Möglicher Aufstieg in die 3. Liga - Viktoria Berlin sucht ein neues Zuhause

Das Stadion Lichterfelde ist aktuell die Heimstätte von Viktoria Berlin (Quelle: imago images/Mauersberger)
Video: rbb UM6 | 03.03.2021 | Dennis Wiese | Bild: imago images/Mauersberger

Viktoria Berlin führt die Regionalliga Nordost an und hat den Aufstieg in die 3. Liga dicht vor Augen. Die aktuelle Heimstätte in Lichterfelde wird den Anforderungen des Profifußballs aber nicht gerecht - und die Suche nach einer Alternative ist schwierig.

Wer in Berlin schon einmal eine neue Bleibe gesucht hat, der kennt es: Es ist kompliziert. Diese Erfahrung macht aktuell auch der FC Viktoria Berlin. Auf dem Wunschzettel für das neue Zuhause stehen allerdings nicht drei Zimmer mit Balkon und Wannenbad, sondern eine Rasenheizung, Platz für mindestens 10.000 Zuschauer und ein VIP-Bereich. Denn das sind einige der Anforderungen an ein Drittliga-Stadion - und in diese Spielklasse könnten die Berliner bald aufsteigen.

Stadion Lichterfelde ist nicht drittligatauglich

Zwar ruht der Spielbetrieb in der Regionalliga Nordost seit Monaten, Viktoria ist als ungeschlagener Tabellenführer aber die klare Nummer eins. Und weil der Meister der Nordost-Staffel in diesem Jahr direkt aufsteigen soll, beschäftigt sich der Verein bereits mit der möglichen Spielstätte für die kommende Saison.

Bisher ist das das Stadion Lichterfelde. "Dort sind wir in dieser Saison sehr erfolgreich und würden daher natürlich auch perspektivisch gerne in unserem Wohnzimmer Fußball spielen", sagt der Sportdirektor Rocco Teichmann. Aber: "Die Anforderungen für den Spielbetrieb bezüglich der Zulassung für die 3. Liga sind sehr groß." Das Stadion bietet unter anderem nicht genügend Zuschauerkapazität sowie Platz für Fernsehübertragungstechnik.

Olympiastadion, Alte Försterei und Jahnsportpark scheiden aus

Dennoch hat sich der Verein aus Steglitz-Zehlendorf erstmal mit seiner bisherigen Heimstätte beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) beworben. "Wir werden damit rechnen müssen, dass wir eine Bedingung erfüllen müssen", sagt Teichmann, "dass ein Ausweichstadion genannt werden muss. Da sind wir weiterhin mit dem Berliner Senat und einzelnen Bezirken im Dialog."

Doch welches könnte das sein? Das Olympiastadion ist zu teuer. Auch das Stadion An der Alten Försterei ist wohl keine Option. Der Jahnsportpark ist wegen Sanierung oder Neubau gesperrt und somit auch raus. Und so gestaltet sich die Lage ähnlich wie auf dem Berliner Wohnungsmarkt: Gute Angebote sind knapp. Die Vereine des Poststadions, darunter Regionalliga-Konkurrent Berliner AK, haben sich in einer Erklärung wegen der starken Auslastung gegen einen Umzug von Regionalligist Altglienicke positioniert. Somit scheidet wohl auch diese Option aus.

Ansässige Vereine befürchten Einschränkungen

In den Mittelpunkt ist daher das Mommsenstadion in Charlottenburg gerückt. Die Gespräche mit dem Bezirksamt laufen bereits. Doch auch dort müsste noch einiges gemacht werden. "Da sehe ich auch das Land in der Pflicht, dass eine Finanzierung zur Verfügung gestellt wird, wenn ein Verein in eine höhere Liga aufsteigt", sagt Heike Schmitt-Schmelz (SPD), Sport-Bezirksstadträtin von Charlottenburg-Wilmersdorf. "Auf der anderen Seite bedeutet es aber auch, dass wir aufpassen müssen, dass wir ansässige Vereine nicht verdrängen."

Dazu zählen der SC Charlottenburg und der Regionalligist Tennis Borussia, der sich grundsätzlich offen für einen weiteren Mieter zeigt. "Wenn das übergangsweise für ein Jahr ist, werden wir die letzten sein, die sich dagegen versperren", so der TeBe-Vorstandsvorsitzende Günter Brombosch, der sich gleichzeitig im Gespräch wundert, "dass Viktoria bis heute nicht den Weg zu uns gefunden hat und versucht hat, in einem Gespräch zu klären, welche Möglichkeiten es gibt."

Brombosch sagt, er fürchte Einschränkungen für die bisher im Stadion beheimateten Vereine und äußert noch weitreichendere Kritik: "Es ist sicherlich ein Armutszeugnis für Berlin, dass wir für einen Drittligisten keinen Spielort haben, auf den man sofort zurückgreifen kann."

Nicht zuletzt deswegen hat auch Viktoria Berlin den Suchradius schon erweitert - auf Brandenburg. "Das wird eine Alternative sein müssen, wenn wir in Berlin nicht die Möglichkeiten haben – wobei das unser favorisierter Standort ist", betont Rocco Teichmann. Bis Juni soll eine Entscheidung fallen, wo der Regionalliga-Spitzenreiter in der 3. Liga seine Heimspiele austragen könnte. Aber erstmal bleibt es wohl auch weiterhin kompliziert.

Sendung: rbb UM6, 03.03.21, 18 Uhr

7 Kommentare

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  1. 7.

    Dann schauen Die sich doch mal bitte die Aktivitäten z.B. bei Lok Leipzig an, die seit zwei Jahren versuchen eine drittligataugliche Arena hinzubekommen. Oder blicken Sie mal nach Cottbus. Dort gehört das Stadion dem Verein, der dort selbst jedes Jahr einen siebenstelligen Betrag in den Unterhalt investiert. Und genau diese Mittel fehlen dann um besser in den sportlichen Kader investieren zu können. Auch Union Berlin hat in all den Jahren als es sportlich noch nicht so lief, immer wieder in sein Stadion investiert.

  2. 6.

    @ Theo Berlin: Welche Viertligisten haben denn intensiv in ein (eigenes??) Stadion investiert?? Aber herum gefragt: Welchen Vereinen bzw. Gesellschaften im gesamten deutschen Fußball können denn von sich behaupten, dass sie ein eigenes Stadion haben. Das ist schon in der 1. Bundesliga nicht die Regel!!

  3. 5.

    Trauriges Spiel.
    Unser Senat muss sich ja auch ständig mit den Jammereinen des BCC Windhorst beschäftigen.

  4. 4.

    Klares Votum, für eine wenn auch umfangreiche Sanierung des Jahn- Sportparkes! Absage an Gedanken eines Neubaues!
    Geschichte und Tradition will ich auch zukünftig spüren!
    Das ist die eine Seite, die andere Frage, ist es realistisch dauerhaft für die 3. Liga zu planen? Vielleicht sehen wir uns schneller wieder zum Punktspiel im Wesenitzpark-Stadion als gedacht.

  5. 3.

    Ich denke, da ist das Allianzstadion in Mariendorf im Gespräch. War doch letztens schon der Abendschau einen großen Bericht wert.

  6. 2.

    Was soll die Jammerei? Die Bedingungen welche der DFB für eine Teilnahme am Spielbetrieb zur 3.Liga stellt sind doch bekannt. Da kann sich Viktoria nun doch nicht hinstellen, als hätte man das nicht gewusst. Der Investor hat tüchtig in die Mannschaft investiert und die Stadionfrage sicher mit einem "wird schon irgendwie" betrachtet. Das scheint bei Investoren, wenn ich den Blick zum KFC Uerdingen oder zu Türkgücü München richte, nicht unüblich zu sein. Solche Handlungsweise stellt eine Wettbewerbsverzerrung innerhalb der Regionalligen dar, denn während solche Vereine lediglich in ihr spielendes "Material" investieren und ohnehin (Viktoria) kostenfrei im landeseigenem Stadion trainieren und spielen dürfen, investieren andere Regionalligisten mit Aufstiegsambitionen, regelmäßig genauso intensiv in die Infrastruktur (Stadion etc.). Möge der DFB sehr aufmerksam bei der Lizensierung sein!

  7. 1.

    Wozu benötigt ein Drittligist entsprechend der DFB-Satzung einen VIP-Bereich?? Bratwurststände gibt es doch schon in der Kreisklasse!!
    Im Ernst, kein normaler Viertligist kann mit Eigenmitteln die Auflagen für die dritte Liga im eigenen Stadion stemmen, vor allem, weil die Wahrscheinlichkeit ja groß ist, gleich wieder abzusteigen! Bleiben nur das Verlassen des eigenen Stadions (Identitätsverlust!) oder das Einspringen der Kommune...
    War es nicht Rödinghausen in der RL West, die aus diesen Gründen sogar verzichteten, aufzusteigen!?

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