.

Eigentlich hatte Streli Mamba im letzten Jahr geplant zum 1. FC Köln zu wechseln, doch wegen einer Verletzung fiel er durch den Medizincheck. "Das ist sehr unglücklich gelaufen", sagt er zu seinem Ende in Paderborn. Ohne ein passendes Angebot aus Deutschland wechselte er deswegen im Januar zu Qairat Almaty nach Kasachstan. Auch darin sieht er eine neue Chance: "Das ist ein neues Land mit einer neuen Kultur. Das, was ich bisher so erlebe, ist sehr positiv."

Was wäre, wenn...?

Gelegentlich denkt Streli Mamba darüber nach, was passiert wäre, wenn er sich bei seinem ersten Versuch in Stuttgart mehr angestrengt hätte: "Ich bin mir sicher, wenn ich in der Zeit standhaft geblieben wäre, dann wäre das [Spielen in der Bundesliga] früher passiert." Doch auch so sei er zufrieden. "Ich will den Leuten draußen zeigen, dass man einen untypischen Karriereverlauf haben kann. Dass man es schaffen kann, wenn man an sich glaubt und Gas gibt", sagt der 26-Jährige.

Obwohl seine Karriere bisher ohne Fünf- oder Zehn-Jahresplan verlief und Mamba alles auf sich zukommen ließ, hat er eine genaue Vorstellung davon, wie es enden soll. "Wenn es irgendwie möglich wäre - und ich weiß, dass es sehr unrealistisch ist - würde ich gerne meine Karriere in Cottbus mit den Jungs beenden, mit denen auch alles angefangen hat", erzählt der Stürmer. Mit Dimitar Rangelov und Co. wolle er "noch eine Saison zusammen auf dem Platz stehen und dann ist Schluss."

Sendung: rbb UM6, 24.03.2021, 18 Uhr

Beitrag von Lynn Kraemer

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