Max Kruse mit Smartphone auf dem Fußballfeld (Quelle: Imago Images / Matthias Koch)
Bild: Imago Images / Matthias Koch

Fußballmanager-App Kickbase - Spieler, die sich selbst aufstellen

Deutschland hat Millionen Fußballtrainer - und jetzt auch noch Manager. Via "Kickbase" stellen Fans ihre Teams in einer virtuellen Bundesliga auf. Was passiert, wenn sich Max Kruse plötzlich selbst aufstellt - und wo sind die Gefahren? Von Lynn Kraemer

Wird Max Kruse gegen Hoffenheim nach langer Verletzungspause in der Startelf stehen? Am letzten Spieltag fragten sich das sicherlich einige Fußballfans. Für regelmäßige Verfolger von Kruses Instagram-Storys stand die Antwort schon etwas früher fest. Dort hatte der 32-Jährige einen Screenshot aus der Manager-App Kickbase geteilt und sich selbst aufgestellt. Und wer es dem Profi gleichtat, wurde belohnt. Denn Max Kruse spielte ab der ersten Minute.

Punkte gegen Leistung

Kickbase erfreut sich bei Fußballfans und auch einigen Profifußballern großer Beliebtheit. Nicht nur Max Kruse, sondern auch Spieler wie Weltmeister Thomas Müller oder Frankfurts Sebastian Rode sind bekennende Fans der App. Bei Kickbase agieren Nutzerinnen und Nutzer als Fußballmanager. Sie können mit einem virtuellen Budget reale Spieler kaufen und ein Team zusammenstellen. Und wenn die Profis dann auf dem Platz stehen und spielen, gibt es Punkte für die erbrachte Leistung.

Der Punktestand ergebe sich aus verschiedenen Statistiken auf Grundlage einer "Kombination aus Mensch und Maschine", erklärt Kickbase-Mitgründer und CEO Anatol Korel. Denn beim Partner Opta seien auch Menschen für die Analyse zuständig: "Das sind vier oder fünf pro Paarung, die da sitzen und wirklich schweißtreibend jede Aktion versuchen mitzutracken und gleichzeitig dann auch korrigieren. Und wenige Sekunden später bekommen wir das zugeschickt." So können Kickbase-Nutzer auch schon live während der Partien beobachten, wie sich die Punktstände verändern. Die Manager mit den meisten Punkten gewinnen den Spieltag. Das geht einerseits in einer eigenen privaten Liga mit Freunden und andererseits in sogenannten "Matchday Challenges" mit allen Nutzern von Kickbase.

Über Vereinsgrenzen hinaus

Die App trägt laut Anatol Korel dazu bei, dass der Blick von Fans auf die Bundesliga größer und tiefer wird, weil sich Nutzerinnen und Nutzer nicht nur mit ihrem Heimatverein beschäftigen. "Du kannst halt nicht nur Union-Spieler kaufen. Könntest du, aber wenn Union einen schlechten Spieltag hat oder die Hertha, dann würde dein ganzes Team entsprechend schlecht performen. Deswegen schaust du, dass du so eine ausgewogene Balance hast", sagt Korel. Durch ein Budgetlimit können nicht nur Topspieler gekauft werden, weshalb sich die Spieler zwangsläufig durchmischen. Außerdem führe Kickbase dazu, "dass sich die Scheuklappen durchaus öffnen und du auch Fan von Spielern wirst, die eben auch eine gute Leistung bringen."

Spieler, die sich selbst aufstellen

Wenn sich Thomas Müller öffentlich über Instagram bei Max Kruse entschuldigt, weil er ihn auf Kickbase vorschnell verkauft hat oder sich Stuttgart-Stürmer Saša Kalajdžić im Fernsehinterview ärgert, dass er sich nicht aufgestellt hat, ist das für Kickbase kostenlose Werbung. Gelegentlich wenden sich die Profis auch mit Fragen an die Entwickler. "Für uns ist das ein Ritterschlag, weil Profis deine App benutzen und damit so viel interagieren", freut sich Mitgründer Korel. Bezahlen würden sie keinen von den Fußballern für diese Aussagen.

Im Kickbase-Podcast verriet Max Kruse vor einigen Wochen, dass er von seinen Mitspielern in der virtuellen Kickbase-Liga um Tipps gebeten werde: "Zum Beispiel: 'Spielt der Lenz diese Woche?' Am Anfang war es noch ok, aber wenn du Letzter bist, musst du auf deinen eigenen Arsch gucken." Seine Konsequenz: Auch mal falsche Hinweise weitergeben. Und auch Kruse selbst nutzt seine Kontakte, um den eigenen Kickbase-Punktestand zu verbessern. "Also wenn ich mir jetzt nicht sicher bin, weil der eine vielleicht angeschlagen ist, dann frage ich schon mal nach", erzählte der Spieler. Einer seiner Kontakte sei beispielsweise Christoph Kramer von Borussia Mönchengladbach.

Probleme in der Premier League

Doch wie problematisch ist es, wenn Profifußballer auf Kickbase aktiv sind und ihre Aktivitäten auch öffentlich teilen? Im Fall von Max Kruse war es sehr wahrscheinlich, dass er gegen Hoffenheim in der Startelf stehen würde. Nach seinem Instagrampost wurde er, laut Kickbase, deutlich häufiger aufgestellt. Da es, anders als bei Sportwetten, bei Kickbase nicht um Geld geht, ist die Beteiligung von Spielern nicht verboten.

Allerdings kam es in der englischen Premier League vor ein paar Wochen zu einer Situation, die für die beteiligten Vereine Aston Villa und Leicester City größere Auswirkungen hatte. Mehrere Spieler und Betreuer von Aston Villa hatten ihren Teamkollegen Jack Grealish bei einem anderen Fußballmanager-Spiel aussortiert, bevor dessen Verletzung vom Verein bekanntgegeben wurde. Der Gegner war vorgewarnt. Für die Spieler von Aston Villa gab es ein Fantasy-Premier-League-Verbot.

Möglicher Ausschluss von Spielern

Bei Anatol Korel und seinen Kollegen hat die Aktion eher zu einem Schmunzeln geführt. Die Bundesligaprofis auf Kickbase würden vermutlich nicht in eine solche Situation kommen, weil niemand die geschlossenen Gruppen einsehen kann. Ein Verbot hält er nicht für notwendig: "Würden die öffentlich spielen, gegen alle Manager da draußen, dann könnte man es einsehen. Aber da sind die Fußballer im Grunde in der eigenen Verantwortung, da die Informationen rauszugeben. Ich glaube, jeder Fußballer, der bis drei zählen kann, wüsste diese Gefahr auch sofort zu identifizieren und das zu verhindern."

Würden die Profis in öffentlichen virtuellen Ligen spielen, bei denen es um Gewinne geht, würde Kickbase sie voraussichtlich aus Schutz vor Wettbewerbsverzerrung ausschließen.

Sendung: rbb UM6, 26.02.2021, 18 Uhr

Beitrag von Lynn Kraemer

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