Spieler von Union Berlin um Max Kruse und Robert Andrich freuen sich über Tor (Quelle: Imago Images / Contrast / O. Behrendt)
18.03.2021 | Inforadio Sport | Johannes Mohren | Bild: Imago Images / Contrast / O. Behrendt

Europa Conference League - Worum geht’s für Union Berlin in der europäischen "3. Liga"?

Max Kruse hat keine Lust drauf. Grischa Prömel weiß nicht, worum es geht. Die UEFA hat sich einen neuen Wettbewerb ausgedacht: die Europa Conference League. Eine dritte europäische Liga, in der Union Berlin schon bald spielen könnte. Von Lynn Kraemer

Champions League, Europa League und ab diesem Sommer die Europa Conference League – der Wettbewerbskalender der UEFA wird noch etwas voller. Die Europa Conference League ist ein dritter Klubwettbewerb, der unterhalb der beiden bestehenden UEFA-Ligen ansetzen soll. Spieltag ist der Donnerstag und aus Deutschland qualifiziert sich der Bundesligasechste. Der Siebte rückt aber nach, wenn der Pokalsieger in der Liga unter den ersten sechs Mannschaften landet. Nach aktuellem Tabellenstand wäre das der 1. FC Union Berlin.

In der Mannschaft ist der neue europäische Wettbewerb allerdings noch nicht angekommen. "Äh, Conference League? Ist für mich neu", heißt es von Grischa Prömel. Und auch Robert Andrich weiß nichts von der Europa Conference League: "Ich habe absolut gar keine Ahnung, was es wie damit auf sich hat und um was es da überhaupt geht."

Der neue Wettbewerb im Überblick

Die Einführung der Europa Conference League wurde bereits 2018 beschlossen. Bisher nahmen 32 Mannschaften an der Champions League teil und 48 konnten sich für die Europa League qualifizieren. Insgesamt hatten also 80 Mannschaften die Chance in Europa zu spielen. Mit Einführung der Europa Conference League sollen jetzt in allen drei Wettbewerben je 32 Teams starten. Das Gesamtteilnehmerfeld wird also größer.

Allerdings verkleinert sich dadurch die Europa League. Sie wird exklusiver. Dort sollen in Zukunft nur noch 32 statt 48 Mannschaften starten. Dies hat insbesondere Auswirkungen für andere Nationen wie die Niederlande oder Schweden [sportschau.de].

Mit welchen Vereinen die Europa Conference League im Sommer startet, ist noch offen. Rund 140 Teams spielen um die 32 Startplätze. Vor der eigentlichen Gruppenphase gibt es drei Qualifikationsrunden und Play-offs. Daran nehmen auch Mannschaften teil, die vorher in den Qualifikationsrunden der Champions League und Europa League ausgeschieden sind. Der Starter aus der Bundesliga steigt ab den Play-offs ein und muss dort ein Hin- und Rückspiel überstehen.

Alle, die sich über die Play-offs qualifizieren, verteilen sich auf acht Gruppen mit je vier Mannschaften. Die Gruppensieger erreichen das Achtelfinale. Die anderen acht Starter werden in einer zusätzlichen Runde zwischen den Gruppenzweiten der Europa Conference League und den Gruppendritten der Europa League ermittelt. Der Gewinner des Gesamtwettbewerbs nimmt in der nächsten Saison automatisch an der Gruppenphase der Europa League teil.

Europa? Ja. Conference League? Nein.

Robert Andrich reizt die Möglichkeit international zu spielen. "Ich konnte es jetzt noch nicht in meiner Karriere. Das wäre für mich persönlich auch nochmal ein Meilenstein. Auch für den Verein wäre das vom Stellenwert her eine Riesensache", sagt der 26-Jährige.

Weniger angetan ist Max Kruse. "Europa League hätte ich Bock drauf", sagte er gegenüber Sky nach dem 2:1-Sieg gegen Köln: "Europa Conference League hätte ich irgendwie keinen Bock drauf. Ich weiß nicht mal, was das ist. Da können dann andere spielen." Es gebe genug Wettbewerbe. "Dabei sollte es dann eigentlich auch bleiben. Wenn es jetzt noch einen gibt, dann herzlichen Glückwunsch."

Der erste Europa-Trip

Während die aktuelle Mannschaft noch nicht ganz von der Option Europa überzeugt ist, sah das 2001 ganz anders aus. Ronny Nikol stand beim ersten Europa-Abenteuer der Unioner mit auf dem Platz: "Es war für uns ein fantastisches Jahr. Wir sind aufgestiegen, waren im Pokalendspiel gegen Schalke und dadurch durch Europa gefahren." Weil Schalke schon für die Champions League qualifiziert war, durfte Union Berlin als Pokalzweiter im UEFA-Pokal nachrücken. "Das war natürlich ein schönes Erlebnis für uns. Das war mal etwas ganz anderes als durch Deutschland zu fahren", erzählt Nikol.

Im September 2001 reiste er mit der Mannschaft und rund 300 Fans für das Hinspiel nach Finnland. Doch wegen der Anschläge am 11. September wurde das Spiel um eine Woche verschoben. Während die Mannschaft zwischendurch wieder zurück nach Deutschland reiste, blieben einige der Fans für die ganze Woche in Finnland. Ronny Nikol denkt gerne an die "positiv verrückten" Fans zurück, die sie unterstützten. Das Spiel gegen Haka Valkeakoski endete mit einem 1:1. Im Rückspiel konnte sich Union Berlin dann mit 3:0 durchsetzen.

In der zweiten Runde schied der 1. FC Union Berlin dann gegen Litex Lowetsch aus Bulgarien aus. Doch Ronny Nikol möchte die Erfahrung nicht missen. "Die vier Spiele waren einfach klasse", sagt er. Für die aktuelle Mannschaft sieht er es aber nicht als Pflicht an, sich sofort für die Europa Conference League zu qualifizieren. Wichtiger sei eine gute Saison. "Wenn es am Ende dafür reicht, ist es ein guter Abschluss", so Ronny Nikol.

Sendung: rbb Inforadio, 18.03.2021, 10:15 Uhr

10 Kommentare

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  1. 10.

    "Und die jeweiligen Absteiger der Ligen,die machen dann sowas wie die Relegation League."
    Das klingt lustig, nicht so laut, sonst wird das noch angenommen und umgesetzt! ;-)

    Die Überschrift klingt so, als wäre Union schon so gut wie qualifiziert für die ECL. Es gibt aber noch acht Bundesliga-Spieltage und eine handvoll anderer Mannschaften sind auch noch im Rennen um den Einzug in die ECL.

  2. 8.

    Finde internationale Spiele immer gut. Je mehr desto besser. Und es ist schließlich Profifußball. Bissle mehr Arbeiten können die Profis auch ;-)))

    Und an die, die hier immer meckern über Geld usw.... Die Gehälter der Profis müssen erwirtschaftet werden. Und es schauen auch ohne euch Dauerunzufriedenen genug Leute Fußball und das sogar gerne.

  3. 7.

    Es gab vor dem Mauerfall mal den Intertotocup, da war Union mal dabei. 22000 Zuschauer gegen Uerdingen, das war was, Ost gegen West. Aber diesen Cup braucht niemand. Für Union ist die Bundesliga die Championsleague.

  4. 6.

    Man könnte ja noch einen europäischen Wettbewerb für die Plätze 8-15 erfinden. Dann ist bald jeder Club beschäftigt. Und die jeweiligen Absteiger der Ligen,die machen dann sowas wie die Relegation League. So wird es kommen.

  5. 5.

    Ich glaube schon, dass Union und deren Fans gerne unter der Woche unter Flutlicht spielen würden. Paar Mark gibt's und bisschen Euro-Kribbeln ist auch dabei.
    Außer Maxe, der sitzt da lieber in den Kellern beim Kartenspielen.

  6. 4.

    Boah - is dir langweilig...
    Aber ein schöner Nebeneffekt für diesen aufgeblasenen Kohle-Wahnsinn könnte sein, dass mehr Zuschauer ihre Clubs in den unteren Ligen (wieder) entdecken...

  7. 3.

    Danke. Ihr Kommentar trifft es auf dem Punkt.

  8. 2.

    Wenn sich nur noch die Fans von Bayern, Dortmund, Leipzig und der jeweils anderen qualifizierten Vereine für das Europa-Kaspertheater interessieren, muss man halt den Teilnehmerkreis erweitern um mehr Abonnenten für das Bezahlfernsehen zu gewinnen.
    Früher gab es mal 3 Europapokalwettbewerbe, für alle Länder der Uefa und da gab es auch mal Überraschungen. Das war noch interessant. Jetzt gibt es zwei Geld-Ligen, demnächst noch eine dritte und den normalen Fußballfan, außer denen der Krösusse die immer teilnehmen, wird es trotzdem nicht interessieren.

  9. 1.

    Ihr bekommt in Eurer Raffgier den Fussball schon kaputt. Wird immer uninteressanter und langweiliger.

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