Herthas Márton Dárdai (imago images/Tilo Wiedensohler)
Bild: imago images/Tilo Wiedensohler

Herthas Márton Dárdai - Mit Ehrgeiz gegen Vorurteile

Hertha-Trainer Pál Dárdai wetterte unlängst gegen den Begriff "Trainersohn". Im Umfeld der Alten Dame ist man ohnehin überzeugt, Márton Dárdai spiele trotz und nicht wegen seines Vaters. So ganz ohne Familie ging dessen Aufstieg dennoch nicht vonstatten. Von Ilja Behnisch

Das Mitleid für Márton Dárdai darf sich in Grenzen halten. Denn auch wenn es rund um Hertha BSC heißt, er spiele obwohl und nicht weil sein Vater Pál aktuell Trainer des Klubs sei. Und auch wenn jener Dárdai angesichts der familiären Bande sagt: "Eigentlich ist es für die Kinder immer die Arschkarte. Sie müssen alles doppelt machen, damit sie überhaupt spielen." Auch dann noch dürfte Márton Dárdai schon jetzt mehr von seiner Familie profitiert haben, als dass sie ihm in seiner Fußballer-Laufbahn schadete.

Das fängt schon mit Opa Pál (1951-2017) an. Auch er war Spieler und Trainer, unter anderem von seinen Söhnen Balázs und Pál junior. Und zudem Ratgeber für Enkel Márton. "Das Kopfball-Jonglieren hat mir so richtig mein Opa beigebracht. Dann hat es von einer auf die andere Sekunde funktioniert", so Márton unlängst gegenüber HerthaTV [tv.herthabsc.com]. Eingebettet war diese Erinnerung in eine weitere. In die von Michael Dober, der Márton in der U12 der Hertha trainierte und über den Dober sagt: "Ist ein fleißiger Junge, weil am Ende, wenn irgendwas nicht klappte, hat er es probiert, trainiert, gemacht, getan. Als Beispiel: Jonglieren ist nicht so sein Ding." Also probierte, trainierte, machte und tat Márton. Bis er den Ball mit den Füßen scheinbar endlos lange und allein auf dem Kopf 44 Mal hochalten konnte. Keine Selbstverständlichkeit für einen Zwölfjährigen. Auch nicht, wenn er für den Nachwuchs eines Bundesligisten spielt.

Wiederholtes Vorspielen bei der Hertha

Dass Márton Dárdai in der Hertha-Jugend überhaupt Aufnahme fand, hat mit seinem berühmten Nachnahmen wiederum wenig zu tun. Denn der Wechsel von seinem ersten Junioren-Verein, dem 1. FC Wilmersdorf, zu Hertha, war keinesfalls ein Selbstläufer. Dárdai musste vorspielen, mehr als einmal. Erst nach einem Testspiel-Einsatz gegen Sparta Prag waren die Verantwortlichen überzeugt. Vielleicht lag die Bedenkzeit auch am allerersten Aufwärmpartner Dárdais: Lazar Samardžić. Der heutige Spieler von RB Leipzig galt lange Zeit als das herausragende Talent der Hertha. Ein Offensiv-Spieler mit begnadeter Technik.

Dabei wusste auch Márton Dárdai schon im Juniorenalter fußballerisch zu überzeugen, wie Papa Pál vor wenigen Woche im Rahmen einer Medienrunde erzählte: "Da haben sie ihn sogar als Verteidiger auf dem Kleinfeld zugestellt, damit er keine Pässe schlägt. Ich bin dann zum gegnerischen Trainer gegangen und habe gesagt, dass Fußball so keinen Spaß bringt. Die Antwort war nur: Aber warum sollen wir es anders machen? Wir haben doch sonst keine Chance."

Mit Volleybällen durch den Garten

Das Passspiel mit dem starken, linken Fuß zählt weiterhin zu Mártons Stärken, auch in der Bundesliga. Schon Bruno Labbadia, unter dem Dárdai erstmals in der Bundesliga auflief, schwärmte: "Marton hat einen sehr guten linken Fuß, einen guten Spielaufbau, lernt stetig dazu, ist sehr wissbegierig und hat sich jetzt auch körperlich nochmal entwickelt."

Papa Pál sagt: "Er ist unglaublich ehrgeizig, besitzt diesen unbedingten Willen und diese Siegermentalität. Er spielt schon so abgezockt wie ein Alter." Vielleicht auch, weil es im Leben von Márton Dárdai kaum etwas außer Fußball gibt. Schaut man auf sein Instagram-Profil [instagram.com/marton.dardai], ist vom üblichen Bling-Bling anderer Jungstars, von coolem Gepose und fragwürdiger Freizeitgestaltung wenig zu sehen. Ein paar Videos vom Angeln am Balaton und ein Treffen der Dárdai-Familie mit der von Hertha-Legende Gábor Király sind zu sehen, ansonsten: Fußball, Fußball, Fußball. Immer schon, wie Márton gegenüber HerthaTV verrät: "Ich war früher mit meinen Brüdern immer draußen im Garten, jeden Tag waren wir draußen, haben Fußball gespielt. Im Garten, zwei Tore, viele Bälle, wir haben immer Volleybälle benutzt, weil sonst die ganzen Pflanzen kaputtgehen und dann hätten wir Ärger bekommen."

Ein U19-Nationalspieler, der wie 30 wirkt

Kein Wunder also, dass Ex-Trainer Labbadia sagte: "Márton ist ein sehr klarer Junge." Einer, der Kapitän der deutschen U17-Nationalmannschaft war, der aktueller U19-Nationalspieler ist und der nicht nur auf seinen Vater und Trainer Pál Dárdai so wirkt, als sei er schon "30 Jahre alt" und mit dem Erfahrungsschatz von 300 Bundesligaspielen gesegnet.

Luft nach oben hat der 1,88 Meter große Dárdai dennoch. Er selbst sagt: "Ich habe noch viele Baustellen. Am meisten würde ich sagen: den schwachen Fuß kann man besser machen." Über das Verhältnis zu Papa Pál, mit dem er nach wie vor unter einem Dach wohnt ("Der ist früh immer schon weg"), sagt Márton gegenüber HerthaTV übrigens: "Auf dem Feld ist das für mich ein Trainer." Für Márton Dárdai zählt eben nur der Fußball. Arschkarte hin oder her.

Sendung: rbb24, 28.03.2021, 22 Uhr

2 Kommentare

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  1. 2.

    Trainer Pal ist der Grund dafür, dass ich meinen Frieden mit Hertha gemacht habe, die ich aufgrund von Skandalen nie leiden konnte. Er ist erfrischend bodenständig!

  2. 1.

    Die Dardai's sind mehr Berliner, als manch "echter" hier in diesem Forum, danke euch!

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