Abbruch der Regionalliga-Saison - Viktoria Berlin wartet auf den offiziellen Gong

Die Spieler von Viktoria Berlin jubeln (Quelle: imago images/opokupix)
Bild: imago images/opokupix

Nach dem beschlossenen Aus der Fußball-Regionalliga stellen die Klubs jetzt erste Weichen für die Zukunft. Viktoria Berlin konzentriert sich auf die 3. Liga und sucht nach einem tauglichen Stadion. Bei Energie Cottbus gibt man sich demütig. Von Andreas Friebel

In der Fußball-Regionalliga Nordost geht nichts mehr: Die Klubs zogen am Mittwochabend die Reißleine und stimmten für den Abbruch. Aufgrund der Corona-Situation scheint es ausgeschlossen, dass in den nächsten Wochen Spiele stattfinden können.

Was heißt das jetzt konkret für die Vereine?

Viktoria Berlins Sportdirektor Rocco Teichmann lächelt (Foto: imago images / Ed Gar)
Rocco TeichmannBild: imago images / Ed Gar

Die Sektkorken knallen in Berlin noch nicht. Obwohl die Viktoria nach dem Votum der Klubs Meister werden darf und aufsteigen kann, reagiert Sportdirektor Rocco Teichmann noch etwas verhalten. Denn erst in zwei Wochen will der Nordostdeutsche Fußballverband (NOFV) den entsprechenden Beschluss fassen.

Der ist aber nur Formsache. "Wir haben sportlich unseren Job gemacht", sagt Sportdirektor Rocco Teichmann. "Jetzt müssen wir noch auf den offiziellen Gong warten. Trotzdem ist eine gewisse Freude auch bei den Jungs da."

Meister nach nur elf Spielen

Nur elf Spiele haben die Berliner in dieser Saison absolviert. Die aber alle gewonnen. Der Klub hat sich die Meisterschaft also verdient. Dennoch hätte NOFV-Präsident Hermann Winkler gern noch einmal den Spielbetrieb aufgenommen. Aber es ging, auch aus wirtschaftlichen Gründen, nicht. "Wir wollten verhindern, dass weiter Geld verbrannt wird. Dass die Klubs trainieren und testen müssen, obwohl sie nicht wissen, ob sie noch mal spielen können", so Winkler gegenüber dem Mitteldeutschen Rundfunk (MDR).

Energie liegt abgeschlagen im Liga-Mittelfeld

Auch in Cottbus reagiert der neue Präsident Sebastian Lemke am Donnerstagmittag positiv auf das Ende der fünfmonatigen Hängepartie. Denn sein Klub hat sportlich enttäuscht und liegt weit abgeschlagen hinter den Topteams im Mittelfeld der Liga. Ein möglicher Neustart wäre mit Blick auf die Tabelle bedeutungslos gewesen. "Sportlich ist jetzt alles geklärt. Wirtschaftlich sind wir jetzt am Arbeiten, nachdem wir im Dezember den Verein in einer schwierigen Situation übernommen haben. Wir sind auf einem guten Weg und hoffen, dass das Minus am Saisonende nicht zu groß ist."

Trotz Regionalliga-Aus soll der Landespokal stattfinden

Zwar haben die Lausitzer bereits zwei mal Geld vom Landessportbund bekommen. Wegen der fehlenden Zuschauereinnahmen ist ein dritter Antrag gestellt. In die Sommerpause gehen aber weder Cottbus noch Viktoria. Beide Vereine sind noch im Landespokal vertreten. Stand jetzt sollen die noch ausstehenden Spiele auch stattfinden. Spätestens im Mai. "Wir wollen unbedingt in den DFB-Pokal. Und deshalb trainieren wir weiter. Sobald es einen konkreten Termin gibt, beenden wir die Kurzarbeit", kündigt Lemke an. Sein Verein trifft im Viertelfinale auf Babelsberg.

Rocco Teichmann könnte die anstehenden Spiele dafür nutzen, um zu schauen, wer aus dem aktuellen Kader noch mit in die dritte Liga gehen könnte."Wir wollen dort konkurrenzfähig sein. Deshalb werden wir den Kader verändern und in der Qualität erhöhen." Die Gespräche sind bereits angelaufen.

Erste personelle Entscheidungen werden fallen, wenn das NOFV-Präsidium am 16. April Viktoria als Aufsteiger offiziell bestätigt. Danach ist der DFB dran, der die Lizensierung auch von der Klärung der offenen Stadionfrage abhängig macht. Denn noch weiß der designierte Aufsteiger nicht, wo er sein Drittliga-Abenteuer überhaupt erleben kann. Das heimische Stadion Lichterfelde genügt den infrastrukturellen Anforderungen der 3. Liga nicht, eine alternative Spielstätte ist noch nicht gefunden. Erst wenn das geschehen ist, werden bei der Viktoria die Sektkorken knallen.

Auch beim FC Energie laufen nach dem angekündigten Abbruch nun die Planungen für die neue Spielzeit an. Bis zum Neustart der Regionalliga im Juli wünscht sich Präsident Lemke eine schlagkräftige Mannschaft. Schränkt aber auch ein. "Wir sollten Demut bewahren. Wir kommen aus einer schweren Krise des Vereins. Der Neuaufbau läuft. Mal schauen was möglich ist. Aber wir werden nicht sagen, dass wir ganz vorn mitspielen wollen."

Sendung: rbb UM6, 25.03.2021, 18 Uhr

Beitrag von Andreas Friebel

3 Kommentare

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  1. 3.

    Als Nachrücker kämen wohl der Reihe nach die Vereine in Betracht, die eben diese DFB-Kriterien erfüllen und wollen...
    Auch ohne Abbruch und Corona eine absurde Situation!

    In Sachen Viktoria bin ich eh der Meinung, dass es völlig egal ist, wo sie spielen - Heimpublikum wird auch in der dritten Liga eher übersichtlich sein. Bei den Heimspielen waren zwischen 280 und 650 da - vermute mal, wenn über 400 da sind, ist der Großteil eh nich aus Berlin. Also könnten sie theoretisch irgendwo in Brandenburg spielen - fällt hier eh kaum jemandem auf.

  2. 2.

    Sagen wir mal so: Wenn auch abgebrochene Saison, aber Viktoria ist sportlicher Meister. Glückwunsch dazu. Dies aber mit dem Aufstieg in die 3.Liga gleichzusetzen ist schon sehr mutig. Der DFB hat ganz klare Zulassungsbestimmungen zum Spielbetrieb (Lizenz). Und genau da hat wohl Viktoria mindestes ein ganz dickes Problem - das Stadion. Der DFB sollte das auch keine weitere Ausnahme machen - ohne drittligataugliches Stadion für 10.000 Zuschauer/Sitzplätze/Parkmöglichkeiten etc. pp darf es keine Lizenz geben! Die öfter erwähnten Spielstätten Post- oder Mommsenstadion sind dem nicht gewachsen. Was sagen denn die Anwohner dazu?
    Wer würde denn Nachrücker für Viktoria sein, erteilte Lizenz vorausgesetzt?

  3. 1.

    Der Aufstieg ist logisch, auch wenn grade in den unteren Ligen oft ein scheinbar unerklärlicher Einbruch im Laufe der Saison passierte...

    Viel spannender wird die Frage evtl. Absteiger sein. Und wie sich die Staffel in der nächsten Saison präsentiert. Wieviele Teams kommen von oben und von unten... und noch wichtiger: welche Vereine können in der nächsten Saison überhaupt den Aufwand noch stemmen - ein Jahr ohne wirkliche Einnahmen sind vielleicht für einige Vereine der Genickbruch!
    Mit Solidarität der Verbände ist leider nicht zu rechnen...

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