Für Pilotprojekt mit Zuschauern - So lief der Corona-Schnelltestversuch bei Union Berlin

Corona-Schnelltest beim 1. FC Union Berlin (imago images/Matthias Koch)
Audio: Inforadio | 13.03.21 | Jakob Rüger | Bild: imago images/Matthias Koch

Drei Punkte gegen den 1. FC Köln, die Tor-Premiere des 34-jährigen Kapitäns Christopher Trimmel und ein gelungener Testlauf mit Corona-Schnelltests. Dieser Samstag könnte sich als historisch erweisen für Union Berlin. Von Ilja Behnisch

Dann heißt es warten. Im weiten Rund der "Schlosserei", also dort, wo sich ansonsten die "Very Important Persons" aufhalten im Stadion An der Alten Försterei. Aber es passt ja, das Coronavirus macht schließlich keinen Unterschied zwischen arm und reich und heute ist ohnehin jeder wichtig. An dem Tag, an dem der 1. FC Union das Testen testet. "Wir wollen optimal vorbereitet sein, um ein Pilotprojekt mit Zuschauern durchführen zu können, sobald eine entsprechende Genehmigung dafür erteilt worden ist", sagte Unions Pressesprecher Christian Arbeit am Donnerstag. Jetzt wolle man "die praktischen Abläufe ausprobieren."

280 Menschen sind im Zuge eines Bundesliga-Geisterspiels im Stadion unterwegs, vom Sicherheitsdienst bis zu den Medienvertretern. An diesem Samstag gegen den 1. FC Köln bekommen sie allesamt die Möglichkeit, vor dem Zutritt ins eigentliche Stadion einen Corona-Schnelltest zu absolvieren. 165 Menschen werden das Angebot schließlich annehmen, 59 Prozent, alle Tests sind negativ. Wer das Angebot ausschlägt, tut das zumeist aus Zeitnot. Wer etwa dafür Sorge zu tragen hat, dass das Spiel auch übertragen wird, dem ist die gute Viertelstunde, die der Test in Anspruch nimmt, viel wertvolle Zeit.

Ein Ex-Profi am Empfang

Alle anderen dürfen bei der Suche nach einer Lösung für die Zukunft Bekanntschaft mit der Vergangenheit machen. Denn bevor es in eine der Testkabinen in der "Schlosserei" geht, muss man an Michael Parensen vorbei. Heute Geschäftsstellenmitarbeiter bei den Eisernen. Bis zum vergangenen Sommer elf Jahre lang Verteidiger bei Union. Doch statt einer Grätsche gibt es heute nur eine Kontrolle der Personalien und eine Schale mit Armband, Ticket und dem Material für den Abstrich. Und dann ab in eine der Boxen aus Stellwänden, die in der weitläufigen "Schlosserei" Platz gefunden haben.

Insgesamt, so sagt es auch rbb-Radio-Reporter Jakob Rüger, ist mehr Personal zugegen, "als sie eigentlich gebraucht hätten". Das geschulte Personal heißt in seinem Fall Sascha, kommt vom Arbeiter-Samariter-Bund und erklärt das Prozedere: "Wir machen einen Nasen-Abstrich, der geht dann ins Labor und dann kommt per Smartphone das Ergebnis." "Angenehm ist das natürlich nicht", sagt Jakob Rüger, dafür dauert das "Ganze nur drei, vier Sekunden". Und dann heißt es warten. Ehe nach rund zehn Minuten das Smartphone aufleuchtet und den Eingang einer Kurznachricht verkündet. Der Absender: der 1. FC Union Berlin. Der Inhalt: "Test-Ergebnis negativ. Bitte zur Akkreditierungsausgabe begeben."

Michael Parensen (imago images/Matthias Koch)Unions Ex-Profi Michael Parensen half beim Testlauf mit.

"Alles wunderbar"

"Wir sind sehr zufrieden", sagt Christian Arbeit nach dem Spiel gegenüber dem rbb. "Entscheidend für uns war", so Arbeit, "dass alle Abläufe gut funktioniert haben. Die Übermittlung der Daten, das Auslesen der Daten am Einlass - alles wunderbar. Jetzt werden wir uns das noch im Einzelnen anschauen und gucken, was wir ableiten können für größere Zahlen."

Die Frage wird sein, ob und wie sich die heute getesteten Abläufe auf ein Vielfaches der heute 165 Versuchsteilnahmer übertragen lassen. Dezentrale Teststellen könnten ein Schlüssel dafür sein. Denn auch wenn zunächst nur wenige Tausend Zuschauer zugelassen sein sollten, wären sie im unmittelbaren Stadionumfeld immer auf engem Raum zusammen. Angesichts der aktuellen und steigenden Infektionszahlen, angesichts von ansteckenderen Virus-Mutationen ist das ein schwer vorstellbares Szenario. Schafft man allerdings in ganz Berlin oder zumindest Köpenick mehrere Teststellen, ließe sich diese Gefahr womöglich in den Griff bekommen.

Lars Becker beim Schnelltest (imago images/Matthias Koch)rbb-Radio-Reporter Lars Becker beim Abstrich.

Ob und wann ein solches Pilotprojekt von den Behörden genehmigt wird, ist derzeit noch unklar. Union verweist im Bemühen um eine entsprechende Erlaubnis auch auf die Signalwirkung der Kultureinrichtungen, die in den kommenden Tagen und Wochen für den Zuschauerverkehr öffnen dürfen. Ihre Erfahrungen dürften im Wesentlichen mitbestimmen, ob bald auch wieder "Very Important Persons" in die "Schlosserei" dürfen. Bis dahin heißt es warten.

Sendung: rbb24, 13.03.2021, 22 Uhr

Beitrag von Ilja Behnisch

12 Kommentare

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  1. 12.

    Genau, habe auch kein Smartphone und will auch vorerst keines. Was soll dieser digitale Overkill, wenn man schon mit Laptop, PCs den ganzen Tag arbeitet. Manche Services in Printmedien oder DB-Fahrkarten werden nur noch als QR-Code angeboten, keine Web-Adresse mehr. So'n Schmarn.

  2. 11.

    Noch ein kleiner Zusatz aus Meck-Pomm:
    An der deutsch-polnischen Grenze MÜSSEN sich die Leute bei Grenzübertritt auf eigene Kosten testen lassen, um zur Arbeit zu kommen! Demnächst alle 48 Stunden!

  3. 10.

    Sorry, aber verstehe ich Sie richtig und jetzt klopfen sich alle auf die Schulter?
    An Kitas, Schulen, Altenheimen werden mindestens 2x wöchentlich -zig Menschen getestet, mal so ganz neben der täglichen Arbeit!
    Und beim Deutschen liebsten Sport lassen sich die Leute aus Zeitmangel nicht testen?
    Habe ich leider kein Verständnis und verstehe somit auch nicht diese ganze Aktion!

    P.S. Freue mich über jeden Punkt von Union und mal wieder im Stadion mit Bier + Bratwurst, wäre schon toll!

  4. 9.

    Wenn es nur ums "wie" geht, nicht um Infektionssicherheit, also wie schleuse ich 165! Leute durch Räumlichkeiten,wie vermeide ich Gedrängel, wie dokumentiere ich das, dafür gibt es Simulationen oder man kann jede Schulleiterin fragen . Die können das alle. Jeder Sportlehrer, der die Bundesjugendspiele an seiner ISS mit 1500 SuS organisiert, kann das. Und Union muss das für 165 Personen evaluieren. Das ist ja lustig.

  5. 8.

    Vor Ihrer Kritik bitte richtig lesen! Union hat einen Test der zeitlichen und logistischen Abläufe auf freiwilliger Basis durchgeführt. Alle anderen Zugangsberechtigten kamen wie in den Monaten zuvor über das Zugangsprotokoll ins Stadion.
    Es handelte sich um Journalisten, TV und Radio-Stuff, Offizielle und Spieler beider Vereine, Mitarbeiter. Es ging ausschließlich um das Wie. Und das war vom Ergebnis sehr erfolgreich. Es hätten auch 20 oder 30% gereicht.

  6. 7.

    Die Verantwortlichen werden sicher verantwortlich und intelligent mit den Ergebnissen ihre Schlussfolgerungen ziehen. Vorab Unterstellungen sind einfach nur dumm. Vielleicht können wir mit diesen beginnenden Schritten wieder zum Eishockey, zum Biathlon, Skisport im allgemeinen, zum Hand-, Volley-, Fussball, ins Theater, ins Kino gehen. Union ein großes Dankeschön, dass ihr es probiert, möglich werden zu lassen und dies mit bedacht.

  7. 6.

    "Wer das Angebot ausschlägt, tut das zumeist aus Zeitnot. Wer etwa dafür Sorge zu tragen hat, dass das Spiel auch übertragen wird, dem ist die gute Viertelstunde, die der Test in Anspruch nimmt, viel wertvolle Zeit." Sind hiermit etwa Medienvertreter gemeint? Etwa welche von denen, die dem dussligen Volk schon oft genug vorgeworfen haben, durch Sitzen auf der Wiese oder Glühwein-trinken den Tod alter Leute zu verantworten haben? Insgesamt tolle Aktion von UNION. Sind eben nicht nur auf dem Spielfeld die klar Besseren.

  8. 5.

    Kann Ihnen nur recht geben!

    "... bekommen sie allesamt die Möglichkeit, vor dem Zutritt ins eigentliche Stadion einen Corona-Schnelltest zu absolvieren"
    Wieso "Möglichkeit"? Ist nicht "haben die Pflicht" besser und gesünder für uns alle?
    Oder bewahrheitet es sich wieder, welche Rolle der Fußball in unserem Land spielt?

    Was ist mit den 41 Prozent - die keine Zeit hatten!!! - passiert? Dürften diese trotzdem in Station?

    "... Signalwirkung der Kultureinrichtungen"
    Ist doch wohl nicht Ernst gemeint, wenn sich nur die Hälfte testen lässt ...

  9. 4.

    @Luchs

    Wie ist Ihre Aussage zu verstehen ? Sie reden von Hertha und beenden ihren Aussage mit nazis raus? Ist das eine Aussage das Hertha bei nazis beliebt ist???

  10. 3.

    Und wer kein Smartphone besitzt, darf also nicht mehr kommen?

  11. 2.

    280 Testmöglichekeiten und 41 % nutzen es nicht...wie nachlässig.
    15 -20 Minuten sind manchen davon zu viel Zeitaufwand ...wie nachlässig.
    Insgesamt : wie dumm, weil somit 0% Sicherheit. Ein evtl unentdeckt Infizierter ......ist doch alles bekannt.
    Man muss auch keine Abläufe auswerten, wenn der Gesamtvorgang sinnlos erscheint. Bei 100% Mitwirkenden kann man den Fokus auf die Abläufe legen.
    Würden sich die Herren von Union in ein Flugzeug setzen, wenn der Pilot verkündet, dass heute nur 59 % gecheckt sind? Oder die Vorgänge beim Impfen auswerten, wenn der Impfstoff nur 59% Wirksamkeit hätte? Sowohl der Flug wie der Impfstofff würden nicht zugelassen.
    Versteht Fussball das?

  12. 1.

    Wie immer, einfach alles geil -weiter so! Fussball bleibt eben Fussball! Mehr braucht es nicht, keine 260 Millionen um Punkte in der Buli zu erspielen. Viele Grüße an die upper class sprich big city club von der Arbeiterklasse! Nazis raus!

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